Wolfenstein II: The New Colossus (Game-Review)

B.J. überlebt. Seine Truppe sammelt ihn ein, flickt ihn zusammen und hält ihn irgendwie am Leben. Nach Monaten im Koma wacht er wieder auf. An Bord des U-Boots „Evas Hammer“, welches den Nazis abgeluchst wurde, und sein Leben hängt am seidenen Faden.

Es dauert nicht lange und schon ist B.J. wieder dabei, das zu tun, was er am besten kann: In rauen Mengen Nazis abknallen. Und zwar in Amerika, denn vom U-Boot aus, versuchen er und seine Rebellen Amerika von den Nazis, die den Krieg gewonnen haben, zu befreien.

Außerdem hat Frau Engel überlebt und ist nun Oberbefehlshaberin des Reichs, was bedeutet, sie hat auch die Kontrolle über das riesengroße UFO-ähnliche Megaflugzeug „Ausmerzer“.

B.J. hat allerdings nicht mehr lange Zeit, denn seine Lebensuhr läuft ab. Noch dazu ist Anya schwanger. Sie wird Zwillinge bekommen. Also gibt B.J. alles was er hat …

Ich finde es immer wieder interessant, wie sehr sich manche „Journalisten“ aus der „Fachpresse“ an den Markt anpassen. Da schreiben doch deutsche bekannte Printmedien beim Test zu „The New Order“, dass sie sie Story schlecht und die Charaktere doof finden und ziehen das Fazit, dass man diese Teile ja auch weglassen hätte können und dann schreien sie doch tatsächlich beim Nachfolger, dass er „großartiger, besser und cooler als Teil 1 ist, weil die Charaktere noch ausgefeilter sind, mehr Raum bekommen und die Story besser und tiefgründiger als beim ersten Teil.“ Und liegen damit wieder falsch.

Irgendwie merkt man daran, dass sie nicht verstanden haben, was Teil 1 so gut gemacht hat Was an der Story, den Figuren und der Inszenierung so großartig war. Denn wenn sie es verstanden hätten, dann würden sie jetzt nicht davon reden, dass im zweiten Teil alles besser sei, denn – nein: Alles in Teil 2 ist ein Rückschritt.

„The New Colossus“ ist der direkte Nachfolger von „The New Order„, einem der storymäßig und von den Figuren als auch der Atmosphäre und Inszenierung her besten Shooter des letzten Jahrzehnts. Und es kann dem ersten nicht im Ansatz das Wasser reichen. Das liegt an ein paar Dingen, die ich hier kurz aufzählen möchte:

a) Die Schauplätze: Von kleinen Ausnahmen abgesehen ist die Abwechslung klein gehalten und die Schauplätze sind ziemlich austauschbar. Es gibt natürlich auch wieder einen Ausflug auf einen anderen Planeten, aber der ist ehrlich gesagt nicht so richtig überraschend und bis auf ein interessantes Filmcasting auch nicht sonderlich spannend.

b) Die Pseudo-Open-World: Es gibt ein HUB-Gebiet (das U-Boot) von welchem aus man verschiedene Orte im Spiel nochmals besuchen kann um kleinere Nebenaufträge auszuführen. Außerdem kann man einige Überkommandanten (rein optional) aufspüren und diese ausschalten. Und ja, das spielt sich in etwa so spannend, wie es sich liest. Vor allem deshalb, weil die Aufträge absolut langweilig inszeniert sind. Im besten Fall kriegt ihr eine Audiozeile von Grace (wer, werdet ihr jetzt fragen, ist das?) und im schlimmsten Fall werdet ihr einfach ins Gebiet geworfen und fertig.

Womit wir bei
c) angekommen sind: Der Story und der Inszenierung: Die erste Hälfte von „The New Colossus“ ist wirklich gut geworden. Man nimmt sich Zeit, die Handlung baut sich auf, es gibt viele Zwischensequenzen und sie treiben die Story voran. Dann irgendwann hört es auf und irgendwie hat man das Gefühl MachineGames wollten „The New Colossus“ nur noch zu Ende bringen. Schade, wirklich schade.

Und da gehört auch Nummer d) dazu: Die Charaktere:
Es gibt nämlich einen Haufen großartiger Charaktere (die meisten aus dem ersten Teil) und was macht man damit? Zu einem wirklich großen Teil verschenkt man sie. Da gibt es keine coolen Momente, keine Charaktertiefe, keine Storybewegungen für die Charaktere, nichts davon. Das plätschert einfach alles so dahin. Und dann ist es zu Ende. Der Fairness halber: Man versucht B.J. mehr Hintergrundgeschichte zu geben, vergißt dabei allerdings meiner Ansicht nach auf die Hauptstory. Schade, wirklich schade. Abgesehen davon, das Storyteile, die als wichtig inszeniert werden, dann einfach … aufhören. Keine Auflösung, keine Erklärung, warum, sondern einfach: Aus. Punkt. Sehr unbefriedigend.

Ja, okay, es gibt zwei, drei coole Szenen und die sind dann auch wirklich richtig gut, aber alles in allem: Sorry, nein. Das Teil hier ist ein großer Rückschritt. Nicht nur von „The New Order“ sondern sogar vom Add-On „The Old Blood„. Tut mir wirklich leid. Klar, „The New Colossus“ ist immer noch ein guter Shooter, aber es ist kein guter „The New Order“-Nachfolger.

„Wolfenstein II: The New Colossus“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, leider in allen Belangen nachgelassen habende, Punkte.


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