Gallowwalkers (Filmkritik)

Aman (Wesley Snipes) ist ein begnadeter Schütze. Wann immer er auf Schurken aller Arten trifft, beseitigt er diese auf möglichst effiziente Art und Weise. Blöd ist dabei nur, dass er verflucht ist und jedes seiner Opfer als untotes Wesen wieder zurückkehrt. Da einer seiner ersten Opfer, der Banditenboss Kansa (Kevin Howarth), eine immer weiter wachsende Armee aus dämonischen Zombies um sich schart, wird es Zeit für Aman, schnell zu handeln.

Der junge Revolverheld Fabulos (Riley Smith) scheint die richtige Wahl zu sein, um sämtliche Bösewichte endgültig zu vernichten, ohne über deren mögliche Rückkehr nachdenken zu müssen. Natürlich ist die Sache nicht so einfach wie man zunächst glauben könnte und somit läuft alles auf ein blutiges, in Rachegedanken getränktes Finale zwischen Aman und Kansa hinaus.

Gallowwalkers

Da ist er nun also endlich, der dritte Film von Regisseur Andrew Goth. Schon im Jahr 2005 damals noch mit Chow Yun-fat in der Hauptrolle, sollte dieser Film das Licht der Welt erblicken, doch erst als sich Wesley Snipes an dem Projekt interessiert zeigte, wurden die Ideen endlich konkret. Während den Dreharbeiten in Namibia wurden Snipes Probleme mit der Steuerfahndung aber immer größer, der Film konnte aber dank einer „Fertigstellungsverspflichtung“ noch zu einem Ende gebracht werden.

Snipes kam kurz darauf für drei Jahre wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis und es scheint fast so, als hätte man mit dem Filmverleih auf ihn gewartet. Hat sich das lange Warten nun eigentlich gelohnt? Für mich ein klarer Fall von „viel Lärm um Nichts“, denn wäre der Hauptdarsteller nicht in die Medien und danach in den Knast gewandert, wäre dies einfach nur ein weiterer wenig beachteter B-Film gewesen, der Snipes treue Fans bedient und ihn somit endgültig weg vom Kino, hin zum Heimkino-King geführt hätte, wie es etwa bei Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme schon zuvor der Fall war. Ironischerweise ist Snipes erster Film nach seiner Haftstrafe nächstes Jahr „Expendables 3“, womit es mit den vorigen Teilen auch Lundgren und Van Damme wieder ins Kino geschafft hatten.

Über „Gallowwalkers“ gibt es aber durchaus auch gutes zu berichten. Die Atmosphäre passt, kommt schön klassisch daher, man fühlt sich sofort an Westernfilme erinnert, bevor noch der erste Schuss gefallen ist. Die Landschaft ist wunderschön und erzeugt in ihrer Weite dieses verlorene Gefühl, dass unserem einsamen Antihelden so gut entspricht.

Auch einige der Actionszenen können sich sehen lassen, doch bei den meisten kommt mir irgendwie vor, als wäre hier im falschen Moment geschnitten worden, so dass man die Übersicht schnell verliert. Außerdem geht so die Flüssigkeit verloren und man wird aus dem Geschehen herausgeworfen statt wie es erwünscht gewesen wäre, von den zahlreichen Kämpfen hineingezogen zu werden.

Was gar nicht geht sind die coolen Szenen, bei denen vor allem Snipes (Game of Death) auf ganzer Linie versagt. Die Kleidung, die langen Haare, der weisse Bart, die leeren Blicke, das lass ich mir ja alles noch einreden. Aber diese viel zu zwanghaft übercoole Stimme, die eindeutig an die Erfolge seiner „Blade-Trilogie“ anknüpfen möchte, die war einfach nur lächerlich. Auch die nicht vorhandene Mimik macht ihn nicht gerade sympathischer, genau so wenig wie seine Überheblichkeit. Ich glaube das war einfach seine Reaktion auf seine kommende Strafe im wahren Leben, darum reagiert er hier auf alles so, als wäre es ihm egal, weil er ja im Prinzip ganz andere Probleme hat.

Da bringt auch ein überzeugend schleimiger Kevin Howarth (The Seasoning House) wenig, obwohl sein Make-Up wirklich gelungen ist und er seine leicht überdrehte Performance sichtlich genießt. Genau wie der Rest seiner Truppe übrigens, von seiner Lieblings-Untoten-Prostituierten angefangen, über den Kerl mit der Tierhaut auf dem Kopf und die Typen mit den zusammengenähten Lippen bis hin zu dem Hünen mit dem Metalltopf und den Stacheln auf dem Kopf. Alle haben ihre Momente, keiner hat aber auch nur den Hauch einer Persönlichkeit was dann aber wieder egal wird, da sie sowieso für einen kurzen „Show-Off“ Moment von Snipes und Co. wieder verheizt werden. Einziger Lichtblick, wenn auch nur auf ihren Akzent und ihre Optik bezogen, ist Tanit Phoenix (Death Race 2 & 3) als kämpferische Tänzerin.

Gewöhnungsbedürftig sind auch die CGI-Effekte, die die Szenen, in denen unser Antiheld seinen Feinden den Kopf samt der Wirbelsäule aus dem Körper reisst, etwas zu unecht um nicht zu sagen lächerlich erscheinen lassen. Und überhaupt, warum macht er das nicht gleich mit allen seinen Feinden, damit sie nicht wieder zurückkommen? Und wenn schon Hilfe holen, warum dann nur einen Kerl, dessen Überlebenschancen gleich Null sind? Puh, mit einer Aufzählung der in diesem konkreten Fall eher doch schmerzenden Ansammlung von geballter Unlogik, fang ich lieber erst gar nicht an.

Was bleibt ist ein durch einige verschenkte Szenen/Charaktere und ein paar Dummheiten gebremster Spassfilm für Action/Horror und Westernfreunde, der zwar keinen der eben genannten richtig befriedigen kann, doch wenigstens kommen Snipes Fans auch nicht wirklich auf ihre Kosten. Klingt unlogisch? Schaut euch den Film an, dann wisst ihr dass das sehr gut zusammenpasst.

„Gallowwalkers“ bekommt von mir 4,5/10 stoische, zwanghaft übercoole Empfehlungspunkte.


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