The Kings Speech (Filmkritik)

In England, kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges, ist George IV (Colin Firth) nach dem Tod seines Vaters und dem Verzicht seines Bruders auf den Thron der nächste König von England. Seine Begeisterung hält sich aber in Grenzen, da auf Grund eines Sprachfehlers – er stottert – Probleme mit öffentlichen Auftritten hat. Seine Frau Elisabeth (Helena Bonham Carter) versucht ihrem Mann zu helfen und findet schließlich den Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush), dessen Methoden mehr als nur unkonventionell sind.

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Meiner Erfahrung nach macht die Tatsache, dass ein Film auf einer wahren Geschichte beruht, ihn nicht automatisch sehenswert. Andererseits wurde der Film mit Oscar-Nominierungen regelrecht überschüttet und konnte sich in einigen wichtigen Kategorien gegen die Konkurrenz durchsetzen – unter anderem gewann der Film den warscheinlich wichtigesten Oscar für den Film des Jahres.

Dabei handelt der Film „nur“ von einem Adeligen in Therapie und schafft es trotzdem, ganz ohne Schadenfreude von Seiten der Zuschauer einer der amüsantesten seit langem zu sein. Das hängt in erster Linie damit zusammen, das der zuständige Therapeut offensichtlich keine Lust hat „seine königliche Hoheit“ mit Samthandschuhen anzufassen und ihm schon bei der ersten Sitzung das „du“ anbietet.

Dabei wirkt er nicht respektlos, holt seinen Klienten aber auf direkte Weise aus seinem goldenen Käfig auf den Boden der Tatsachen. Der Film funktioniert perfekt durch und mit seinen beiden Protagonisten, die unterschiedlicher kaum angelegt sein könnten. Meiner Meinung nach hätten eigentlich beide Hauptdarsteller den Oscar verdient, zu guter Letzt hat es aber nur für Colin Firth gereicht.

Der hat sich diese Auszeichnung mehr als nur verdient. In seiner Rolle als König George vermittelt er die noble und starke Erscheinung eines englischen Adligen, der aber mit seinen Selbstzweifeln fertig werden muss, um sich seiner Verantwortung stellen zu können. Dabei ist jedes gesprochene Wort – sei es nun in der Öffentlichkeit oder nicht – ein Kampf, den er zum Glück nicht alleine bestehen muss.

Geoffrey Rush hat in der Rolle von Lionel Logue zwei Dinge bewiesen: Erstens ist er ein leidenschaftlicher Schauspieler und zweitens, auch wenn man als Zuschauer natürlich nicht weiß wie viel hier tatsächlich gespielt war, ist er ein ziemlich schräger Vogel. Die Art, wie er sein Gegenüber auf eine neckische Art und Weise regelrecht provoziert ist sehr unterhaltsam ohne jemals stillos zu wirken.

Dabei sind es nicht nur die beiden Hauptdarsteller allein, die den Film so sehenswert machen. Zwar gehört ihnen der Film beinahe alleine, dennoch wurden zahlreiche Nebenrollen mit wirklich guten Schauspielern besetzt, wobei es zu lange dauern würde wirklich alle zu erwähnen. Einzig Helena Bonham Carter bekommt vom Film etwas mehr Aufmerksamkeit, bleibt aber wie es sich für eine Königsgattin gehört, bescheiden im Hintergrund.

Die Dialoge sind sehr gut, und das Timing sitzt perfekt – wobei die englische OV Pflicht ist. Selten war ein Film über die britische Monarchie „so amusing“. Große Überraschungen braucht man sich allerdings nicht erwarten, da der Film seine Geschichte sehr geradlinig erzählt – was aber nicht unbedingt ein Minus-Punkt sein muss.

The King’s Speech bekommt von mir 9/10 königlich amüsante Empfehlungspunkte.


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