The Dark Knight Rises (Filmkritik)

Batman hat sich aus der Öffentlichkeit zurück gezogen, doch auch in seiner Abwesenheit verringert sich die Kriminalitätsrate in Gotham, vor allem durch die Gesetze des als Helden verehrten Harvey Dent (Aaron Eckhart). Bruce Wayne (Christian Bale) ist nur noch ein Schatten seiner Selbst, zutiefst getroffen vom Tod Rachel Dawes wird er zum Einsiedler, humpelt und interessiert sich herzlich wenig für sein Leben und seine Firma. Doch dann tritt mit Bane (Tom Hardy) ein Gegner auf den Spielplan, der vor allem ein Ziel verfolgt: Batman aus dem Schatten zu locken um ihn dann leiden zu sehen, doch nicht durch körperliche Folter, nein, er will ihn seelisch brechen. Und wie wäre das besser zu erreichen, als dadurch, Chaos, Angst und Schrecken in Gotham zu verbreiten. Somit tritt Batman wohl oder übel einem Widersacher entgegen, der ihm ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen ist. Doch er hat eine neue Verbündete, Selina Kyle (Anne Hathaway), die des nächtens als Katzenfrau ihr Unwesen treibt…

Nach 4 Jahren Bildschirmabstinenz ist der dunkle Rächer wieder zurück auf der großen Leinwand. Der Hype, der diesen Film schon im Vorfeld begleitet hat, macht es natürlich schwer solchen Erwartungen gerecht zu werden, wenngleich ich meine, dass es Nolan geschafft hat, sein Publikum sehr zufrieden zu stellen. Er bringt die Trilogie zu einem gelungenen runden Abschluss, wenngleich der Film selber kein ganz so rundes Meisterwerk darstellt. Immer wieder werden Geschehnisse der vorherigen Filme rekapituliert und man fühlt sich dazu verleitet zu sagen, jaja, wissen wir eh schon, weiter geht’s im Text. Doch auch wenn der Film mit seinen 164 Minuten eine satte Länge aufweist, war ich an keinem Punkt verleitet auf die Uhr zu sehen.

Nolan trifft die mutige Entscheidung seinen titelgebenden Helden über weite Strecken mit Abwesenheit glänzen zu lassen und stellenweise hat man das Gefühl, dass Joseph Gordon-Levitt (“Inception“) die Hauptrolle inne hat. Nolan sorgt wieder einmal für atmosphärische Bilder eines düsteren Gothams, alles unterlegt mit dem bombastischen Soundtrack von Hans Zimmer. Der Action-Fan kommt voll auf seine Kosten. Doch an manchen Stellen wirkt der Film unnötig überladen, so wirkt in etwa die Rolle des Deputy Commissioners Foley (Matthew Modine – “Weeds”) irgendwie unnötig (und man ahnt von Anfang an was mit ihm passieren wird) und es wird zum Beispiel der Unterhaltung von 2 Börsenmaklern gefolgt, die zugeben, einen Münzwurf bei ihrer Arbeit entscheiden zu lassen.

Im Film sind 8 Jahre seit den Ereignissen von “The Dark Knight” vergangen. Damals traf Batman die Entscheidung die Schuld für Harvey Dents Verbrechen auf sich zu nehmen und dafür zum Geächteten zu werden. Doch Harvey Dent hat Gotham etwas wichtiges hinterlassen, eine rigorose Gesetzesreform, die die Straßen von Gotham gesäubert und die Kriminalitätsrate drastisch gesenkt hat. Dent bekommt seinen eigenen Feiertag, etwas das Commissioner Gordon (Gary Oldman – “Dame, König, As, Spion“) übel aufstößt, denn jedes Jahr muss er eine Rede zu Gedenken an den Mann halten, der beinahe seinen Sohn getötet hat. Infolgedessen hängt Wayne sein Cape an den Nagel und wird zum Einsiedler, mit seinem Butler Alfred als einzigen Kontakt zur Außenwelt. Erst die Begegnung mit Selina Kyle weckt alte Lebensgeister. Als Bane Gotham ins Chaos stürzt, wird es Zeit für Batman wieder in Aktion zu treten, wieder zum Dark Knight zu werden. Doch darauf hat Bane nur gewartet.

Tom Hardy (“Das gibt Ärger“, “Inception“) als Bane ist die ultimative Herausforderung für Batman. Ruchlos nimmt er es in Kauf, eine ganze Stadt für seine Sache in die Luft zu sprengen. Er ist ein Monster und wo der Joker mit Finesse überzeugte, überzeugt Hardy durch rohe Muskelkraft. Bane setzt am liebsten seine Fäuste als Waffen ein und so sieht man wie Genicke brechen, Kehlen zugedrückt werden oder Menschen mit einem wohlgezielten Faustschlag zerschmettert werden. Während Heath Ledger als Joker sein gesamtes Repertoire an Schauspielkunst aufbot und sämtliche Register zog, wirkt Hardy fast starr und emotionslos, wenngleich es ihm durch die Maske auch schwer gemacht wird Emotionen zu zeigen. Leider wird seine Stimme ziemlich verschandelt und man fühlt sich stark an Darth Vader erinnert und man wartet beinahe darauf „Luke, ich bin dein Vater“ aus seinem Mund zu hören. Durch die verzerrte Stimme tut man sich an manchen Stellen mit dem Verstehen ein wenig schwer, wobei ich nur für die OV sprechen kann.

Bane wirkt als Auslöser für den eigentlichen Konflikt den Bruce Wayne mit sich selber austrägt. Bruce braucht Batman für sein eigenes Wohl, ohne Batman ist er nur ein Schatten seiner selbst, ist zum Einsiedler geworden, hat sich von seiner Umwelt abgekapselt. Hager, mit angegrauten Haaren und humpelnd wirkt Christian Bale (“Prestige”, “The Fighter“) kaum beeindruckend und erinnert mit seinen tiefen Augenringen optisch an seine Performance in „The Machinist“. Fast schon unglaubwürdig wirkt es, dass sich hinter dem zauseligen Erscheinungsbild nach wie vor die Muskelpakete befinden, die man schon in den ersten beiden Teilen in Action gesehen hat. Erst als Wayne sich wieder in die Fledermaus verwandelt, verändert sich sein Erscheinungsbild. Voilà, Auftritt des geschniegelten Waynes, wie man ihn aus den anderen Filmen kennt.

Als Love Interest für Bruce Wayne sorgen diesmal gleich 2 Neuzugänge. Auf der einen Seite Marion Cotillard („Inception“) als reiche Philantropin Miranda Tate und auf der anderen Seite Anne Hathaway („Der Teufel trägt Prada”) als smarte, in mehr als einer Hinsicht schlagfertige, Catwoman. Nie hätte ich Hathaway die Eleganz und berechnende Weiblichkeit die für die Rolle der Catwoman nötig ist zugetraut, dafür hat sie in ihren vorherigen Filmen zu oft das nette Mädchen gespielt, so war ich angenehm von ihrer Performance überrascht. Garanten für sehr gute Performances sind eh die üblichen Verdächtigen wie Morgan Freeman und Gary Oldman.

Herausragend war Michael Caine (“Harry Brown“) als Ersatzvater und Butler von Bruce Wayne, der es mit seiner Performance schaffte, mich zu Tränen zu rühren. Joseph Gordon-Levitt als hitzköpfiger, besserwisserischer Polizist John Blake ergänzt das Ensemble sehr gut, wenngleich es auch ein wenig unrealistisch erscheint, dass ein Mann klüger ist, als die gesamte Polizeielite Gothams. Aber vielleicht haben die auch keine hohen Anforderungen, wer weiß? Man trifft auch alte Bekannte in kleinen Nebenrollen wieder, wie etwa Liam Neeson (“Taken“) als Ra’s Al Gul und Cillian Murphy (“Inception“) als Scarecrow, der über die Reichen als eine Art Richter Urteile verhängt. Ich hoffe ich habe niemanden vergessen, was bei dieser Fülle an Schauspielern aber auch kein Wunder wäre.

Für das Drehbuch zeichnen sich wie schon bei den ersten beiden Teilen das Geschwisterpaar Jonathan und Christopher Nolan sowie David S. Goyer (Blade) verantwortlich. Das Trio hat es sich mit den vielen Charakteren im Film nicht wirklich leicht gemacht und so hat man das Gefühl, dass so mancher ein wenig zu kurz kommt. Action und Verfolgungsjagden findet man satt, wenngleich der Wow-Effekt ausbleibt. Optisch genial, aber schon mal irgendwo gesehen halt. Mit einem neuen Gegner verändert sich auch die Darstellung der Kämpfe, so sind diesmal keine hektischen Schnitte zu finden, die es dem Zuseher schwer machen dem Geschehen zu folgen, vielmehr kann man bis zur Perfektion durch choreografierte Kämpfe bewundern. Weiters stellen sie Batman ein neues Spielzeug zur Verfügung, „The Bat“ (ja die gibt’s auch in Schwarz!), das für einige gute Action-Sequenzen sorgt.

Fazit: Auch Nolan kocht nur mit Wasser und schafft es mit diesem Film nicht wirklich die ersten beiden Teile zu toppen. Alles in allem ein würdiger Abschluss der Filmreihe, wenngleich das Ende auch vermuten lässt, dass da noch ein Hintertürchen für mehr offen ist.

The Dark Knight Rises bekommt von mir 7/10 monochrome Empfehlungspunkte.


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