DOOM (2016 Game-Review)

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Aufwachen. Komische Viecher neben sich sehen und denen gleich mal das Gesicht zermatschen. Eine Knarre nehmen, weitere Viecher umnieten. Die Tür auftreten. Im nächsten Raum steht ein Anzug. Preator-Anzug. Mhm. Was auch immer. Anziehen. Jemand nimmt Kontakt auf. Ein Funkspruch von irgendsoeinem Kerl, der was von dunkler Energie aus der Hölle und einem Portal dorthin faselt. Interessiert niemand. Stinkig. Ich bin so richtig stinkig, denn ich bin gerade auf einem Altar aufgewacht. Nackt. Als wollte jemand mich opfern oder so. Passt mir gar nicht. Passend, dass das gerade ein paar Monster zur Tür reinkommen. An denen kann ich meine Wut gleich mal so richtig auslassen.

Und … oh, das ist ja alles kaputt, verwüstet und blutverschmiert. Hm. Auch passend. Da ich hier ohnehin keine Menschenseele treffe kann ich auch gleich mal einfach alles, was ich sehe niederballern. Warum? Hab ich schon erwähnt, dass ich stinksauer bin? Eben. Oh – ein Tor zur Hölle. Super. Da brauch ich dann noch weniger moralische Bedenken haben, sollte es mich überkommen und ich verspüre den Drang was Organisches zu zersägen und Augen aus Köpfen zu reißen …

Ja. So ist das. Story an sich gibt es ja jetzt nun mal so wirklich wenig bis keine. Sicher. Die Macher vom neuen DOOM oder Doom 4, wie es mal hieß, besinnen sich auf die alten, ganz, ganz alten Tage bzgl. Shootermechanik und die bedeutet im Grunde nur: Ballern. Gegen viele Gegner, gegen wenige Gegner. Gegen viele schwache Gegner, gegen ein paar starke Gegner und dazwischen ein paar Bosse. Punktum. Hin und wieder sammelt man blaue oder gelbe, auf jeden Fall farbige, Codekarten um Türen zu öffnen und fertig. Die Stimme am Mikrofon sagt einem immer wieder mal wo man jetzt hingehen soll um das nächste Gemetzel zu starten, aber warum oder wieso … irgendwie klingt das alles immer nur nach einem Vorwand.

Eine Story …

Hm. Eine Story. Okay. Ich muss zugeben – hinter all dem Ballern und Sägen und Zerquetschen und so verbirgt sich eine Story. Sogar zwei, wenn man es ganz genau haben will. Da gibt es mal diese eine: Forschungsstation auf dem Mars. Es gibt eine Theorie über eine unendliche Energiequelle, die quasi völlig schadstofffrei ist: Dunkle Energie aus der Hölle. Dafür ist die Basis am Mars da und dazu wird die auch genutzt. Leider passt das den Viechern in der Hölle halt nicht so in den Kram und deshalb kommen die durch das Portal – das natürlich eine Mitarbeiterin geöffnet hat, weil ihr irgendwas Großartiges dafür versprochen wurde (Wann lernt ihr das endlich? Hölle = Dämonen = Lügenmärchen!) – und machen gleich mal alles platt. Das gehört gestoppt. Klar. Die zweite Story ist die Herkunft der Hauptfigur, in diesem Fall also des Spielers. Die wird in Audiotagebüchern erzählt. Und zwar geht es um ein Wesen, dass die Hölle vor langer, langer Zeit bereits einmal mehr oder minder durch Gewalt befriedet hat und welches deshalb vom Höllenfürsten in einen Sarg gepackt wurde. Wer das wohl ist?

Da gab es jetzt kein Spoiler-Tag, weil – sorry, aber wer nach dem zweiten Audioteil nicht weiß von wem hier gesprochen wird ist ohnehin zu doof um einen Computer einzuschalten, also kann man das so ruhig so stehen lassen. Man merkt also bereits: Um Story geht es hier absolut nicht (auch wenn id software es tatsächlich geschafft hat, sich eine Tür für einen zweiten Teil zu öffnen, der kurz gefasst heißt: Rache. Da wäre dann wohl die Story von Teil 2 in einem Wort. Die von diesem Teil heißt in einem Wort übrigens: stinksauer).

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Man ballert sich also in vielen sehr raschen Gefechten von A nach B, springt mal ein wenig herum, packt Upgrades ein um die Waffen zu verbessern und hin und wieder findet man Secrets und sogar versteckte alte Doom-Level von Anno-Dazumal. Die Grafik ist ziemilch gut geworden, das Gegner-Design ist fantastisch, baut allerdings auch einfach nur 1:1 auf den alten Dooms auf, also keine Erwartungshaltung bzgl. neuer Viecher bitte.

Das Gunplay ist fetzig und die so genannten „Glory-Kills“, nichts anderes als Finishing Moves, die ziemlich brutal sind, werden super in Szene gesetzt, dauern gefühlte 1 bis 2 Sekunden und bringen euch den Vorteil, dass Feinde, welche so erlegt wurden eine Menge an Gesundheit und Munition ausspucken. Und ja, ihr habt richtig gelesen: Gesundheit. Es gibt nämlich kein Auto-Heal, ihr müsst brav wie früher Gesundheitspakete einsammeln. Das gilt auch für kurze Power-Ups (wie Unverwundbarkeit oder einen Berserker-Modus und ähnliches). Die Waffenauswahl ist nett und fetzt und die ganze Chose ist kurzweilig inszeniert sowie die meiste Zeit über fordernd.

Der Horror aus „Doom 3“ ist Geschichte, hier kommen die Ballerfans von den ersten beiden Teilen in einem grafisch aufgebohrten Gewand und mit mehr Brutalität (dank Glory-Kills) auf ihre Kosten. Im Grunde gibt es dazu nicht mehr zu sagen. Das ist das neue DOOM. Nicht mehr und nicht weniger. Ballern, rumlaufen, ballern, rumlaufen. Ja, es gibt einen Mehrspieler (den ich nicht versucht habe) und durch „SnapMap“ kann man eigene Karten bauen (was mich nicht reizt) und fertig.

Das klingt jetzt vielleicht sehr nüchtern, aber bitte nicht falsch verstehen: Wer ein brutales, schnelles Actiongame sucht, indem keine moralischen Fragen gestellt werden, die Gegner aus der Hölle kommen und Blut meterweise spritzt ist hier richtig. Wenn man moralisch ohne Bedenken Monstern die Köpfe zertreten oder mit der Kettensäge den Bauch aufrattern darf, dann wohl Bestien aus der Hölle, würde ich mal meinen. Und zum richtig Dampfablassen ist DOOM sicher perfekt geeignet. Man darf sich halt keine Story wie bei „Wolfenstein: The New Order“ erwarten (sogar „The Old Blood“ hatte mehr) oder gar einen tieferen Sinn hinter Spiel und Mechanik wünschen wie bei „Spec Ops: The Line“ (wobei: Der Fairness halber muss erwähnen, dass KEIN Spiel diesbezüglich jemals an das eben erwähnte ranreichen wird), dann passt das schon.

Kurz gefasst: Ihr kriegt zu 100% genau das, was ihr im Trailer seht. Nicht mehr und nicht weniger. Und die Grafik finde ich tatsächlich a) butterweich in Bewegung und b) extrem gut gelungen.

Ob das reicht muss wohl jede/r für sich selbst entscheiden.

„DOOM“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, der Höllenbrut in den Hintern tretende, Punkte.


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