Best Of Worst Case: Alien Predator War (Filmkritik)

Eigentlich ist Reinhard ja ein Held. Das wissen die Bewohner des Dorfes aber nicht, die ihn stellen und auch gleich des Kopfgeldes wegen umlegen wollen. Glück für ihn, dass plötzlich ein Komet über ihre Köpfe hinwegbraust und nicht weit entfernt in den Wald einschlägt, denn dadurch kann er entkommen.

Pech für ihn, dass der Komet ein Raumschiff war und ein darin gefangenes Alien freikommt, das gleich mal die Lage sondiert, ein paar Leute umlegt und einen Peilsender für die restliche Truppe aufstellen will. Wieder Glück für ihn, dass ein zweites Alien (das den Gefangenentransporter geflogen ist) gerade noch lebt und ihm das alles in zwei, drei Minuten Monolog erklären kann – also muss Reinhard die Welt retten!

Was er auch geschafft zu haben scheint, denn viele Jahre später wird die Forscherin Marina von ihrem Boss zu einem Top-Secret-Artifakt bestellt. Sie soll es mehr oder weniger bewachen, denn niemand weiß, was es damit auf sich hat … Neben der Fundstelle liegt ein Tagebuch. Das Tagebuch von Reinhard, dem Mann, der die Welt gerettet hat …

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Also gleich mal vorweg: Ich mag diesen Film. Er ist zwar alles andere als perfekt und auch keineswegs ein guter Film (die Aufnahme in die Best of Worst Case-Reihe sollte das eigentlich eh klarstellen), aber er hat das Herz definitiv am richtigen Fleck und macht gerade durch seine Fehler Spaß. Wobei Spaß es nicht so richtig trifft. Es ist eher eine Art „Ich weiß beim Ansehen, was die machen wollten, auch wenn sie es nicht geschafft haben“ und auch die nette Art und Weise, wie Budgetprobleme umschifft wurden, macht den Film sympathisch.

So merkt man zum Beispiel dem Film an, dass die Effekte alle billig gemacht sind, aber dafür, dass sie billig gemacht sind, sehen sie wirklich okay aus. Zugegeben, dass Monster hätte ein wenig eigenständiger sein können (Hallo Predator!), aber sehr viel mehr gibt es da nicht zu meckern. Was mir an „Alien Predator War“ oder „Alien Showdown: The Day The Old West Stood Still“ so gut gefällt, ist, dass es ein absoluter Amateurfilm sein könnte – und dadurch einen gewissen Charme versprüht, der einfach nett ist.

Auch die Zugeständnisse an die (vermutlich großteils männlichen Seher) fand ich zum Schmunzeln- so gibt es im Film zum Beispiel zwei Nacktszenen von wirklich ansehlichen Damen – eine davon ist zB Gemma Donato, die eigentlich Sängerin ist, die einen völlig unnötigen Auftritt im Film hat. Dafür darf sie nackt baden. Ist ja auch schön, nicht? Und die Forscherin Marina, verkörpert von Nadia Lanfranconi, wird von einem Alien besucht, dass sie berühren muss, damit die Gedanken übertragen werden können – das macht da Alien als die Dame (natürlich abgesehen vom Slip völlig unbekleidet) auf ihrer Couch schläft. Mit Decke. Diese Decke zieht das Alien von den Schultern bis zu den Füßen (während die Kamera parallel dazu mitgeht) runter, um die Frau an den Knöcheln(!) zu berühren. Hätte es da nicht einfach die Decke hochschlagen können? So viel zu „höherer Intelligenz“, hm? Oder die Aliens sind Voyeure, kann ja auch sein, nicht?

Wirklich witzig fand ich auch, als Robert Amstler (ein Stand-In Double für Schwarzenegger und mittlerweile auch Produzent und Schauspieler von und in Filmen wie diesen) gleich zu Beginn des Films einen Satz zu einer Frau sagt und mein erster Gedanke war, dass ich einen Film von Arnie von vor 30 Jahren erwischt habe – der extreme Akzent – Köstlich („Heid it wär its seef“)! Deshalb auch vielleicht gut, dass er den restlichen Film über so gut wie nichts mehr von sich gibt.

Schade dass der Schnitt teilweise misslungen ist und die Soundkulisse in einigen Szenen mehr Wucht vertragen hätte – auch vor Logik hat der Film jetzt keinen allzu großen Respekt, aber das kann man ja heutzutage fast keinem Film (Hallo, Skyfall! Hallo, The Dark Knight Rises!) mehr vorwerfen, also was solls?

Nadia Lanfranconi ist souverän ohne dabei gut oder schlecht zu sein und macht aus ihrer Minirolle keine Peinlichkeit, aber für „gutes Schauspiel“ bietet die Rolle auch keinen wirklichen Platz. Die Dame war mir bis dato genauso unbekannt wie Gemma Donato, hat aber immerhin bereits in ein paar Filmchen mitgespielt und wird das auch in naher Zukunft noch tun (drei sind in Vorbereitung), allerdings keine Filme, die man kennen müsste.

Alle anderen Schauspieler sind ohnehin unwichtig und kommen auch eher selten vor, als das man sie extra erwähnen müsste. Ein paar nette Faustkämpfe gibt es dann noch und ein Finale, das klar war, das kommen wird – natürlich auch ein Faustkampf und eine letzte Patrone! Die Ähnlichkeiten zu „Predator“ beziehen sich letztendlich nur auf das Design des Monsters (in einer – wie erwähnt – billigen Variante) und mit Alien hat die ganze Chose überhaupt nichts am Hut. Ohne jetzt großartig gemein sein zu wollen oder seltsam zu klingen – mir hat er besser gefallen als „Cowboys & Aliens“ – einfach deshalb, weil ich keine Erwartungen hatte und diese erfüllt wurden. Anders als beim eben erwähnten „C&A„, bei welchem ich dann doch ein paar Mal ob der „unerwarteten Plot-Twists“ (gähn) maximal milde lächeln musste und mein Blick zur Uhr wanderte.

„Alien Predator War“ oder auch „Alien Showdown – The Day The Old West Stood Still“ ist ein netter kleiner, Low-Budget-Streifen, der mit dem wenigen Budget einen brauchbaren Film hinlegt, der zwar mit wenig Aufwand eine ganze Ecke besser gemacht hätte werden können, aber auch so bietet er Futter fürs Auge und eine durchaus unterhaltsame (trashige) Mischung aus Wild West Flair und Alien-Film.

„Alien Predator War“ bekommt von mir 3 von 10 möglichen, die Low-Budget-Fraktion mit Nacktheit, Action und Logiklöchern bedienende, Punkte

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: 6,5):
Grundlos nackte Frauen, ein Alien, dass aussieht wie frisch vom Jahrmarkt geklaut und eine Handlung, die versucht episch zu sein, aber an allen Fronten scheitert. Wunderbar durchgeknallt und sogar für nicht Trashfans zum Teil unterhaltsam.

Fazit: Grundsätzlich völlig okay, sofern man sich bewusst einen Trashfilm ansehen will.


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