Bear (Michael Johnston) ist schwer verliebt. Und zwar in Nikki (Inde Navarrette). Aber er hat Angst, dass ein Geständnis seiner Liebe ihre Freundschaft zerstören könnte. Er tut sich schwer. Eines Tages findet er in einem Laden eine Box, die einen Wunsch erfüllen soll. „One Wish Willow“ heißt das Ding. Bear denkt sich, das wäre ein nettes Geschenk. Eines Abends bietet er Nikki an, sie nach Hause zu bringen. Er will ihr seine Liebe gestehen, aber er schafft es nicht.
Aus Frust benutzt er die „One Wish Willow“ und wünscht sich, dass Nikki ihn mehr liebt als alles auf der Welt.
Und zu Bears anfänglicher Freude funktioniert es. Aber die Konsequenzen sind völlig anders, als Bear sich das vorgestellt hat …

Ich bin ziemlich unvorbereitet in „Obsession“ hineingegangen. Ich hatte grob eine Idee, worum es geht und ich habe gehört, er soll gut sein. Nun, das habe ich ja schon öfter gehört und deshalb habe ich mir nicht allzu viel erwartet.
Der Film beginnt schon mal ziemlich cool – und zwar gesteht Bear seine Liebe. Als Testlauf. Einer Kellnerin. Und es ist hochnotpeinlich. Dann werden die anderen Figuren vorgestellt und wenn man dann Nikki kennenlernt, dann versteht man Bear (zumindest als Mann) sofort. So eine Frau will man an seiner Seite haben. Witz gut, Charakter super, optisch wunderschön – Charisma und Ausstrahlung. Ein Lächeln, dass dich als Mann sofort dazu bringt ebenfalls zu lächeln. Großartiges Casting, kann ich dazu nur sagen. Das ist allein schon nach den ersten paar Minuten Screentime von Inde Navarrette (Trap House) klar.
Aber was dann folgt – holy moly. Die Frau trägt den gesamten Film auf ihren Schultern. Wenn ich jemals eine Powerhouse-Performance gesehen habe, dann das hier. Ich kann es nicht anders sagen: Diese Frau ist eine schauspielerische Wundertüte. Wie einfach, rasch, schnell und glaubwürdig sie hier zwischen den Emotionen wechselt, ist einfach unglaublich. Und alles, jede Geste, jeder Blick, einfach alles ist zu einhundert Prozent glaubwürdig. Dass das nicht mit Schnitten getrickst wurde, ist außerdem noch das nächste Level an Performance-Kunst. Die Einstellungen im Film sind nämlich teilweise halbwegs lang und wenn Navarrette innerhalb von fünf Minuten durch mehrere Varianten an Gefühlswelt geht, dann ist das einfach … wow. Einfach wow. Ich bin jetzt niemand, der sich leicht mal in Schauspielerinnen verguckt, aber Leute – ich sag’s euch ehrlich: Ich bin verliebt. Hammer.
Bevor ich jetzt noch weitere Absätz von Navarrette schwärme, sollte ich vielleicht doch auch auf die anderen Aspekte des Films hinweisen. Der Supporting-Cast ist ebenfalls top besetzt. Egal, ob es um Cooper Tomlinson (Ian) oder Megan Lawless (Sarah) handelt – beide ebenfalls super in ihren Rollen. Und Michael Johnston als Bear passt auch perfekt. Der muss den Film ja in Kombination mit Navarrette tragen und ich muss gestehen, dass er neben ihr absolut durchhält. Er braucht zwar nicht eine solche Wandlungsfähigkeit, aber das, was er zu tun hat, macht er ebenfalls absolut großartig.
Es heißt ja immer – zumindest sagen mir das die professionellen Schauspieler:innen in meinem Umfeld immer – dass die Performance einer Person keinen Film rausreißen kann. Es hängt auch davon ab, wie das Umfeld auf die Performance reagiert. Wenn also zum Beispiel jemand bedrohlich wirken soll, dann reicht es nicht, wenn diese Person das gut spielt, das Umfeld bzw. die anderen Leute in der Szenen müssen glaubwürdig darauf reagieren. Deshalb nennt man das auch Ensemble. Und auch das gelingt hier ausgezeichnet.
Ein dickes Lob muss auch das Drehbuch kriegen – die Eskalationsstufen sind super angepasst und die Sache wird immer weiter nach oben getrieben. Es gibt hier so unglaublich viele Fremdschäm-Momente (im positiven Sinne), dass man absolut immer mit Bear mitfühlt. Großartig gemacht – wirklich. Nämlich alles. Hier gibt es (von kleinen Regiefehlern abgesehen) nichts, was nicht passen würde. Inklusive dem Ende. Da vergeigen es viele ja dann doch manchmal – nicht hier. Das ist in Summe alles wirklich gelungen. Die knappen zwei Stunden, die der Film dauert vergehen wie im Flug.
Dabei ist der Film – bis auf eine Szene, die hat es in sich – nicht mal brutal. Es ist einfach die psychologische Ebene, die hier perfekt funktioniert. Alle Achtung. Vor allem, wenn man dann auch noch weiß, dass der Regisseur gerade mal Mitte 20 ist und dies hier seinen ersten richtigen Film darstellt. Ein Hammer, ehrlich!
Kein Wunder, dass der Film bei Produktionskosten von runden 750.000 Doller weltweit bis jetzt über 400 Millionen eingespielt hat. Scheinbar gab es bei der Premiere auf einem Filmfestival sofort einen Wettbewerb zwischen diversen Studios, wer den Film haben und vermarkten darf. Ich verstehe das. Absolut.
Für Drehbuchautor und Regisseur Curry Baker heißt das allerdings meiner Ansicht nach nichts Gutes. Mit seinem ersten Film so einzuschlagen – danach kann es nur noch bergab gehen. Vor allem findet man auch nicht alle Tage eine schauspielerische Entdeckung wie Navarrette. Auch die könnte künftig vielleicht ein Problem haben, denn ich denke nicht, dass sie jemals wieder einen Film machen wird, der auch nur annähernd in diesem Ausmaß zeigt, was sie kann. Schade eigentlich. Es kann also für alle involvierten von hier an nur noch bergab gehen.
Dennoch: Wenn sowas wie das hier der Preis dafür ist, dann passt das irgendwie schon. Alle Achtung. Diesen Film hier sollte man, wenn man oder frau auch nur ein klein wenig was mit Horror anfangen kann, absolut sehen!
Einziger Kritikpunkt, wenn man es denn so nennen will, wäre die Tatsache, dass der Film zu einhundert Prozent aus Bears Perspektive erzählt wird. Der Film deutet zwar an, dass Nikki mitbekommt, was passiert und ihr der freie Wille geraubt wurde (und sie zeitgleich in der Hölle brennt … ja, das kommt vor). Dass das, was Bear hier macht, eigentlich ein kompletter Wahnsinn ist, wird zwar manchmal thematisiert, kommt aber per se zu kurz und hat keine gröberen Auswirkungen. Das Thema hätte den Film auch unnötig verkompliziert. Auch wenn es eine spannende Frage ist. Natürlich kann man argumentieren, dass Bear sieht, was er da tut und deshalb das Ende auch das Ende ist, aber – und das ist ein großes Aber – er tut es ja nicht für Nikki, sondern aus einer anderen Motivation heraus.
„Obsession“ bekommt von mir 9,5 von 10 möglichen, absolut mitreißende und mitleidende, Punkte.

