Tannöd (Filmkritik)

Kathrin (Julia Jentsch) kehrt in ihre Heimatdorf zurück, um dort dem Begräbnis ihrer Mutter beizuwohnen. Dabei erfährt sie, dass vor zwei Jahren in einem Bauernhof nicht weit vom Dorf entfernt eine ganze Familie ermordet wurde. Während ihres Aufenthalts stellt sich heraus, dass die Morde noch lange nicht vergessen sind und eigentlich so gut wie alle im Dorf den einen oder anderen Grund gehabt hätten, die Familie aus dem Weg zu räumen.

Denn der/die Mörder/innen wurde/n bis heute nicht gefunden …

Um es gleich mal vorweg zu sagen: Der Film ist nichts für Menschen, die einen Abschluss für ihre Geschichte brauchen. Also mich. Leider wusste ich vor dem Film nicht, dass er auf wahren Begebenheiten bzw. einer literarischen Version davon („Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel) beruht. Also – der Mord meine ich. Die Rückkehr von Kathrin und so weiter, das sind keine Tatsachen gewesen. Also mehr ein „Inspired by“ als ein „Based on“.

Was kann ich also sagen, außer, dass der Film x Fragen über das Schicksal und die Verflechtungen in der kleinen Gemeinde aufwirft und eigentlich keine einzige Antwort gibt? Nun, ich kann sagen, dass der Film düster ist. Und streckenweise brutal. Es kommen harte Themen wie Inzest und Vergewaltigung vor und das alles wird kommentarlos hart präsentiert.

Die (sexuelle) Gewalt wird zwar nicht voyeuristisch behandelt, aber trotzdem sehr schockierend in Szene gesetzt. Die Schauspieler/innen beweisen hier alle Mut zur Hässlichkeit bzw. Mut, sich so herzurichten, wie sich Filmemacher und Stadtmenschen das halt von dem „Gsindel am Land“ erwarten. Also Bauern und Bäuerinnen, die allesamt dreckig und kaputt sind. Mehr noch im Innen als im Außen.

Wäre man gemein, dann könnte man sagen, dass ist die Horrorversion des Landlebens durch die Augen einer Bankangestellten in der Großstadt. So viele Klischees, wie hier zusammenkommen findet man sonst selten auf einem Haufen. Das übliche also: Neuankömmling bzw. Heimkehrerin in ein Dorf am Land findet dort einen Haufen von verschworenen Menschen vor, die allesamt die Toten eh nicht mochten und scheinbar ein Geheimnis verbergen. Jene, die reden wollen, werden dann nach einem Gasthausbesuch vor der Tür abgepasst und ziemlich direkt bedroht.

Wie sich das Menschen halt vorstellen, die in der Großstadt leben. Klar ist die Heldin, die alles differenziert sieht die Kathrin aus der Stadt. Naja, wenn es denn sein muss. Grundsätzlich spielen alle sehr solide und gut. Die düsteren Momente sind gut in Szene gesetzt und wenn es unheimlich oder bedrohlich wird, dann wirkt das ziemlich direkt.

Bettina Oberli als Regisseurin ist wohl am ehesten für „Die Herbstzeitlosen“ (der witzig war) bekannt und bewegt sich hier auf neuem Terrain, nämlich dem Horrorfilm. Leider, wie gesagt, ist die Geschichte halt eine Andererreihung von Klischees ohne irgendeine Auflösung (auch wenn angedeutet wird, dass im Grunde alle zusammengeholfen haben). Nichtsdestotrotz ist die düstere Grundstimmung streckenweise zum Schneiden dick und wirkt definitiv nach. Das allgemeine Gefühl der Unsicherheit und der Bedrohung wird wirklich gekonnt und gut vermittelt.

Wäre die Figur der Kathrin nicht so schrecklich passiv angelegt und die letzten Szene des Films nicht zu 100% auf eine Symbolwirkung (Flucht, Schneefall, der Spuren zudeckt – aus) angelegt, dann hätte mir die Sache sicher besser gefallen.

Wie dem auch sei – gemacht ist der Film absolut gut und Spannung kommt auch auf. Wer sich an offenen (oder suggerierten) Enden nicht stört, der/die bekommt solide und gut gespielte (Monica Bleibtreu in ihrer letzte Filmrolle als die klassische „Alte Vettel“ im Dorf, die allen sehr direkt ins Gesicht sagt was sie denkt und die niemand mag) Thrillerkost geboten. Brigitte Hobmeier spielt übrigens überragend gut!

Kann man sich ansehen, allerdings verpasst man nicht viel, wenn man ihn nicht sieht. Da hat mir „Sennentuntschi“ viel besser gefallen.

„Tannöd“ bekommt 6,5 von 10 möglichen, düster im Wald spielende und alle bösen Landklischees bedienende, Punkte.


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