The Babysitter (2017 Filmkritik)

Cole (Judah Lewis) ist ein Außenseiter und Nerd, der einige Probleme hat mit dem Erwachsenwerden. Richtig wohl fühlt er sich meistens nur alleine, außer er verbringt gerade Zeit mit seiner Babysitterin. Die heißt Bee (Samara Weaving) und für Cole ist sie das schönste und witzigste Mädchen, dass er kennt. Und ja, er ist offensichtlich verliebt in sie.

Weil ihn seine einzige Freundin (Emily Alyn Lind) Melanie dazu überredet, stellt er sich eines Nachts schlafend um herauszufinden, was Bee eigentlich immer so tut, wenn er schläft. Als fünf von ihren Freunden auftauchen und sie gemeinsam ein Spiel spielen, wirkt alles noch ganz harmlos. Doch spätestens als plötzlich einer von ihnen zwei Messer im Kopf hat und Blut durch die Gegend spritzt wird Cole klar, dass er doch lieber im Bett geblieben wäre.

Den ursprünglich aus dem Musikvideo-Bereich stammenden Regisseur McG habe ich damals bei den beiden „3 Engel für Charly“ Filmen kennen gelernt, bei denen ich viel Spass hatte. Seitdem hat er ein paar mehr oder weniger „gute“ Blockbuster abgeliefert – Das gibt Ärger, Terminator: Die Erlösung, 3 Days to Kill – und arbeitete in letzter Zeit eher an den jeweils ersten Folgen von verschiedenen Serien (Shadowhunters, Lethal Weapon). Nun ist er zurück mit einer Horrorkomödie, die passend am Freitag dem 13. Oktober, ihre Premiere auf Netflix feierte.

Was soll ich es beschreiben außer: mich hat es hier voll erwischt. Irrsinn mit Gewalt und makabren Aktionen zu mischen, das muss nicht funktionieren. Kann es aber, wie zum Beispiel bei Gravy oder eben bei The Babysitter. Warum ist für mich ganz leicht erklärt. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst nie eine Babysitterin hatte. Wie jedoch die Beziehung zwischen Cole und Bee hier gezeigt wird, dass hat einfach was natürliches. Er himmelt sie an, sie kann bei jedem Spiel mithalten, egal wie sehr er den Nerd heraushängen lässt. Er kann er selbst sein.

Sonst gelingt ihm das nirgendwo. Sie spielt mit dieser Tatsache, geht auch im Bikini in den Pool mit ihm, die Sache bleibt aber immer harmlos. Ja sie fordert ihn sogar auf, dass er das süße Nachbarsmädchen anspricht. Man lernt beide kennen und mag sie, auch wenn die Situation dann kippt. Somit will man zwar nicht, dass Cole stirbt, aber auch nicht, dass Bee ihr Leben verliert. Man will viel lieber verstehen, warum sie tut was sie eben tut. Ganz im Gegensatz zu ihren Freunden, die allesamt von jeglicher Moral befreite Narzissten sind.

Nicht nur bei den Sprüchen, bei denen ich fast ständig grinsen oder den Kopf schütteln musste, sondern auch bei den brutalen Szenen, nimmt man sich in keiner Weise zurück. Genau wie die Charaktere sind diese Momente dann aber überzeichnet und sollen eher den vorherrschenden Wahnsinn verstärken, als für Schrecken zu sorgen. Was das Finale angeht, ich kann nur sagen freut euch auf ein wirklich schönes und emotionales Gespräch und lasst euch eines sagen liebe Leser: wenn der Höhepunkt eines Filmes mit einem Song von Queen unterlegt ist, dann hat dieser Film bereits gewonnen.

Judah Lewis (Demolition) ist Cole und bringt alle Facetten seiner Rolle, richtig gut rüber. Vom schüchternen Nerd, der sich ärgern lassen muss von anderen Kids und zu Hause in seiner kleinen Traumwelt lebt, bis hin zum langsam erwachsen werdenden und sich auch wehrenden Jüngling, der Junge hat Talent. Bei Samara Weaving kam mir ihr Gesicht irgendwie bekannt vor und dann sah ich, dass sie bei den finalen Folgen der ersten Ash vs Evil Dead Staffel dabei war und eine Minirolle in Monster Trucks hatte. Zum Glück ist ihre Rolle hier viel größer.

Als Bee spielt sie einerseits furchtlos und verführerisch, anderseits ist sie auch skrupellos und eiskalt. Sie verkommt dabei aber nie zur Karikatur, was man von ihren Mitstreitern nicht behaupten kann. Robbie Amell (DUFF, er ist der Cousin von Arrow Stephen Amell, es kommt sogar eine kurze Anspielung vor) als Max ist herrlich manisch als gerne Menschen jagender Irrer und Bella Thorne (Die Coopers) als Allison ist schön dämlich und unglaublich oberflächlich. Emily Alen Lind (Hidden) schafft es in wenigen Szenen gekonnt, wie das perfekte Mädchen für Cole zu wirken, er müsste es nur zuerst bemerken.

Ein mehr durchdachtes Drehbuch als ich erwartet hätte, Schauspieler deren Spielfreude ansteckend ist und wahnsinnige Aktionen und Oneliner bei denen man sich teilweise denkt, wem so etwas nur einfallen kann. Zusätzlich ist dann noch der Seitenhieb auf den Zeitgeist eingebaut, immer den schnellen und einfachen Weg zu gehen auf Kosten von anderen Menschen, statt sich Erfolg selbst zu erarbeiten. Ich wurde bestens unterhalten und werde diese Babysitterin nun in die Liste meine Filme aufnehmen, die ich jedes Jahr vor Halloween gucke, denn es muss nicht immer ernst sein beim Horror, auch irre ist eine feine Sache.

„The Babysitter“ bekommt von mir 8/10 der eigenen Jobbeschreibung, nicht gerade akkurat nachgehende Empfehlungspunkte.


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