Wolfenstein: The New Order (Game-Review)

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Das war alles völlig anders geplant. Völlig. Der zweite Weltkrieg wird verloren. Die Allierten haben keine Chance gegen die neuen, seltsamen Maschinen und Roboter, welche das Regime (im internationalen Markt auch als Nazis bekannt) in den Kampf wirft. Das muss BJ Blaszkowicz ziemlich rasch feststellen, als seine Maschine beim Anflug auf die Festung von „Totenkopf“ (Anführer der Bösen) abgeschossen wird. Der Ansturm geht zu Fuß weiter. Einer nach dem anderen fallen die Männer im Maschinengewehrhagel. Roboterhunde und Kampfgiganten reiben die Angreifer auf. Letzten Endes erwischt es auch BJ und er muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.

Viele Jahre später … BJ hat ein Schädelhirntrauma erlitten, er wurde in einer Krankenanstalt gesund gepflegt und bekommt zwar mit, dass rund um ihn immer wieder Soldaten auftauchen und andere „Insassen“ mitnehmen, aber was so richtig los ist, versteht er weder, noch kann er etwas dagegen tun. Bis die Soldaten damit beginnen die Anstalt zu „räumen“ und BJ wieder aus seiner Starre erwacht. In eine Welt, die er so nicht verlassen hat, denn das Regime hat den Krieg gewonnen und regiert das Land und die Welt mit eiserner Faust. Also muss er fliehen und schließt sich dem Widerstand an.

Was wie eine doofe Geschichte klingt, nach einem B-Movie mit Trashcharme und einem billigen selbstproduzierten Mistfilm, ist die Story des Shooters „Wolfenstein: The New Order“. Tatsächlich ist es so, dass dies nur der Auftakt ist und wieder einmal bewiesen wird, dass eine Geschichte nicht in drei Sätzen wiedergegeben werden kann, denn was bei „Wolfenstein“ an Atmosphäre und Detailtreue aufgefahren wird, das wird in anderen *Hust*CallofDuty*Hust* Shootern nicht mal im Ansatz erreicht und im Gegensatz zu diesen anderen Shootern schafft Wolfenstein zwei Dinge nahezu perfekt: Einerseits den trashigen Charme der Idee einfangen, ihn perfekt umsetzen und gleichzeitig die richtige Balance zwischen ernsthaftem „Was wäre wenn“-Drama und einer Satire zu finden. Andererseits gelingt es die Action schön geradlinig und ohne große Umwege zu inszenieren, dabei aber wirklich mit grandiosem Timing die Umgebungen so oft zu wechseln, dass es niemals langweilig wird.

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Das Gampelay ist erfrischend altmodisch: Man hat eine Menge Knarren, die man nach und nach findet und die im normalen Leben niemals auch nur irgendwie an einen einzigen Menschen zu befestigen, geschweige denn zu tragen wären und die sich angenehm in die Spieldynamik einfügen. Das Arsenal reicht von Pistolen über Schrotflinten und Maschinengewehren bis hin zum kultigen „Laserkraftwerk“. Je nach Gegnertyp hat die eine oder andere Waffe mehr Sinn. Für einen großen Teil der Gegner ist es sogar ausreichend, wenn man ein Messer hat – zudem BJ es auch werfen und Personen damit lautlos ausschalten kann. In manchen Fällen ist es sogar mehr als nur nützlich sondern fast schon überlebenswichtig, wenn man zuerst Kommandanten (die einem durch ein Signal verraten, wo sie sich verstecken) lautlos ausschaltet, da nur diese den Alarm auslösen können. Und – glaubt mir – Alarm wollt ihr nur selten auslösen, denn da kommen teilweise schon verdammt große Wummer auf euch zu.

Zusätzlich kommen Railshooter-Passagen dazu, Geschütztürme und immer wieder mal nette und coole Zwischenbosse, sowie ein cooler (wenn auch verhähltnismäßig leichter) Endgegner.

Die Steuerung geht gut von der Hand – BJ kann springen, sich ducken, Knöpfe drücken, Zeitungsartikel lesen, Enigma-Codes finden (die später dekodiert werden können, was nette Tools/Goodies bringt), Goldelemente können gefunden werden (was ebenfalls nette Sachen freischaltet) und es ist auch immer hilfreich sich eine Karte der Umgebung zu besorgen, damit man sich auch zurechtfindet. Wobei ich nur ein einziges Mal im gesamten Spielverlauf nicht wusste, wohin ich musste – das lag aber daran, dass – aufgepasst! – ich vergessen hatte, dass ich mich im neuen Wolfenstein mit manchen Gewehren (Laserkraftwerk, hallo!) durch manche Metalle, zB Zäune, durchschneiden kann. Grandios und super eingesetzt!

Die abwechlsungsreichen Schauplätze sind allesamt wirklich super in Szene gesetzt – das geht von einer Festung des Regimes, über Unter-Wasser-Anlagen (inklusiver kleiner Rätsel), die Irrenanstalt, eine Mondbasis und manch andere Gegenden, die man so nicht erwartet hätte. Die Story bietet viel Raum zur Entfaltung und die Programmierer haben es absolut drauf, die Umgebungen mit Artikeln, Plakaten und anderem Krims-Krams vollzustopfen, die einem wirklich das Gefühl geben in einer neuen Zeitrechnung gelandet zu sein. Von den verdammt kultigen Musikversionen der „neuen Zeitrechnung“ („Die Käfer“ … welche Band war das wohl in unserer Zeitrechnung?) mal gar nicht erst zu reden (wie im Trailer … „Da steht ein Haus in Neu-Berlin, das nennt sich Abendrot …“).

Aus allen Pixeln wird hier Atmosphäre geschwitzt – grandios! Die musikalische Untermalung setzt nicht auf pompöse Klassik, sondern auch Elektro und Metal-Einschläge und passt ebenfalls nahezu perfekt in die Kulisse. Hut ab – hier passt wirklich so gut wie alles zusammen. Das I-Tüpfelchen aber, das kommt noch.

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Für mich das Non-Plus-Ultra, dass „Wolfenstein: The New Order“ aus dem Shooter-Einheitsbrei heraushebt, sind folgende Faktoren:

I. Die Story und die Inszenierung
Die Charaktere in „Wolfenstein“ haben diese Bezeichnung absolut verdient – ich gebe zu, es sind Klischees, die bedient werden, aber es wird absolut liebevoll damit umgegangen und jede/r Charakter in dem Spiel hat seinen berechtigten Platz. Seien es die Helfer des Widerstands bis hin zu den Bösewichten. Allesamt sind großartig geschrieben und vertont.

II. Die Vertonung und die Musik
Egal welche Sprache in der Welt von „Wolfenstein“ gesprochen wird, sie ist nahezu perfekt vertont. Deutsche sprechen (auch in der englischen Version) deutsch. Und zwar richtiges Deutsch. Kein „Ick Sprecke Deutsch Gutt“, sondern Sätze, die von der Grammatik und der Betonung richtig sind. Großartig! Das wünsche ich mir von mehr Blockbustern. Das gleiche gilt übrigens auch für die anderen Sprachen im Spiel (und derer kommen viele vor), genauso wie die Bildschirmtexte und Zeitungsausschnitte (auch in Französisch, etc) – allesamt sind korrekt(!) geschrieben. Auch die Plakate in der Spielwelt und so weiter. Eigentlich schade, dass man sich darüber so freuen muss – aber es ist herrlich! Die Vertonung der einzelnen Charaktere ist ebenfalls durch die Bank brillant. Speziell BJ ist wirklich hervorragend getroffen und seine kurzen Momente der Reflexion, in welchen er vor sich hinflüstert und seine Gedanken mitteilt – wundervoll. Wer beim Abspann, nach BJs Worten und dem Abspannsong keine Tränen in den Augen hat, hat schlichtweg kein Herz. Ehrlich. So gehört sich das. (schnief) Und das obwohl das Spiel sich zu 100% (ja, es ist verdammt brutal) völlig an Erwachsene richtet.

Es gibt sogar eine Entscheidung am Anfang des Spiels, welche die nachfolgende Geschichte (geringfügig) beeinflusst. Wie dem auch sei – für mich war es Grund genug, das Spiel gleich nochmals anzugehen. Ja. So toll finde ich es.

„Wolfenstein: The New Order“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, Wolfenstein seinen Ruhm zurückgebende und Stellung als Ausnahemshooter untermauernde Punkte

PS: Wer sich im Hauptquartier des Widerstands ins Bett legt, der hat sogar einen netten Bonus … ich sage nur „I need to escape from this castle.“

Wolfenstein: The New Order - [PC]


von Bethesda [Bethesda]
Preis: EUR 19,99


Ein Gedanke zu „Wolfenstein: The New Order (Game-Review)

  1. Was gibts noch zu sagen? Die Grafik ist (zumindest auf dem PC) erste Sahne, die Umgebung ist zum Teil zerstörbar was für ein gewisses Maß an Realismus sorgt und die Waffen haben zum Teil nen richtigen wumps (vor allem wenn man zwei gleichzeitig hat).

    Laufzeit bei mir waren 12 Stunden beim ersten Mal und 8 beim zweiten Mal. Die alternative Zeitlinie ist ein netter Bonus beim erneuten durchspielen aber zu wenig um es nur deswegen zu tun.

    Ich hoffe sie führen die Geschichte weiter rund um BJ Blaszkowicz und den Widerstand!

    I Believe…
    https://www.youtube.com/watch?v=CiTn4j7gVvY

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