Tell Me How I Die (Filmkritik)

Das Leben als Student am College ist nicht immer einfach und nicht gerade billig, vor allem wenn man gerade keinen Nebenjob findet. Deshalb begibt sich Anna (Virginia Gardner) gemeinsam mit einer Gruppe von anderen jungen Leuten, zu einer abgelegenen Forschungseinrichtung, um angeblich leicht verdientes Geld zu machen. Hier soll an ihnen ein neues Mittel getestet werden, dass im Gehirn speziell auf die Erinnerungen wirkt und in Zukunft zur Heilung von Alzheimer eingesetzt werden soll.

Als die ersten Studenten jedoch anfangen kurze Momente aus ihrer nahen Zukunft zu erleben bevor sie dies dann in Wirklichkeit nochmals tun, scheint Doktor Jerrems (William Mapother) dies weit weniger zu verwundern, als man annehmen könnte. Als Anna plötzlich beginnt Visionen zu haben bei denen einige ihrer Kollegen sterben, will sie panisch nur mehr von diesem Ort flüchten. Dafür ist es jedoch schon zu spät, denn der Zukunft kann man nicht entkommen…

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Nach zahlreichen Musik-Dokumentationen, TV-Serien und Kurzfilmen, ist dies der erste Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor D.J.Viola. Die Grundidee ist hier ja eine interessante und erinnert an die Dynamik, die man auch als Motor der Final Destination Reihe bezeichnen könnte: wie kann ich eine Todes-Vision über mich oder einen Freund verhindern? Den Ort der Tat nicht aufsuchen? Kontakt mit den Personen vermeiden, die dabei anwesend sein sollen? Einen bestimmten Gegenstand nicht aufheben?

Klingt spannend und das ist es auch, jedoch wird leider das Potential nicht ausreichend ausgenutzt. Aber zurück zum Anfang. Nach dem Mord zu Beginn des Filmes, der gekonnt eine irritierende Stimmung erzeugt, lässt man sich Zeit die Figuren einzuführen. Sind schon klar Klischee-Typen, aber die Darsteller füllen sie mehr oder weniger mit ausreichend Leben aus. Alles ist in dem Institut auf Hochglanz poliert, mit Schwerpunkt auf die Sicherheit und gänzlich auf seriös getrimmt, da muss es ja fast schon zwingend irgendwo einen Haken geben.

Wenn dann das Morden beginnt, dann durchaus auch heftig, nach der kurz und schmerzvoll Methode. Bärenfalle, Giftgas, Stacheldraht oder einfach klassisch ein Messer, da der Killer scheinbar über jeden Schritt seiner Opfer bescheid weiß, kann er Fallen stellen und Dinge vorbereiten, die erst später in der Zukunft ihre Zerstörungskraft entfalten. Die Aussichtslosigkeit der Situation für die jungen Leute und die Überlegenheit ihres Jägers ist greifbar und man fragt sich als Zuschauer mehrmals, wie man in so einer Situation, denn selbst handeln würde.

SPOILER ANFANG: Der Mörder ist ein früherer Patient, der ebenfalls die Zukunft sehen konnte, dessen Geist jedoch die Fähigkeit repliziert hat, ohne dass dieser die Droge braucht. Er wurde dadurch verrückt und will nun alle Menschen töten, die über ihn bescheid wissen. Was ich nach dieser Information im Film sehen wollte ist ein Katz und Maus Spiel zwischen ihm und den Jugendlichen, die ebenfalls Visionen haben. Wer wird nun wen austricksen? Leider hab ich das dann nicht bekommen, denn der Bösewicht ist einfach dennoch durchgehend überlegen.

Zum Beispiel als einer der Jungen seinen Tod sieht wenn er in ein Auto einsteigt, dann zur Garage rennt und dort ebenfalls seinen Mord voraus sieht. Er geht hin und her, entscheidet sich für die Garage, der Killer greift nach ihm, er rennt zum Auto und wird dort dann umgebracht. Wie hat der Mörder so schnell…aber egal. Beim Finale selbst spritzt sich Anna eine Überdosis was dazu führt, dass sie und ein Freund den Killer umbringen. Plötzlich der Schnitt, es war nur eine Vision des Mörders, der darauf hin anders handelt und flüchten kann. Das hinterließ bei mir dieses „und das war es jetzt schon“ Gefühl, ein Finale eben, dass dem Aufbau nicht ganz gerecht wurde. SPOILER ENDE.

Von den Darstellern fand ich vor allem Virginia Gardner (Project Almanac) richtig gut. Ihre Anna stellt gerne lästige Fragen, kann Menschen gut einschätzen und glänzt auch mit selbstironischen Aussagen. Sie ist zwar überfordert mit ihrer Situation, beginnt jedoch nach dem anfänglichen Fluchtimpuls, ihren Kampfgeist zu entwickeln. Nathan Kress (Into the Storm) als Den ist der einen kühlen Kopf bewahrende, in sie verliebte sympathische Mann an ihrer Seite, der sich für die Anderen und vor allem für sie, nur allzu gerne in Gefahr begibt (das haben heldenhafte Männer in Horrorfilmen nun mal so an sich.)

Insgesamt daher ein Film, bei dem ich mir auf Grund der Handlung an sich, ein besseres Drehbuch gewünscht hätte. Die Atmosphäre ist bedrohlich, die Optik bestechend, die Effekte bis auf kleine Ausnahmen gut, die Darsteller – vor allem die fünf Haupt-Jugendlichen – machen ihre Sache gut und ein paar Szenen, sind richtig fies geraten. Das gewisse Etwas in der Ausnutzung des Potentials, das fehlt wie bereits erwähnt leider, dennoch wurde ich ganz gut unterhalten und sehe den Film als Fingerübung eines Regisseurs, der vor allem optisch schon jetzt genau weiß, was er tut.

„Tell Me How I Die“ bekommt von mir 6,5/10 trotz Visionen über die Zukunft, fast nichts besser machende Empfehlungspunkte.


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