I-Lived (Filmkritik)

Josh (Jeremiah Watkins) hat ein Problem. Genau genommen hat der gute Mann mehrere Probleme, aber die lassen sich alle in einem Satz zusammenfassen: Er hat sein Leben absolut nicht im Griff. Sein Internet-Blog auf welchem er Apps testet soll dem Abhilfe schaffen und vielleicht sogar ein wenig Geld in die Kasse spülen, aber so recht will das alles nicht funktionieren.

Das ändert sich, als er die App „I-Lived“ installiert und zu nutzen beginnt. Das nette Ding stellt ihm Aufgaben bzw. Missionen und wann immer er diese erfüllt, wird sein Leben ein Stück besser. Nach und nach wird das Leben von Josh sehr sehr annehmlich … mit dem kleinen Dämpfer, dass ihm die App immer absurdere und illegale Aufgaben stellt …

i-lived

Die Prämisse von „I-Lived“ ist nicht neu. In alten Zeiten war es „Faust“, der mit dem Teufel einen Pakt geschlossen hat, um sein Leben besser zu machen und nach Weisheit zu streben. Im Jahr 2015 ist der Teufel in Code geschrieben und „Faust“ mag eigentlich nur reich und berühmt werden, das Mädchen bekommen und sich keine Sorgen mehr um irgendetwas machen. Die Stärke des Films liegt klar darin, dass die App sich langsam in Joshs‘ Leben schleicht und die ersten Aufgaben wirklich nett sind. Auch, dass die App anfangs nicht allwissend ist macht die Sache sympathisch und ist für ein paar Lacher gut. Wenn die Sache dann bergab geht, dann wird es allerdings so richtig heftig. Die Dinge, die Josh tut geraten dann relativ rasch außer Kontrolle und er beginnt sogar Dinge zu sehen, die so nicht vorhanden sind.

Das Problem von „I-Lived“ stellt für mich der Hauptdarsteller dar. Jeremiah Watkins ist in erster Linie ein Comedian und das merkt man seinem Schauspiel auch an. Vor allem die eingestreuten Episoden seiner App-Show sind einfach nur eines: Nervig. Gut, ich gebe zu, dass er da nichts dafür kann, denn die Effekte und Co hat vermutlich nicht er eingebaut, aber es macht den Charakter ein wenig … mühsam.

Sicher ist er nur eine verlorene Seele, die einfach im Leben Pech hatte und nur ein klein wenig Glück haben mag. Damit können sich vermutlich viele Leute identifizieren und das macht ihn dann doch gerade noch sympathisch. Ich muss mir mal ein Comedy-Programm von ihm ansehen, dann weiß ich, ob der Typ wirklich so nervig ist, wie er auf seinem Blog im Film rüberkommt, oder ob es wirklich nur gespielt ist.

Wie dem auch sei: Über weite Strecken macht der Film Spaß und gerade die Phase in welcher er sehr geerdet und bodenständig bleibt ist die bessere. Irgendwann wird dann die Frage nach übernatürlichen Einfluss aufgeworfen und ein wenig breit getreten – ab da geht es dann leider in meinen Augen ein bisschen bergab und die Auflösung … nun, ich sage mal so: Die hat man schon relativ oft gesehen.

Regisseur Franck Khalfoun ist kein Unbekannter, hat er doch die beiden Filme „P2“ und das Remake von „Maniac“ (mit Elijah Wood) von Drehbuchautor, Produzenten und selbst Regisseur Alexandra Aja (Das „The Hills Have Eyes“-Remake, „High Tension“) verfilmt. Das merkt man dem Film auch an, denn die Kamera wird (selbst die „Selfie-Kamera“) gut genutzt um das Geschehen einzufangen und die Spannung wird auch gut aufgebaut.

Trotzdem bleibt der Film leider hinter seinem Potential zurück, was aber klar daran liegt, dass man sich in der zweiten Hälfte zu sehr auf die übernatürliche Seite verlässt und ihn leider mehr abgehoben als bodenständig auflöst. Schade, da wäre mit ein wenig mehr Realismus mehr drin gewesen. Was „Faust“-Filme betrifft, bleiben „Angel Heart“ und „Im Auftrag des Teufels“ klar um Welten voraus und „I-Lived“ muss sich ein (nur ein klein) wenig über Durchschnitt dennoch geschlagen in deren Liste einreihen.

„I-Lived“ bekommt 6,5 von 10 möglichen, nicht sein volles Potential ausnutzende, Punkte.


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