Gun Shy (2017 Filmkritik)

Turk Henry (Antonio Banderas) ist der ehemalige Star einer Rockband, der schon jahrelang von seinem ehemaligen Erfolg lebt und sich zu Hause in seiner Villa verkrochen hat. Seine Ehefrau Sheila (Olga Kurylenko) kann ihn eines Tages dazu überreden seinen Wurzeln nachzugehen und so reisen sie gemeinsam nach Chile. Natürlich ist ihm dort ein Bier am Pool wichtiger, als eine Rundfahrt mit seiner Frau.

Diese wird kurz darauf von Piraten entführt, die eine Million Dollar Lösegeld für Sheila verlangen. Auch wenn er es seit Jahren gewohnt ist sich bei jedem Handgriff unterstützen zu lassen, muss Turk die Sache nun selbst in die Hand nehmen. Man kann nur hoffen, dass abgesehen von ihm und optional auch seiner Frau, dabei sonst kein anderer Mensch zu Schaden kommt…

Mit „Stratton“ ist Regisseur Simon West (Con Air) für mich zuletzt klar an einem Tiefpunkt in seiner Karriere angekommen, was nicht daran liegt, dass er früher Kino-Blockbuster inszeniert hat, sondern es ging um den Film in seiner Gesamtheit. Nun meldet er sich wieder mit einer kleineren Produktion zurück, um genau zu sein mit einem teilweise mit Crowd-Funding finanzierten Film. Was dabei heraus gekommen ist, ist herrlich sinnlose Unterhaltung.

Als Grundthema zieht sich eine gewisse Parodie auf Rockstars, ihre Gewohnheiten und ihr Image an sich durch die gesamte Geschichte. Metal Assassin mit ihrem Titel „Teenage Ass Patrol“ könnte es so in den 80er Jahren durchaus gegeben haben und der Song lädt auch dazu ein, ordentlich mitzurocken. Dazu muss man natürlich sagen, dass Antonio Banderas die Rolle des Turk von der ersten Sekunde an mit Leben füllt und ihn trotz aller seiner affektierten Eigenheiten, doch liebenswert erscheinen lässt.

„I feel like we are having a moment right here, but I have news about my penis.“ Seine Art und die Tatsache, dass er schon lange seine Villa nicht verlassen hat und nun in einem fremden Land seine entführte Frau auf eigene Faust wieder finden muss, machen den Reiz der Story aus und davon lebt der Film sehr gut. Zumal die Handlung gleich um mehrere Figuren erweitert wird, die zwar nicht alle gleich gut entwickelt wurden, jedoch durch ihre Eigenheiten durchaus im Gedächtnis bleiben.

Meistens sind es die Dialoge, bei denen man einfach nur mehr grinsen und den Kopf schütteln kann, doch auch Slapstick-Augenblicke, politisch nicht gerade korrekte Aktionen und überzeichnete Situationskomik kommen zum Einsatz und was soll ich sagen, auch wenn es teilweise purer Klamauk ist, es macht einfach Freude allen Beteiligten zuzusehen. Sogar der gesamte Schlusspann ist voll mit Szenen, da sind dann mit einer Musiknummer, geschnittenen Sequenzen bis hin zu dem Schicksal einer Nebenfigur einiges an Kontent mit dabei.

Antonio Banderas ist im Jahr 2017 ja zu einem der verlässlichsten Darsteller geworden, was das Abliefern von interessanten Heimkino-Premieren betrifft. Egal ob Black Butterfly, Security, Pfad der Rache oder Bullet Head, seine Filme unterhalten und er ist immer voll bei der Sache. Als Turk ist er wirklich spitze, indem er einerseits so eigen ist, dass man ihn teilweise gerne aus dem Fenster werfen möchte, dann wiederum will man ihn für seine Aktionen einfach nur umarmen.

Olga Kurylenko (Momentum) als Sheila strahlt gekonnt diesen Celebrity-Rockstar-Braut Charme aus, besonders der Zwiespalt zwischen dieser Oberflächlichkeit und dem was sie sein will bzw. einmal war, hat mir bei ihr besonders gut gefallen. Mark Valley (Human Target) als Agent Harding ist einfach nur ein egoistischer Mistkerl, Aisling Loftus (Stolz und Vorurteil und Zombies) als Assistentin von Turks Manager ist herrlich trocken und sarkastisch und Martin Dingle Wall (Strangerland) als Mann für alle Fälle, nun den muss man schon gesehen haben, der ist nur sehr schwer zu beschreiben.

Insgesamt daher ein Fall von leichter Unterhaltung für einen anspruchslosen Nachmittag oder auch als Partyfilm mit Freunden und inklusive Alkohol sehr geeignet. Nachdenken oder ernst nehmen soll man das Ganze freilich nicht, aber das war auch nicht der Anspruch der Macher. Was besonders wichtig ist: hinter all dem Blödsinn, steckt auch immer ein ernster Kern, was die Figuren realer erscheinen lässt und zusätzlich dazu führt, dass nie egal ist, was mit ihnen passiert.

„Gun Shy“ bekommt von mir 7/10 den Star im Rockstar für sich wieder entdeckende Empfehlungspunkte.

Gun Shy [Blu-ray]


von Simon West [Alive - Vertrieb und Marketing/DVD]
Preis: EUR 13,75

Gun Shy


von Simon West [Alive - Vertrieb und Marketing/DVD]
Preis: EUR 9,99


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.