Dame, König, As, Spion – Tinker Tailor Soldier Spy (Filmkritik)

Im Jahre 1973 wird der britische Geheimdienst von einem Maulwurf infiltriert. Da eine diesbezügliche Undercover-Operation scheitert und ein Agent erschossen wird, muss eine andere Lösung des Problems gefunden werden. Der eigentlich pensionierte Meisterspion George Smiley (Gary Oldman) wird daher reaktiviert, um den Doppelagenten zu finden.

Tinker Tailor Soldier Spy Film Gary Oldman

Irgendwie scheint es als wären Literaturverfilmungen im Moment gerade in Mode. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Spionage-Autoren John le Carré aus dem Jahre 1974. Inszeniert wurde das Ganze aber nicht von einem Briten, sondern von dem Schweden Tomas Alfredson, der hier auch gleich seinen ersten englischsprachigen Film abliefert.

Das Ergebnis ist, je nach Betrachtungsweise, entweder ein Paradebeispiel für die gelungene Umsetzung einer Literaturverfilmung, oder aber ein anstrengender Film. Was erst einmal eigenartig klingt, hat seinen Ursprung in der Art wie hier der Stoff verfilmt wurde. Während man in einem Buch genügend Zeit hat um seine Geschichte in allen Einzelheiten zu erzählen, sind den Machern in einem Film auf Grund der möglichen Länge Grenzen gesetzt.

Und genau dieses Problem konnte der Film nicht ganz zur Zufriedenheit lösen. Einerseits wurde offensichtlich ganz penibel darauf Wert gelegt, die Geschichte mit allen Feinheiten so zu inszenieren, und zwar so wie sie auch im Buch zu finden sind (das ich übrigens nicht gelesen habe) und schafft es dadurch eine unglaubliche Stimmung entstehen zu lassen. Auf der anderen Seite wird der Film dadurch derart komplex, dass es vorkommen kann, dass sich ein Zuschauer den Film sich ein zweites Mal anschauen muss, um ihn vollständig verstanden zu haben.

Optisch hat man es perfekt verstanden das Flair der 70er einzufangen. Alles, von den Settings bis zu den Frisuren der Darsteller, wirkt authentisch und verleiht dem Film seinen ganz besonderen Flair. Es gibt weder eine Hochglanzoptik, noch teure Spezialeffekte, was in diesem Fall wahrscheinlich auch kontraproduktiv gewesen wäre. Dass der Film ohne Action auskommt und dennoch auf seine eigene Art unheimlich spannend ist, versteht sich dann wie von selbst.

Gary Oldman (The Book of Eli) wird meiner Meinung nach oft unterschätzt, ist jedoch einer der wandlungsfähigsten Schauspieler überhaupt. Zwar wird er nach wie vor gerne auf seine Bösewicht-Rollen reduziert, dennoch konnte er schon das eine oder andere Mal beweisen, was schauspielerisch noch so alles in ihm steckt. Seine Rolle als George Smiley füllt er perfekt aus – umso verwunderlicher ist es, dass er sie angeblich aus Angst überfordert zu sein wieder zurückgeben wollte.

So gut Oldman in der Rolle des gealterten Meisterspions auch ist, seine Kollegen stehen ihm um kein bisschen nach. Colin Firth (The King’s Speech), Tom Hardy (Bronson), Mark Strong (Sherlock Holmes), Ciarán Hinds (The Rite) und auch alle anderen machen ihre Sache so dermaßen gut, dass ich mich fragen muss, wann ich zuletzt einen so perfekten Cast in einem Film gesehen habe.

Dame, König, As, Spion ist der perfekte Verschwörungsfilm, setzt aber einen intelligenten und vor allem aufmerksamen Zuschauer voraus. Die Tatsache vorausgesetzt, dass man die Geschichte grundsätzlich interessant findet und auf Action gerne auch einmal verzichtet, kann ich den Film unbedingt empfehlen.

Der Film bekommt von mir 8/10 verworren verschwörende Empfehlungspunkte.


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