Wolverine: Weg des Kriegers (Filmkritik)

Nachdem er bei seinem letzten Kampf seine große Liebe Jean Grey (Famke Janssen) töten musste, lebt der Mutant Logan (Hugh Jackman) einsam und alleine, wie ein Tier in den kanadischen Wäldern. Starke alkoholische Getränke und Visionen von Jean sind dabei seine einzigen Begleiter. Eigentlich hat er keinen Lebenswillen mehr und möchte nur mehr all seine falsch getroffenen Entscheidungen vergessen.

Als ihn die geheimnisvolle Yukio (Rila Fukushima) aufspürt und zu einem Treffen mit einem alten Bekannten nach Japan einladet, sagt er zunächst nur widerwillig zu. Was ihn dann aber erwartet, weckt Logans Lebensgeister wieder und das gleich in mehrerer Hinsicht. Dies ist aber leider kein Grund zum Feiern, denn seiner Selbstheilungskraft beraubt steht er nun vor dem tödlichsten Abenteuer, dass er je bestehen musste.

The Wolverine Film Hugh Jackman

Er ist zurück. Nach seinem ersten Auftritt im Jahre 2000 im ersten Teil der X-Men Trilogie, spielt Hugh Jackman nun bereits zum sechsten Mal Wolverine (wenn man seinen Cameo-Auftritt in „First Class“ mitrechnet versteht sich. Passend ist diese Langlebigkeit für einen Mutanten mit verlängerter Lebenserwartung auf jeden Fall, in der Zwischenzeit hat immerhin Spiderman seine Trilogie plus Reboot hinter sich gebracht, der „Dark Knight“ kämpfte sich durch seine drei Teile und die „Avengers“ haben ihre Phase eins gemeistert und haben die zweite bereits gestartet. Und was macht unser lieber Wolvie? Nun, der ist noch immer da und noch immer genau so wütend.

Nachdem weder Jackman, noch zahlreiche Fans und Kritiker mit Wolverines erstem Soloabenteuer „X-Men Origins: Wolverine“ zufrieden waren (ich hatte übrigens trotzdem meinen Spass), sollte der nächste Teil nun alles richtig machen. Dafür wählte man die in Japan angesiedelte Comicstory aus dem Jahre 1982 von Chris Claremont und Frank Miller als Ausgangslage und konnte nach einigem hin und her schließlich James Mangold (Knight and Day) als Regisseur gewinnen.

Der Anspruch war also klar: nicht nur eine weitere Mutanten-Action-Orgie erschaffen, sondern einen richtig guten Film machen, mit echten Charakteren und einer starken Story. Klar wird dabei beim Betrachten vor allem eines: dies ist eine kleine Geschichte, die sich nicht mit der Bedrohung der Welt beschäftigt. Auch gehen nicht ganze Stadtteile zu Bruch. So funktioniert dieser Film beinahe als Gegenpol zu den Event-Zerstörungsorgien dieses Kinosommers und hat auch über 100 Millionen Dollar weniger gekostet. Beispiele? „Man of Steel„, „Pacific Rim“ oder „The Lone Ranger“ um nur ein paar zu nennen.

Gleichzeitig eine Charakterstudie machen zu wollen, Comic-Elemente hinein zu mixen und dann auch noch der japanischen Kultur gerecht zu werden, das ist schon ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Funktioniert hat es zwar für mich, doch gibt es auch einiges, an dem man weniger Gefallen finden könnte. Zunächst mal geht Wolverines Kampf mit den inneren Dämonen in eine Richtung, die ihn wieder weiter von der Härte und Coolness seiner Comicvorlage entfernt. Daran ist man aber nach den vergangenen Filmen schon gewöhnt.

Diesen um Realismus bemühten Szenen, werden dann klare Comic-Momente entgegengesetzt, wie etwa ein selbst vorgenommener Eingriff von Logan an einem überlebenswichtigen Organ oder eine Aktion mit Pfeilen und Ninjas, die so eins zu eins aus den Heftseiten kopiert sein könnte. Nach dem Beginn des Filmes und dem damit verbundenen Rückblick inklusive der Atombombe, sollte man seine Realitätsansprüche aber sowieso nur auf die Charakterentwicklung beschränken. Dafür sehen die Effekte wirklich gut aus, den nachträglich konvertierten 3D-Effekt, hätte man sich aber getrost sparen können.

Die Veränderungen der Hauptfigur gehen dann natürlich klar vorgegebene Wege, denn dass Logan in Lethargie verfällt, dass kann nicht so bleiben und wer die Vorlage kennt weiß, dass eine gewisse Dame namens Mariko neben Jean Grey zu den wenigen großen Lieben unseres Lieblingsmutanten zählt. Was mich zu den mehrere Male eingesetzten Visionen mit Jean führt, die ich persönlich unnötig fand. Ich hab zwar verstanden was sie ausdrücken sollten, das kam mir aber irgendwie zu kitschig rüber. Gut gelungen ist insgesamt aber die Balance zwischen Action und Handlung gelungen, auch wenn einige Dialoge wohl noch eine Überarbeitung vertragen hätten.

Echt „Wolverine-Momente“, wo ich mir beim Anschauen dachte, dass ich weiß dass der Kerl sich so benimmt und ich genau das sehen wollte, habe ich dafür noch nie so häufig gehabt wie in diesem Film. Jackman (Les Misérables) hat seinen Stil in den über zehn Jahren seit er Logan spielt mittlerweile perfektioniert und überzeugt sowohl in den schwachen, als auch in den coolen und actionreichen Passagen auf der ganzen Linie. Auch physisch wirkt er gestählt und füllt seine Rolle sozusagen ganzheitlich voll aus.

Ihm zur Seite stehen eine Vielzahl von asiatischen Darstellern, wobei ich vor allem die aus dem Modelbereich stammende Rila Fukushima als Yukio ins Herz geschlossen habe, weil ihr Erscheinungsbild einfach so schräg ist und sie als mit dem Schwert kämpfender „Bodyguard“ von Logan einfach einen herrlichen Sidekick abgibt. Tao Okamoto als Mariko spielt ihre gleichzeitig unreife und trotzdem irgendwie erwachsene Art gekonnt und man kann verstehen, warum sich unser Held in sie verliebt.

Svetlana Khodchenkova als Viper rundet das starke Frauen-Trio ab, wobei vor allem ihre eiskalte Coolness und ihr überhebliches Auftreten richtig gut rüberkommen. Nur im Finale fand ich den Weg, den ihre Figur geht, etwas zu unspektakulär bzw. verschenkt. Famke Janssen (Hänsel und Gretel) mag ich ja grundsätzlich ganz gerne, aber ihre Aufgabe hier hätte wirklich jeder übernehmen können, war aber trotzdem nett, sie wieder mal zu sehen.

Allgemein muss ich am Ende noch eines loswerden. Fans des Ausgangsmaterials sind nach den vorigen X-Men Abenteuern ja mittlerweile entweder eh schon geflüchtet, oder sind einiges an kreativer Freiheit gewohnt, so kann man auch Änderungen bei der Figur des „Silver Samurai“ verzeihen, wahrscheinlich sogar leichter als es den Fans beim Bösewicht in „Iron Man 3“ gegangen ist. Entscheiden muss man sich hier also nur, ob man sich auf diesen Mix einlassen will/kann, denn dass das Ganze für einige gar nicht oder nur wenig funktioniert, das kann ich mir durchaus vorstellen.

Wer Jackman und seine Interpretation dieser beliebten Figur zu schätzen gelernt hat und auch eine langsam erzählte Wolverine-Story verträgt, die nicht nur als oberflächliche Actionorgie wie der erste Teil funktioniert, der ist hier genau richtig. Denn auch wenn alles völlig ernst erzählt wird, auch die Szenen zum Lachen fehlen hier nicht, was das Ganze noch mal ein Stück weit sympathischer erscheinen lässt.

„Wolverine: Weg des Kriegers“ bekommt von mir 8/10 innere Dämonen gegen äußerliche Freunde tauschende Empfehlungspunkte.

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Ein Gedanke zu „Wolverine: Weg des Kriegers (Filmkritik)

  1. auch wenn ich den dritten iron man und man of steel sehr mochte ist „the wolverine“ für mich das intensivste superhelden-filmerlebnis des jahres. ich hoffe das jackman noch ein paar mal in die rolle schlüpft bevor er mit diät und training die schautze voll hat. es gibt keinen schauspieler abgesehen von robert downey jr als tony stark der so perfekt in eine rolle passt und es ist unglaublich wie viele abstufungen von pissed jackman hier rüberbringt 😉

    ich kann übrigens jedem nur den extendend cut ans herz legen (auch wenn ich es eine frechheit finde hier nen knappen euro pro zusätzlicher minute zu verlangen) da die zusätzlichen szenen den film tatsächlich aufwerten.

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