Prisoners (Filmkritik)

Keller Dover (Hugh Jackman) macht Bekanntschaft mit Detective Loki (Jake Gyllenhaal), denn seine Tochter und die Tochter der Nachbarn sind auf dem Weg von einem Haus zum anderen verschwunden. Die Suche bleibt erfolglos. Es gibt zwar einen Verdächtigen namens Alex Jones (Paul Dano), aber der hat den IQ eines 10jährigen und wird nach 48 Stunden in Gewahrsam aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen.

Während Loki sich an die Gesetzte hält und versucht den oder die TäterInnen zu finden, ist sich Dover sicher, dass Jones der Täter ist und begibt sich auf eine eigene Mission, aus dem jungen Mann die Wahrheit herauszupressen. Ein Weg der auch vor Folter nicht Halt macht. Die Zeit läuft und von den Kindern fehlt nach wie vor jede Spur …

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Gleich Mal vorweg: „Prisoners“ ist ein Film, der – entgegen seines Titels – keine Gefangenen macht. Nach den ersten paar Minuten, in welchen die Familien vorgestellt werden, verschwinden die Kinder und die Zuseher gehen gemeinsam mit Dover durch die Hölle. Drehbuchautor Aaron Guzikowski lässt nichts anbrennen und dreht die Spannungsschraube immer weiter in die Höhe. Erstaunlich, war er doch zuvor bis dato „nur“ für das Drehbuch von „Contraband“ verantwortlich, der ja doch mehr in die Actionrichtung ging. Denis Villeneuve, mir bis dato unbekannt, hat davor ein paar Kurzfilme gedreht und auch die beiden Spielfilme „Polytechnique“ und „Incendies“ gemacht. Umso beeindruckter war ich von seiner Regieführung – „Prisoners“ braucht sich weder vor „Zodiac“ (ebenfalls mit Jake Gyllenhaal) oder sogar dem Meisterwerk „Seven“ (von David Fincher) nicht zu verstecken.

Neben dem absolut gelungenem Drehbuch und der beachtlichen Leistung des Regisseurs, immerhin läuft der Film schon mal rund 160 Minuten, sind für die permanente Spannung die Schauspieler verantwortlich. Maria Bello als Mutter der entführten Anna hat zwar nicht viel zu tun außer völlig fertig im Bett zu liegen und sich mit Tabletten vollzustopfen, macht ihre Sache aber sehr glaubwürdig. Auch die anderen „Nebenrollen“ wie Franklin (Terrence Howard) und Nancy Birch (Viola Davis), genauso wie der vermeintliche Täter Alex Jones (Paul Dano) spielen ihre Rollen absolut überzeugend – zugegeben: ich bin froh, dass man von Alex Jones später im Film nicht mehr allzu genau gezeigt bekommt, wie er aussieht, denn Keller Dover geht alles andere als zimperlich bei seiner Befragung vor.

Hugh Jackmann macht seine Sache gewohnt gut, schwankt zwischen „angepisst“ und „wütend“, schafft es aber dennoch nicht zu oft Erinnerungen an „The Wolverine“ heraufzubeschwören und immer wieder Momente einzustreuen, die ihn als menschlich und wirklich verzweifelt erscheinen lassen und der nach und nach die Kontrolle verliert. Der wirkliche Höhepunkt für mich war Jake Gyllenhaal, der Detective Loki absolut überzeugend verkörpert – ich kann jetzt schwer eine Szene herauspicken, aber die Art wie er mit den Eltern spricht, die Beruhigungsfloskeln, die er von sich gibt, die Art und Weise, wie er immer wieder blinzelt (liest sich jetz blöd, ergibt aber Sinn, wenn ihr den Film seht), machen ihn für mich klar zum Hauptdarsteller des Films. Unglaublich, wie weit Gyllenhaal es geschafft hat von „The Day After Tomorrow“ und „Donnie Darko“ zu kommen. Respekt.

Die Musikuntermalung ist mir insofern positiv aufgefallen, als dass sie sich meistens im Hintergrund hält – und stellenweise sogar völlig darauf verzichtet wird, was einigen Szenen eine absolut stille Verzweiflung aufdrückt. Beeindruckend, wie bedrückend Stille sein kann bzw. „Geräusche“ sein können.

Die Fragen, die der Film offensichtlich aufwirft – ist Folter ein Weg, um Leben zu retten? Was kann passieren, wenn Menschen sich an einen Strohhalm klammern? Wo wird von wem die Schuld gesucht? Wie weit darf man gehen, um scheinbar ein Leben zu retten? -, werden allerdings für mich nicht sehr tiefgründig behandelt. Die Taten von Keller Dover werden wenig bis nicht kommentiert – außer in Bezug auf die gesetzlichen Konsequenzen. Auch diskutiert das Nachbarpärchen kurz, wie sie mit diesem Wissen umgehen sollen, aber ansonsten – Nada. Es bleibt den ZuseherInnen überlassen, ob und wie sie sich darüber Gedanken machen. Da ich diesbezüglich eine sehr klar Meinung habe, war dieser Teil des Films für mich zwar spannend, aber nicht der Teil, der mich „bei der Stange gehalten“ hat. Der Teil der mich fasziniert hat, war die Unvorhersehbarkeit der Handlung: Ist Alex der Täter? Wenn ja, warum lässt er all die Qualen über sich ergehen? Wenn nein, wer kann es sonst sein?

Dass Detective Loki immer neue und andere Spuren findet, die in die eine oder andere Richtung weisen, hält die Spannung über weite Strecken aufrecht. Eine Frage, die ich mir während dem Film immer wieder gestellt habe, ist jene: Wenn Loki die Zeit, die er damit verbringt Keller Dover auf die Spur zu kommen (oder auch nicht), mit der Suche nach den Kindern verbracht hätte … was wäre dann geschehen? Und wenn es etwas verändert hätte, was bedeutet das dann für die Dinge, die Keller macht? Schadet er damit der Suche nach seiner Tochter nicht mehr als er zu helfen glaubt? Ich habe meine Antwort gefunden, wäre aber interessant, wie andere das sehen.

„Prisoners“ war ein so genannter „Thrill-Ride“ für mich, und auch wenn der Film nach gut zwei Stunden kurz ein wenig nachzulassen scheint, so ist es nur ein Durchschnaufen, bevor er aufs Finale zuläuft.

Von mir bekommt er 8,5 von 10 möglichen, (fast) alle Beteiligten durch die Hölle schickende, Punkte.

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