The Double (Filmkritik)

Simon (Jesse Eisenberg) arbeitet für die Regierung in einem unscheinbaren Job. Er ist schüchtern, hat mit den meisten Menschen Kommunikationsprobleme, lebt in einem unbewohnt wirkenden Apartment und hat keine Freunde. Nur wenn er heimlich seine Kollegin Hannah (Mia Wasikowska) beobachtet, empfindet er so etwas wie echte Freude und Zufriedenheit. Eines Tages kommt jedoch ein neuer Kollege in seine Firma, der sein ereignisloses Leben, ordentlich durcheinander bringt.

James (Jesse Eisenberg) kann sich mit seinem schnellen Mundwerk und seiner gewinnenden Art aus jeder Situation wieder heraus reden, er ist ungemein selbstsicher, wechselt ständig die Frauen und hat exakt das gleiche Gesicht wie Simon. Die beiden innerlich sehr unterschiedlichen Männer freunden sich nach dem anfänglichen Schock schließlich an, doch als James immer mehr die Kontrolle über den Alltag seines Doppelgängers übernimmt und ihn manipuliert wird schnell klar, dass Simon endlich lernen muss, sich zu wehren.

The Double

„The Double“ basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1846 und wurde geschrieben von Fyodor Dostoyevsky. Der Engländer Richard Ayoade (Submarine) schnappte sich nun Jahre später die Grundidee des Buches und drückt der gesamten Geschichte seinen sehr persönlichen und vor allem eigenständigen Stempel auf, was wohl – von schon im Vorfeld durchaus vorhandenen Potential her – auch Produzent Michael Caine (Harry Brown) dazu bewegt hat, das Projekt zu unterstützen.

Was der Film auf eine nur schwer zu beschreibende Art und Weise schafft, ist es den Zuschauer mit einer eigentümlichen Sogwirkung ins Geschehen zu ziehen und man sich an einem Ort wieder findet, der einfach nur seltsam, voll mit unterdrückten Gefühlen und reich an irritierenden Ereignissen ist. Dabei entsteht die Spannung und der sich steigernde Wahn nur ganz langsam und man hat genügend Zeit, die Beweggründe der Hauptpersonen zu verstehen. Ständig schwingt hier diese Ebene mit, dass dies doch nicht die Wirklichkeit sein kann, ist es nur ein Traum von Simon oder ist es die Realität und was heißt das überhaupt?

Die starke Atmosphäre wird neben den dunklen Settings und den angewendeten Filtern, die sämtlichen Farben etwas „Gemälde-haftiges“ verleihen, vor allem durch die frontalen Kameraeinstellungen und die überaus schnellen Dialoge erzeugt. Dabei sind dann immer wieder Sprüche enthalten, die man auf Grund der Geschwindigkeit erst verstanden hat, wenn schon der übernächste Satz gesprochen wurde, was die schizophrene Stimmung noch mehr verstärkt, wenn etwa auf eine liebenswert unsichere Aussage, eine beinhart gefühlskalte folgt.

Das alles würde jetzt natürlich nicht funktionieren, wenn der Hauptdarsteller in seiner Doppelrolle nicht überzeugend spielen kann. Egal ob nun in „Die Unfassbaren„, „30 Minuten oder weniger„, „Zombieland“ oder als Sprecher in den beiden „Rio“ Filmen, Jesse Eisenberg war bei mir zwar als talentierter, aber aufs Komödienfach abonnierter Darsteller abgespeichert. Ich hatte ja keine Ahnung, wie gut dieser Kerl ist. Schon von der ersten Einstellung an sieht man Simon an, wie unwohl er sich in seiner Haut fühlt, dass jeder soziale Kontakt eine Überwindung für ihn darstellt, er von der Umwelt ignoriert wird und voller Sehnsüchte steckt.

Und dann betritt Eisenberg als James die Bühne. Verschmitzt und überheblich lächelnd, völlig anders von der Körperhaltung her, mit Überzeugungskraft in der Stimme. Und das soll der gleiche Darsteller sein? Für mich eindeutig seine beste Performance bisher und da er nach eigenen Aussagen Blockbuster in Zukunft meidet, kann man noch einige weitere schräge Auftritte von ihm erwarten. Privat ist er übrigens nach dem Film mit Mia Wasikowska („Stoker„, „Only lovers Left Alive„) zusammen gekommen, die seinen Love-Interest Hannah im Film mit einer Mischung aus entdeckungsfreudig kindlich und ungemein niederschmetternd selbstgerecht spielt, was es leicht macht, die Faszination für sie nachempfinden zu können.

Mehr sollte ich jetzt gar nicht mehr schreiben, denn auch wenn für viele der Film wohl langweilig und auf eine befremdende Art komisch ist, ist vor allem das für alle Interpretations-freudigen Menschen perfekte Ende, nicht jedermanns Sache. Wenn man sich aber auf den Film einlässt, dann bekommt man ein stimmiges Gesamtprodukt präsentiert, bei dem ein paar kluge Köpfe hinter der Kamera die Fäden gezogen haben. Ich für meinen Teil bin mir nun nicht mehr so sicher (als Jugendlicher fand ich die Idee ganz spannend), ob ich auf einen Kerl treffen wollen würde, der wie ich aussieht, aber innen drinnen genau das Gegenteil von mir ist.

„The Double“ bekommt von mir 8/10 für doppeltes Gefühlschaos sorgende Empfehlungspunkte.


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