The Devil’s Double (Filmkritik)

Auf Grund seiner Ähnlichkeit zum Sohn des irakischen Diktators Saddam Hussein (Uday Hussein) wird der Soldat Latif Yahia (Dominic Cooper) gezwungen, dessen Doppelgänger zu spielen. Infolge dessen kommt er nicht nur in den Genuss von Wohlstand und Luxus, sondern auch von Udays sadistischen Neigungen.

The Devils Double Film Dominic Cooper

Die besten Geschichten erzählt ja bekanntlich das Leben selbst. Während aber bei erdachten Geschichten ein Autor mit viel Liebe zum Detail seiner Idee Leben einhaucht, haben die „wahren“ Begebenheiten oft das Problem, dass sie im Vergleich zu ersteren die eine oder andere erzählerische Schwäche aufweisen. Dementsprechend wird an dieser Stelle gerne getrickst – es wird etwas weggelassen oder dazu erfunden, um die ganze Sache homogener wirken zu lassen. Warum ich glaube, dass man bei diesem Film darauf verzichtet hat und ob das Ganze trotzdem funktioniert, verrate ich euch in den kommenden Zeilen.

Regie hat an dieser Stelle Lee Tamahori geführt. Zu seinen bisher bekanntesten Werken gehören unter anderem der James Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“ und der zweite xXx-Teil. In seinem momentan aktuellsten Werk stellt Tamahori unter Beweis, dass er nicht nur seichte Action gekonnt inszenieren kann und erschlägt den Zuschauer beinahe mit einer ruhigen und sehr bildgewaltigen Optik. Egal ob es Landschaftsaufnahmen, Szenen des täglichen Lebens oder Einblicke in den goldenen Käfig sind, wirkt der Film optisch sehr eindrucksvoll und nimmt sich auch die Zeit, die einzelnen Momentaufnahmen wirken zu lassen.

Wenn man bedenkt, dass hier ein Budget von gerade einmal 19 Millionen zum Einsatz kam, ist das Ergebnis gleich noch einmal ein wenig mehr beeindruckend. Bezüglich des Drehbuchs hat man sich unter anderem bei dem Roman von Latif Yahia bedient, der seine Erlebnisse im Hause Saddam auf diese Weise festgehalten hat. „The Devils Double“ ist klar die Sorte Film, bei der man schon beim Sehen merkt, dass man sich sehr genau an die Vorlage des Films gehalten hat.

Nicht nur dass sich der Film wie bereits erwähnt genug Zeit für seine Geschichte nimmt, ist auch ab dem ersten Moment klar, aus welcher Sicht diese erzählt wird. Eigentlich interessante Nebendarsteller verlieren im Laufe der Geschichte schnell an Bedeutung oder kommen gar nicht mehr vor und das Ende ist auch nicht im Ansatz so spektakulär, wie man es als Zuschauer gewohnt ist. Um den Eindruck von Authentizität noch zu unterstreichen, setzt der Film auf Fernsehbeiträge aus der damaligen Zeit, was im Wesentlichen gut funktioniert.

Da es sich hier im Großen und Ganzen um eine One-Man-Show handelt, muss dementsprechend auch der Hauptdarsteller des Filmes genannt werden. Dominic Cooper (Captain America) hatte das zweifelhafte Vergnügen, in einer Doppelrolle zu spielen. Nun ist die Rolle des guten und bösen Zwillings immer eine gewisse Herausforderung, wurde aber auch bereits von anderen Schauspielern in ähnlicher Form bravourös gemeistert (z.B. von Willeam Dafoe im ersten Teil der Spiderman-Triologie).

Auch wenn Cooper nicht zu meinen Lieblingsschauspielern zählt, muss man doch an dieser Stelle seine exzellente Arbeit anerkennen. Egal ob als psychopatischer und narzisstischer Uday Hussein oder bodenständiger Latif Yahia, wirkt er großartig und hätte für seine Arbeit in diesem Film zumindestens eine Nominierung für den Oscar verdient. Spätestens wenn Latif vor dem Spiegel steht und versucht seine Rolle als Uday zu üben, ist das perfekt gespielt und zumindest aus schauspielerischer Sicht eine großartige Leistung.

Der Film beginnt übrigens mit Latifs Anwerbung (wer das Gefühl hat das ein Vorstellungsgespräch schlecht gelaufen ist, kann sich an dieser Stelle überzeugen, dass es noch schlimmer geht) und zelebriert dann in aller Ausführlichkeit Udays Wahnsinn. Da wird Getötet und Vergewaltigt was das Zeug hält, wobei man es zum Teil hautnah miterleben darf/muss. Manchmal wird aber auch nur angedeutet und die Fantasie des Zuschauers ist gefragt. Von diesen schockierenden Momenten (und der Art wie Latif darunter leidet) lebt der Film und darüber sollte man sich im Vorfeld auch klar sein.

Wie bereits erwähnt kommen die Nebendarsteller im Film etwas zu kurz. Während Ludivine Sagnier als Sarrab einen Großteil des Films für Spannung und knisternde Erotik sorgt, schaut Philip Quast in seiner Rolle als Saddam Hussein nur hin und wieder vorbei, um mit kurzen und prägnanten Äußerungen präsent zu sein. Alle anderen kommen leider komplett zu kurz und verschwinden daher auch schnell wieder – was schade ist, da man das sicher besser lösen hätte können.

Zu guter Letzt kann man festhalten, dass „The Devils Double“ ein eindrucksvoller Film mit Anspruch auf Authentizität ist und sicher kein Mainstream-Film, der jedem gefällt.

Von mir bekommt der Film 7,5/10 verdiente aber selbstverliebte Emfehlungspunkte.


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