I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine (Filmkritik)

Nach der mehrfachen Vergewaltigung und ihrer anschliessenden Rache an ihren Peinigern, führt Jennifer Hills (Sarah Butler) unter dem Namen Angela, ein zurückgezogenes und von ausgeprägter Feindseligkeit gegenüber Männern bestimmtes Leben. Auch bei einer Therapiegruppe mit anderen Opfern findet sie keinen Trost, dafür aber in Marla (Jennifer Landon) eine willensstarke, nicht auf den Mund gefallene Freundin.

Als Marla jedoch von ihrem gewalttätigen Exfreund umgebracht wird und die Polizei den Täter auf Grund von mangelnden Beweisen wieder freilässt, brennen bei Angela die Sicherungen durch. Wie damals im Wald, kann sie sich eben nur auf sich selbst verlassen, keiner hilft ihr, sie selbst muss die Gerechtigkeit zu den Tätern bringen und das am Besten endgültig, in einer physisch höchst brutalen Form mit tödlichem Ausgang.

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Im Jahre 2010 entstand unter der Regie von Steven R. Monroe (It Waits) das gleichnamige Remake des Original-Films aus dem Jahre 1978 mit dem bezeichnenden Namen I spit on your grave, drei Jahre später meldete sich Monroe mit einer Fortsetzung – mit anderen Figuren aber im Prinzip dem gleichen Handlungsablauf – zurück. Für den dritten Teil übernahm nun der unbekannte Regisseur R.D. Braunstein (100 Degrees Below Zero) das Ruder, dafür kehrt mit der von Sarah Butler gespielten Jennifer Hills, nun die Hauptdarstellerin des ersten Parts der neuen Trilogie, wieder zurück.

Die Formel dieser Filme noch einmal zu recyceln, wäre kaum möglich gewesen. Schon Teil zwei ist noch eine Spur menschenverachtender als der erste und sowieso leben diese Filme ja davon, dass man mit den Opfern mitfühlt und bei deren Rache sich dann trotzdem schlecht fühlt, obwohl man es ja so wollte. Gewalt ist abschreckend und grausam, egal ob sie nun vom Täter oder vom Opfer ausgeht. Das wurde klar vermittelt und die Szenen, wie die Bösen im Film beseitigt werden, waren grausam und extrem brutal.

In diesem dritten Teil geht es nun vor allem um das Weltbild, dass das Opfer/die Rächerin nach den von ihr erlebten Grausamkeiten entwickelt hat. Du bist entweder Jäger oder Gejagter da draussen, echte Freundschaft gibt es nicht, jeder fordert immer auch etwas ein, wenn er gibt und so gut wie alle Männer sind sowieso Schweine, die das Gehirn in der Hose mit sich herumtragen. Immer wieder prägen (für den Zuseher nicht immer sofort als solche erkennbare) Gewaltphantasien ihren Alltag, in denen sie Menschen, die sie belästigen, blutig aus dem Weg räumt.

Als sie dann durch ihren Verlust angetrieben zu wirklichen Taten schreitet, macht sie das in Form einer schwarzen Witwe. Da ihr selbst aktuell ja keine Gewalt angetan wurde, schlüpft sie dafür in die Rolle des Lockvogels, der Männer in die Falle lockt, die Mitgliedern ihrer Therapiegruppe Leid angetan haben und ihrer Strafe bis jetzt entgangen sind. Jetzt nicht falsch verstehen, das sind schon alle Frauen misshandelnde Mistkerle, da man ihre Taten aber nicht sieht sondern nur über sie hört, ist die Dynamik gefühlsmäßig eine andere, wenn Jennifer ihre Form von Gerechtigkeit ausübt.

Abgesehen von den Schlägen gegenüber Jennifer, die sie aber immer herausgefordert hat und eher Zweikampf-Charakter besitzen, gibt es hier auch neben den eben nur angesprochenen Taten, keine Gewalt gegen Frauen, die gezeigt wird. Die überdrehten Phantasien mal ausgenommen, beschränken sich auch die extremen Gewaltszenen auf die Zahl zwei, wobei es die beiden ziemlich in sich haben. Egal ob nun auf die Damen oder auf die Herren bezogen, für einen „I spit on your grave“ Film, bei dem die Erwartung dementsprechend ist, hält sich der Splatter-Faktor in Grenzen und auch wenn Vergewaltigung das grosse, über allem schwebende Grundthema ist, gezeigt wird in diese Richtung nichts (wofür ich den Machern sicherlich nicht böse bin).

Schauspielerisch trägt vor allem Sarah Butler den Film und das macht sie großartig. Sie ist dabei klar Opfer und Täter zugleich, man weiss auch nicht ob man ihr zujubeln soll, sie stoppen sollte oder ihr einfach nur zeigen, dass es auch einen anderen Weg gibt, als den ihren. Genau das versucht auch die Psychiaterin im Gespräch mit ihr (diese Szenen sind ein während des Filmes wiederkehrendes Thema), was zu den wenigen Momenten im Film gehört, bei denen ich manchmal schmunzeln musste.

Was bleibt ist ein Beitrag in dieses Franchise, der sich moralisch noch immer irgendwo jenseits von gut und böse befindet (nennen wir es der Einfachheit halber kurz Selbstjustiz), bekannte Elemente der Serie hernimmt und diese etwas abändert und weiterspinnt. Die extreme Intensität der Vorgänger kommt hier nicht mehr zu Stande, dafür nimmt die lähmende Gewissheit überhand, dass es aus einer Gewaltspirale, manchmal kein entrinnen gibt. Es gibt eben immer zwei Arten von Tätern: die, die „einfach so sind“ und die, die früher Opfer waren.

I Spit on your Grave 3″ bekommt von mir 6,5/10 die Taten herausfordernde und sogleich bestrafende Empfehlungspunkte.


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