The Purge: Anarchy (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 2023. Es ist der 21. März, und wie immer bereiten sich die netten Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika auf die „Purge-Nacht“, in der alle Verbrechen inklusive Mord legal sind, vor.

Unter ihnen befindet sich das Ehepaar Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez), dass zum vermutlich ungünstigsten Zeitpunkt eine Autopanne hat, sowie die Kellnerin Eva (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoë Soul), die sich in der eigenen Wohnung verbarrikadieren. Als die Wohnung von Unbekannten angegriffen wird, liegt das Leben von Eva, Cali, Shane und Liz ausgerechnet in den Händen eines Unbekannten (Frank Grillo), der jedoch eigene Pläne für diese spezielle Nacht hat.

The Purge Anarchy Film Poster

Nachdem „The Purge“ bewiesen hat, dass ein Konzept, in dem man eine Nation ins (mehr oder weniger) kontrollierte, vorübergehende Chaos stürzt und mit den Urinstinken der Menschen spielt, funktioniert, wurde gleich die Fortsetzung angekündigt. Für Regie und Drehbuch ist wie beim Vorteil auch James DeMonaco verantwortlich, der seine Idee auf die nächste Ebene bzw. auf die Straße bringt.

Um das zu ermöglichen wurde das Budget auf (immer noch lächerlich wenig) neun Millionen Dollar verdreifacht. Dieses Geld wurde dann sinnvoll eingesetzt, um eine Welt einzufangen, in der die Dunkelheit, der Wahnsinn und das Recht des Stärkeren vorherrschen. Die Kameraführung wirkt an dieser Stelle etwas rauer, was vermutlich (zumindest teilweise) der neuen Umgebung geschuldet ist.

DeMonaco hatte für „The Purge: Anarchy“ wieder einige kranke und irre Einfälle. Da hätten wir zum Beispiel die Tatsache, dass reiche Leute wahlweise dafür bezahlen, wenn sich „Freiwillige“ in der Purge-Nacht töten lassen oder dafür, dass man irgendwelche Leute für sie einfängt, damit sie dann auf dem höchst eigenen Spielplatz gejagt werden können.

Das Problem mit diesem Film liegt jedoch wo anders, denn durch einen genaueren Blick auf das Konzept werden auch einige Probleme mit der Logik sichtbar. Das beginnt bei dem Typen, der im Radio ankündigt seinen Chef töten zu wollen, damit der dann schon auf ihn wartet bis über die Tatsache, dass es eigentlich keinen Grund gibt, sich an die genauen Purge-Zeiten zu halten.

Und wäre es nicht eigentlich eine gute Idee die Feiertage in Europa zu verbringen? Wenn das Geld dafür nicht reicht würde es doch auch Kanada tun oder der nächste größere Wald? Als kleines Detail am Rande würde mich noch interessieren, was mit „Waffen bis Stufe 4“ gemeint ist, wenn man im Zweifelsfall sogar mit einer mit panzerbrechender Munition bestückten Gatling Gun schießen darf.

Das alles wäre auch mehr oder weniger egal, wenn sich der Film nicht so verdammt ernst nehmen würde. Während der Vorteil mindestens so irre wie ernst war (vor allem dank der Performance von Rhys Wakefield (Sanctum)) streut man hier diese irren Momente meist nur ein, was leider nicht immer den gewünschten Effekt erzielt.

Als Protagonist versucht Frank Grillo (Captain America 2) den Film zu tragen, was ihm aber kaum gelingt. Schuld daran sind aber in erster Linie das Drehbuch inklusive der erneut kaum vorhandene Charakterzeichnung und die Tatsache, dass man ihm vier weitere Personen, die er beschützen muss, förmlich an die Füße bindet.

Dass Zach Gilford (The Last Stand) als Shane, Kiele Sanchez (A Perfect Getaway) als Liz, Carmen Ejogo (Alex Cross) als Eva und Zoë Soul (Prisoners) als Tochter Cali den Umständen entsprechend sogar ein wenig sympathisch wirken, hilft an dieser Stelle allerdings ein kleines Bisschen.

Alles in allem ist „The Purge: Anarchy“ prinzipiell keine schlechte Fortsetzung, muss jedoch mit der Tatsache kämpfen, dass das Konzept der „Säuberung“ bei genauerer Überlegung doch einige Schwächen hat. Zudem verhalten sich einige Charaktere so, als wäre diese „Purge“ keine stolze Tradition, sondern ihre erste (und in einigen Fällen auch die letzte).

Was haben wir sonst noch gelernt? (Achtung Spoiler!)
Wenn sich während der „Purge“ nicht genügend Leute gegenseitig umbringen, hilft Uncle Sam gerne persönlich nach.

Der Film „The Purge: Anarchy“ bekommt 6,5/10 wiederholt säubernde Empfehlungspunkte.


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