Stolz und Vorurteil & Zombies – Pride and Prejudice and Zombies (Filmkritik)

Wir befinden uns im England des 19en Jahrhunderts. Die Bennet Töchter Elizabeth (Lily James), Jane (Bella Heathcote) und ihre drei Schwestern wurden von ihrem Vater (Charles Dance) nach China geschickt, um die Kunst des Kampfes mit und ohne Waffen zu erlernen. Immerhin sind seit dem Ausbruch der Plage, Angriffe von Zombies bei so gut wie jedem Ausflug aus dem sicheren Zu Hause, eine Selbstverständlichkeit.

Ganz andere Probleme wiederum hat Mutter Bennet, denn sie leidet darunter, dass noch keine ihrer Töchter verheiratet ist. Bei einem Ball findet der reiche und angesehene Mister Bingley (Douglas Booth) gefallen an Jane, während Elizabeth dieses ganze affektierte Benehmen, auf die Nerven geht. Besonders Colonel Darcy (Sam Riley) hat sich mit seiner arroganten Art unbeliebt gemacht. Der Kampf um mögliche Liebe rückt jedoch schon bald wieder in den Hintergrund, denn die Zombies greifen erneut an und diesmal organisierter als zuvor und an Orten, die angeblich sicher sein sollten.

Stolz und Vorurteil & Zombies

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 2009 von Autor Seth Grahame-Smith, der wiederum als Parodie auf den Klassiker „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen aus dem Jahr 1813 gedacht war. Zu Beginn wurden Namen wie David O. Russell (Joy) als Regisseur und Natalie Portman (Black Swan) als Hauptdarstellerin gehandelt, letzen Endes stiegen beide aus und der eher unbekannte Burr Steers (17 Again) übernahm die Regie und verarbeitete den Roman zu einem Drehbuch. Bei Kosten von 28 Millionen Dollar, konnten bisher nur 15 wieder eingespielt werden.

Ein Flop also, aber warum? Die Idee eine klassische Kostüm-Drama-Romanze mit modernen Zombie-Themen zu mixen, ist ja im Prinzip spannend, aber auch sehr speziell. Dass das Buch als Parodie funktioniert (ich habe es nicht gelesen), kann ich mir auch durchaus gut vorstellen. Nur der Film selbst, da kommt dieses Gefühl nicht so rüber. Für romantische Damen kommt der Liebesanteil sicherlich zu kurz, für männliche Genre-Freunde ist der Blutfaktor dann doch zu gering (PG13 Rating und so, was denn auch sonst). Man spürt zwar klar Potential in beide Richtungen, es gibt auch eindeutig ein paar Highlights, doch ausgereizt oder wirklich weiter verfolgt, wird keine der zwei Seiten.

Zunächst mal zu dem für mich schwächeren Part, nämlich der Romanze. Jane und Bingley, das ist Liebe auf den ersten Blick, da ist ohne Zweifel klar, die gehören am Ende zusammen. Bei Elizabeth und Darcy, ist das für mich nicht so. Darcy finde ich als effizienten Zombie-Aufspürer und Killer, der Probleme hat positive Gefühle auszudrücken, echt unterhaltsam. Sympathisch ist er dabei jedoch niemals. Elizabeth wiederum ist klug, tough und lehnt sich gegen das System auf, in das sie gezwungen wird, dass sie sich in ihn verliebt, das ist nicht nachvollziehbar. Ich finde ja, sie hat sich in sein Können als Krieger verliebt, nicht in den Mann selbst, aber lassen wird das.

Die spannendere Seite ist die des Horrors. Dieser Einfluss aus dem Vampir-Genre, nämlich dass man nach der Infizierung erst gänzlich zum Zombie wird, wenn man sein erstes Gehirn gegessen hat (wie es öfters bei Vampiren mit dem ersten Blutdrink gezeigt wird), das ist auch ethnisch durchaus interessant. Immerhin, diese Vorstufe der Untoten, die töten ja keine Menschen, zumindest solange sie sich gegen ihren Drang entscheiden. Gehören die auch vernichtet? Ein durchaus guter Ansatz, doch der (zum Glück) völlig ungenutzte Part mit den vier Reitern der Apokalypse ist unnötig und nimmt der Sache wieder den ernsteren Grundton.

Man wird hier eben des öfteren hin und her gerissen, wobei die Sache als Ganzes nie zur Horror-Romanze wird, sondern die beiden Parts nur getrennt von einander funktionieren, was wiederum ein homogenes Ganzes verhindert. Mit dem von Matt Smith (Terminator Genisys) gespielten Parson Collins, der jede seiner Szenen unheimlich zu genießen scheint, kommt dann doch noch stärker der ansonsten vernachlässigte Comedy-Faktor des ursprünglich als Satire verfassten Ausgangsmaterials ins Spiel, was vor allem die gekünstelte Art der edlen Gesellschaft, schön ins Lächerliche zieht.

Wäre der Film selbst so gut wie Lily James (Cinderella), dann könnte ich mit viel mehr Lob um mich werfen, denn ihre Elizabeth ist hier klar die wahre Heldin, betrachtet die Dinge auch ausserhalb der Box, kämpft besser als die meisten Männer, geht ihren eigenen Weg, würde aber für ihre Schwestern alles tun. Sam Riley (Das Finstere Tal) ist ja grundsätzlich nicht schlecht, als Darcy bleibt er aber immer irgendwie verkrampft. Er hat seine coolen Momente, aber zu wenige, die ihn sympathisch machen würden. Lena Headey (300) in ihrer Nebenrolle als Lady Catherine de Bourgh muss ich noch erwähnen, denn sie hatte offensichtlich ihren Spaß dabei, ihr Image der harten Dame mit ihrem süffisanten Grinsen, schön überspitzt zu parodieren.

Insgesamt daher ein Film, der durchaus starke Teile hat, die für sich auch Potential haben, denen aber nicht konsequent genug nachgegangen wird. Als reines Zombie-Abenteuer, das in der Vergangenheit spielt, hätte der Film wohl bessert funktioniert. Was man aber doch bekommt – sofern man die gemixten Genres zu schätzen weiß – ist leichte Unterhaltung mit ein paar sehr gelungenen Szenen, mit durchaus auch ekeligen und brutaleren Momenten, einer starken Haupt-Lady und mit Matt Smith einem zum Dauergrinsen anregenden, „comedic relief“.

Pride and Prejudice and Zombies bekommt von mir 6,5/10 die kämpferischen Damen den Tag retten lassende Empfehlungspunkte.


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