Best Of Worst Case: Night Claws – Apex-Predator (Filmkritik)

Ja, es ist wieder soweit – Menschen werden im Wald zerfleischt, der Sheriff glaubt nicht an die Legend des Bigfoot, Forscher wollen nachsehen kommen, ob es ihn nicht doch gibt und gleichzeitig treiben einerseits eine Gruppe von Ferienlager-Leuten im Wald herum, die ein Survival-Training machen wollen, genauso wie eine seltsame Bande von Ex-Militär, die Jagd auf das Vieh machen und auch vor menschlichen Ködern nicht zurückschrecken.

Als der Sheriff dann einsieht, dass es letztlich egal ist, wer im Wald die Leute umlegt und allen verbietet ihn zu betreten, da machen sich die lustigen (saufenden) jungen Leute der Stadt natürlich auf, genau dort eine Party zu machen. Und dann beginnt die groß angelegte Suchaktion, der Sheriff ahoi voraus.

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Gleich vorweg – nachdem ich mich wirklich darüber gefreut habe, dass auf der Blu-Ray von „Night Claws“ statt einem Film gleich drei drauf waren („The Millennium Bug“ und „The Return Of The Killer Shrews“) – habe ich rasch festgestellt, dass „Night Claws“ der absolut schlechteste Film ist, den ich seit langem gesehen habe. Und ich sehe mir ja gerne Film an, die andere als „schlecht“ bezeichnen.

David A. Prior hat bereits bei über 30 Filmen das Drehbuch geschrieben und auch Regie geführt, deshalb finde ich es mehrfach überraschend, dass er auf ganzer Linie versagt hat. Das Drehbuch ist voll von Figuren, die durch die Bank unsympathisch sind und sogar die sympathischen werden im Laufe der Zeit unsympathisch (oder gehen ohnehin drauf). Da ging sehr viel schief.

Über die Schauspieler kann ich jetzt nicht mal viel sagen, denn sie sind einfach „nur“ vorhanden ohne groß aufzufallen. Reb Brown („The Howling 2“) als Sheriff wirkt, als ob er jede Zeile seiner Dialoge von einem Blatt abliest, Leilani Sarelles Make-Up versprüht mehr Charisma als ihr Schauspiel und Ted Brior als Survival-Teilnehmer ist vom ersten Moment an so unsympathisch, dass man sich wünscht, dass er einfach sehr rasch das filmische zeitliche segnet – dabei spielt er nicht einmal gut. Frank Stallone („Hudson Hawk“, „Tombstone“) ist der einzige, der seine fünf Minuten Leinwandpräsenz mit einer Portion Herz und spürbarer Gefahr verkörpert.

Ich weiß wirklich nicht, was sich die Leute, die diesen Film finanziert haben, dabei dachten. Okay, mit ein wenig Abstand und einer gehörigen Portion „Best Of Worst Case“-Affinität gibt es dann doch ein paar Sachen, die wunderbar gelungen sind – allerdings – und das markt man dem Film zu jeder Sekunde an – nicht absichtlich. David. A Prior scheint hier tatsächlich der Meinung zu sein, dass er einen tollen Film gemacht hat.

Nur, um es nochmals klarzustellen: Nein, hat er nicht.

Jetzt zu den unfreiwillig komischen Szenen:
Wenn der Sheriff seinen Kollegen erklärt, dass sie alle im Abstand von 30 Metern eine Linie bilden und den Wald absuchen – nur um kurz darauf gezeigt zu bekommen, wie alle in U-Form Schulter an Schulter durch den Wald stiefeln, dann ist das unfreiwillig witzig. Genauso wie die Szene als ein gefesselter Mann seiner nur halb gefesselten Frau (warum nur halb? Keine Ahnung) sagt, dass sie den Wachmann ablenken soll mit allen(!) möglichen Mitteln – dann tut sie das (die dumme Nuss) und als die Wache ihr erklärt, sie soll „auf die Knie“ gehen, um – naja, wird er von ihrem Mann (der sich natürlich befreien konnte) niedergeschlagen.

Aber er befreit sie nicht, weil sie „das ein wenig zu sehr genossen hat“. Was hat sie genossen? Der Typ hatte noch nicht einmal die Hose offen, geschweige denn, dass irgendetwas zwischen den beiden passiert ist. Ich verstehe ja den Inhalt des Gesprächs, aber da fehlt einfach was. Das ganze wirkt sowas von künstlich – würde plötzlich Indiana Jones auftauchen und eine Stepptanzeinlage liefern – es könnte nicht überraschender und seltsamer wirken.

Das sind jetzt nur mal zwei der Beispiele, die mir aktuell einfallen – der Film in Summe war aber voll davon. Wie gesagt – unfreiwillig lustig: Wenn man über sowas lachen kann, dann ist der Film ein Fest. Dazu kommen natürlich noch die klassischen „Oh mein Gott – so viel Blut!“-Momente, bei denen man sich unweigerlich fragt, wo das denn sein soll?
Von der „Party“ im Wald will ich jetzt nicht einmal anfangen – das war dermaßen missglückt … unglaublich. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Technisch betrachtet ist der Film auch nicht unbedingt allererste Sahne – in jeder Szene, die nachts spielt (und das sind einige) merkt man, dass eigentlich am Tag gedreht wurde und danach in der Postproduktion abgedunkelt, aber – und das ist das Tragische daran: Es ist viel zu dunkel. Da hätte man auch gleich zur richtigen Uhrzeit drehen können. Von unnatürlichem Lichteinfall einmal ganz abgesehen.

Dass da ein Mensch unter einem Kostüm steckt ist meiner Meinung nach ja sogar so etwas wie positiv und immer noch besser als ein schlechtes Monster aus CGI. Dass der Bigfoot etwas eigenartig und unfreiwillig witzig aussieht kann man da schon wieder verzeihen – immerhin hat sich jemand die Mühe gemacht ein Kostüm zu bauen.

Richtig macht der Film eigentlich überhaupt nichts. Das ist etwas, das ich selten über einen Film sage, sogar „Jurassic Shark“ hatte seine Momente. Um „Night Claws“ unterhaltsam zu finden, muss man sich schon im Vorfeld absolut darauf einstellen, völligen Käse aus schlecht geschriebenen/gespielten und gemachten Szenen vor sich zu haben. Dann, ja dann, kann man wirklich gut unterhalten werden.

Das Ende des Films, das einen oder zwei – je nachdem ob man aufgepasst hat – Twists zu bieten hat, ist wider Erwarten witzig und lässt natürlich Raum für eine Fortsetzung.

„Night Claws“ bekommt von mir 1,5 von 10 möglichen, auf allen Fronten unter dem Machbaren bleibende, Punkte.

Best-of-Worst-Case-Urteil (Trashfaktor: 8):
Wer Lust auf einen Film hat, der in allen Belangen unfreiwillig witzig ist und selbst Amateuren nichts beibringen kann (weder beim Drehbuchschreiben noch beim Schnitt, noch bei allem anderen), wird vermutlich Spaß an der Sache haben können. Ein grottiger Monsterfilm, der nur dadurch gerettet wird, dass auf der Blu-Ray noch weitere Filme drauf sind.

Fazit: Nur für Hartgesottene Z-Movie-Fans, alle die einen Hauch von Anspruch in ihren Filmen haben möchten – Großen Bogen machen. Ganz. Großen. Bogen.


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