Sasha (Charlize Theron) ist mit ihrem Partner Tommy (Eric Bana) klettern – es kommt, wie es kommen muss: Ein Unglück passiert und Sasha bleibt allein zurück. Einige Zeit später ist sie in Australien unterwegs – allein. Sie will ihre Grenzen austesten, um festzustellen, ob sie sich noch spürt.
Vor Ort trifft sie Bem (Taron Egerton), der ihr Tipps gibt, wo sie eine relativ harte Strecke mit dem Kayak befahren und klettern kann, und Sasha nimmt die Herausforderung an.
Als Sasha ihn kurz darauf mitten am Trail trifft ahnt sie bereits, dass er vielleicht nicht unbedingt der zuvorkommende Kerl ist, für den er sich ausgibt – zumal auf dem Trail, wie sie gelernt hat, immer wieder Menschen spurlos verschwinden …

Ich mag Charlize Theron grundsätzlich. Ich mag ihr Schauspiel, wie sie aussieht und im Regelfall auch die Filme in denen sie mitspielt („Mad Max: Fury Road„, „Prometheus„, „Aeon Flux„, „Kubo and the Two Strings„“ Atomic Blonde„). Nicht, dass ich alle gesehen habe, aber üblicherweise wertet ihre Präsenz einen Film auf. Ähnlich läuft es mit Taron Egerton, den ich eine zeitlang sogar für James McAvoy gehalten habe aufgrund seiner Optik, auch wenn ich zugegebenermaßen nur „Kingsman„, „The Golden Circle“ und „Rocketman“ mit ihm kenne.
Was „Apex“ hier betrifft, so wird eine absolut altbekannte und klare und übliche und schon hundert Mal erzählte Geschichte nochmals erzählt. Jene der traumatisierten Frau, die allein unterwegs ist und dann von einem vermeintliche Irren verfolgt wird und sie um ihr Leben kämpfen muss – und naturgemäß in diesem Kampf entdeckt, dass sie ja doch leben will.
Das kann spannend sein und das kann langweilig sein und dieser Film hier, nun, offen gesprochen ist er tatsächlich spannend geraten. Das liegt in erster Linie an der Inszenierung von Baltasar Kormakur, von dem ich bis jetzt noch keinen Film kenne, der sein Handwerk aber absolut versteht und der hier die Kulisse von Australien wirklich perfekt nutzt. Man merkt an der Regie und der Inszenierung auch, dass er eigentlich kein Amerikaner ist, sondern Isländer – der weiß halt, wie man Steine und Natur inszeniert. Sein Kameramann fängt manche Teile des Outbacks/Dschungels wirklich richtig großartig ein – wenn Sasha vom reißenden Wasser mitgerissen wird, dann sieht das richtig heftig und cool aus und man spürt jeden Wassertropfen im Gesicht. Oder als Sasha am Anfang des Films aufwacht und ihren Kopf aus dem Zelt steckt, in dem sie geschlafen hat, und man sieht, dass dieses Zelt in ungeahnter Höhe an einem Berg hängt und unter dem Boden des Zelts – nun: da ist nichts, nur ein Abgrund. Man kann die Bedrohung durch die Umwelt absolut spüren – so richtig nämlich.
Das kann man über die Figur von Ben allerdings nicht sagen. Ja, er ist irre. Ja, er ist bedrohlich. Aber das liegt zum großen Teil wirklich nur an den Szenen in denen die beiden in echter Interaktion sind, sich also gegenüberstehen. Da wirkt die Gefahr, da liegt Spannung in der Luft. Jene Szenen in denen Ben irre wirken soll, zum Beispiel als er erzählt, dass seine Mutter „die erste war und er sie immer bei sich trägt“, da kam mir sogar ein Lachen aus. Peinlich.
Wenn es dann aber zum Schlagabtausch der beiden kommt – dann wird es richtig cool, denn die beiden schenken sich nichts. Und wie dieser Schlagabtausch endet und wie generell das richtige(!) Finale abläuft – Respekt. Das habe ich so noch nie gesehen und das fand ich mutig. Mir hat das richtig gut gefallen. War mal was anderes. Respekt an den Drehbuchautoren Jeremy Robbins. Zumindest für diese Idee.
Davor gibt es natürlich die Verfolgungsjagd und die ist an sich spannend – auch wenn Theron nie wirklich bedroht wirkt. Ihre Mimik ist eher steif und vor allem hat sie einen absoluten „Na, dann …“-Blick drauf, der nichts verät über ihre Emotion, bzw. ist ihre Emotion eine absolut gleichbleibende, egal, ob sie mit Pfeilen beschossen oder verfolgt wird oder mit dem Fluss mitgerissen. Erst später kommt dann ein wenig mehr Abwechslung in ihre Mimik aber anfangs war da wirklich wenig los.
Taren Egerton ist allerdings super – der hat einen Riesenspaß und auch wenn seine Figur nicht immer funktioniert und er halt auch immer dort ist, wo das Drehbuch ihn gerade braucht – egal wie unmöglich, sinnfrei oder unlgisch das ist. Also wenn Sasha drei Kilometer mit dem Fluss mitgerissen wird, dann watet Sasha an Land und natürlich wartet Ben dort. Oder sie klettert aus einer Höhle ins Freie und guckt mit dem Gucker durch die Gegend – wen erspäht sie da – natürlich Ben. Realistisch? Nein. Und natürlich ist er fünf Sekunden später in Schussnähe. Also da war ich zwei, drei Mal knapp vor dem Abschalten, weil es echt schon zäh war und die Spannung arg abgewürgt hat.
Das Finale hat für mich wieder viel gut gemacht (auch wenn es an sich nichts Besonderes ist), aber der Weg dahin war primär gut anzusehen, weil Theron einfach eine gute Figur macht, Egerton Spaß mal drei hat und die Optik der Gegend einfach super eingefangen wird. Aber um Logik darf man sich da nicht kümmern, sonst geht alles den Bach runter.
„Apex“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, trotz aller Logikschwächen und unlogischer, drehbuchtechnischer „Zufälligkeiten“ sehenswerte Punkte.

