Gravy (Filmkritik)

Anson (Michael Weston), sein Bruder Stef (Jimmi Simpson) und dessen Freundin Mimi (Lily Cole), feiern dieses Halloween in einem kleinen mexikanischen Wirtshaus. Praktisch, dass es hier keine Fenster gibt und auch die Türen leicht zu blockieren sind. Nur noch schnell sämtliche Angestellte im Gebäude einfangen, sie fesseln und deren Handys vernichten, dann kann die Party schon losgehen.

Wie jedes Jahr suchen sich die Brüder, dieses mal erstmals mit weiblicher Unterstützung, geeignete Opfer aus, um sie genüsslich zu verspeisen. Natürlich, ohne mit ihnen vorher zu spielen, macht die Sache gleich viel weniger Spass. Bleibt nur mehr zu hoffen, dass der Koch dieses Etablissements besser ist, als sein Arbeitsbereich, denn Menschenfleisch hat es verdient, mit besonders viel Feinschliff und Liebe serviert zu werden.

Gravy

James Roday kennt man bei uns vor allem für seine Serie „Psych“, in der er in acht Staffeln, 120 Folgen lang die Hauptfigur Shawn Spencer gespielt hat. Nachdem er dort bereits bei einigen Folgen für das Drehbuch und die Regie verantwortlich war, feiert er nun mit „Gravy“ (was auf Deutsch übersetzt Sauce oder Bratensaft bedeutet) sein Spielfilmdebüt. „Sometimes, there is simply no clinical explanation for why a person is completely bat shit. The ol`noodle is just fried…Period.“ Mit der Einblendung dieses Zitats vom Cousin von Jack the Ripper beginnt das Abenteuer, dass moralisch ungebremst die unerträgliche Leichtigkeit des Wahnsinns feiert.

Wie bereits erwähnt gibt es keine Erklärung für die Taten, es fragt auch nie jemand danach, es ist scheinbar einfach Tradition in der Familie, Leute an Halloween zu essen. Schwer zu beschreiben ist dabei die Ebene, auf der sich die beiden Brüder bewegen. Sie zeigen in den Gesprächen klar, dass sie aus filmischer Sicht Nerds sind, wissen irgendwie auch, dass was sie tun abartig ist, was aber keinesfalls heissen soll, dass sie irgendetwas an ihren Leben ändern wollen würden.

Ungläubiges Nicken – während sich die zwei mit kindlicher Begeisterung ihrem blutigen Treiben widmen und sich dabei durchaus witzige Sprüche entgegen schleudern (oft auch unpassende, was gerade deswegen komisch ist), gepaart mit der Frage, ob die das jetzt wirklich gemacht haben, was ich gerade gesehen habe – das war mehr als einmal meine Reaktion. Es geht dabei nicht um das Töten an sich, aber Leute bei lebendigem Leibe zu essen, das wäre doch wirklich unmenschlich. Darum müssen sie eben vorher sterben. Wenn dann Teile serviert werden, dann wäre das im Prinzip ziemlich ekelhaft, wenn es nicht so irre wäre.

Den wahnwitzigen Achterbahn-Charakter der gesamten Inszenierung unterstützt auch stark der Einsatz der Musik. Das fängt an bei den klar verstärkten Soundeffekten (zum Beispiel beim Schmatzen) und findet seine Vollendung in der wiederholten Einspielung von verschiedenen Klassikern wie etwa „Walking on Sunshine“ oder „(I Just) Died in your Arms“. Die Gewalt, passend zum Rest plötzlich und überdreht serviert, ist dabei durchaus explizit, wird durch die Grundatmosphäre aber wieder abgefedert und gehört zu diesem abartigen Reigen einfach dazu.

Angesichts der Handlung, hat die Leistung sämtlicher Darsteller, ein besonderes Lob verdient. Vor allem Jimmi Simpson (Abraham Lincoln: Vampire Hunter) als wortgewandter Stef und Michael Weston (State of Play) als auf Frauen bezogen unsicherer Anson, sind großartig in ihren Rollen und es ist einer Freude, ihnen zuzusehen. Lily Cole (Snow White and the Huntsman) bringt als Mimi dann noch eine bösartige Ader hinein in das Trio, sie will einfach Spass haben und passend zu ihrem Katzenkostüm Leute jagen, mit ihnen spielen und sie töten.

Sowieso könnten die Figuren hier angesichts des Chaos leicht untergehen, doch jeder hat seinen Moment und die nervigen Charaktere gehören auch bei den Opfern, eindeutig zur Minderheit. Vor allem Lothaire Bluteau (Regression) als Koch, der gezwungenermaßen seinen Freunden die letzte Ehre erweist, indem er sie in köstliche Speisen verwandelt und Sutton Foster (Younger) als nicht aufgebende und durchaus auch manipulative Kerry, bleiben dabei im Gedächtnis. Sehr sympathisch ist nebenbei auch die Tatsache, dass James Roday zahlreiche Rollen hier mit Schauspielern besetzt hat, die er als Gaststars in seiner Serie „Psych“ kennengelernt hat.

Was am Ende bleibt ist ein wildes Trip-Erlebnis, voll mit irren Ideen und Gewalt, gepaart mit geistreichen Sprüchen und Figuren, die auch dank der Darsteller nie egal sind. Ob man hier Spass haben darf ohne schlechtes Gewissen? Ich denke schon, denn rein schon die Tatsache, dass so ein politisch inkorrektes Filmchen aus Amerika stammt, ist eine feine Sache. Am Besten wohl zu Geniessen als Partyfilm mit Freunden und optional auch Alkohol, aber bitte liebe Kinder fangt am Ende nicht an, euch gegenseitig aufzuessen. Das war es nun auch schon wieder mit meinem Toast, nun wünsche ich allen guten Appetit!

„Gravy“ bekommt von mir 8/10 die Sosse extrem aber irgendwie doch genau richtig würzende Empfehlungspunkte.


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