Good Day For it (Filmkritik)

15 Jahre lebte Luke Cain (Robert Patrick) im Untergrund, da er von seinem früheren Verbrecherboss Lyle (Lance Henriksen) Geld für seine todkranke Tochter Emily (Mika Boorem) gestohlen hatte, um ihre Operationen bezahlen zu können. Auch wenn ihn seine Ehefrau Sarah (Samantha Mathis) wohl nie wieder sehen will, da er ihr die wahren Beweggründe für sein Verschwinden nie erzählt hatte um sie und Emily zu schützen, ist es für Luke nun doch an der Zeit, die Tochter – deren fast gesamte Kindheit er völlig verpasst hatte – endlich zu treffen.

Blöd nur, dass in dem als Treffpunkt gewählten Lokal ausgerechnet drei Handlanger von Lyle vorbeischauen um einen Kaffee zu kaufen und einer von ihnen Luke wieder dabei wiedererkennt. Aus dem psychisch anstrengenden Wiedersehen könnte somit schnell ein Nachmittag voll mit physischen Schmerzen werden.

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Keine Ahnung wie diese lange Pause zu Stande kam aber dies ist nach zwölf Jahren Pause erst der dritte Film von Regisseur Nick Stagliano, der sich nun mit diesem kleinen aber sehr feinen Familiendrama mit Thrillerelementen zurückmeldet. Punkten kann der Film dabei nicht nur mit den großartigen bis in die Nebenrollen prominent besetzten Darstellern, sondern vor allem auch durch die ziemlich menschlich und echt wirkende Interaktion zwischen den positiven Personen und die steigende Spannung durch die drohende Eskalation der Situation durch die nahende Ankunft der Antagonisten.

Ich meine dies ist im Prinzip ein Film, der die meiste Zeit über in einem Lokal spielt, in dem ein Vater ein Gespräch mit seiner Tochter führt. Der Vater bereut seine damalige Fehlentscheidung, die ihm die Trennung von seiner geliebten Familie gekostet hatte, doch sicherlich nicht, damit seine Tochter gerettet zu haben. Im Gegensatz zu diesen emotional interessanten und glaubwürdig gespielten Szenen steht die kurze Sequenz, in der mit voller Härte und Kälte zumindestens angedeutet die Grausamkeit des bestohlenen Gangsters und seiner Männer gezeigt wird.

Echt toll ist hier vor allem Robert Patrick als furchtbar traurig aussehender Einzelgänger, dem man die Liebe zu seiner Tochter bei jeder Einstellung ansieht und der den gesamten Film über beweist, dass er trotz seiner Flucht alles andere als ein Feigling ist. Solche Rollen braucht Patrick wirklich öfters, hier kann er richtig zeigen, was er so alles drauf hat. Perfekt ergänzt wird seine Performance durch Samantha Mathis als seine resolute Ehefrau und fürsorgliche Mutter und Mika Boorem als die mit der Situation überforderte aber trotzdem mutig voraus eilende Tochter.

Auf der Gegenseite glänzt Lance Henriksen als eiskalter Mistkerl mit krankem Ehrenkodex, dessen Blicke schon mal für Gänsehaut auf so manchem Rücken sorgen können. Seine Truppe besteht aus „Freddy“ Robert Englund, der schleimig und abstossend daherkommt so wie der als Bösewicht immer richtig besetzte Richard Brake und der aus der Serie „Leverage“ bekannte Christian Kane als gewaltgeiler Prolet. „Colonel Sheppard“ aus „Stargate Atlantis“ Joe Flanigan ist als der der Situation nicht ganz gewachsene aber am Ende über sich hinaus wachsende Deputy Brady mit dabei, als Lokalbesitzer und Kellnerin sorgen die Altstars Hal Holbrook und Kathy Baker für Herzlichkeit und etwas zu gut gemeinte Ratschläge.

Ohne Action bis auf die letzten fünf Minuten entsteht so eine leicht kammerspielartige Spannungskurve, ohne jegliche Effekthascherei oder künstlich herbeigeführten und somit konstruiert wirkenden Überraschungen. Allein die Tatsache, dass man anfangs nicht weiß ob Robert Patrick nur ein kranker Typ ist, der sich über das Internet mit einem minderjährigen Mädchen verabredet hat, sorgt schon zu Beginn für ein ungutes Gefühl. So saugt man die darauf folgenden herzlichen Szenen förmlich auf, bleibt dabei aber immer wachsam. Die Gefahr könnte eben schon hinter der nächsten Ecke lauern.

Insgesamt für mich ein angenehm ruhiger, toll gespielter und sehr spannender Film, bei dem man am Ende sich eigentlich nur eines wünscht: dass diese Familie überlebt und sich irgendwie wieder zusammenraufen wird. Wer Action oder ständige Gewalteskapaden erwartet, auf Grund der genreerprobten Hauptdarsteller, der ist hier leider völlig fehl am Platz und das ist gut so.

Good Day For it bekommt von mir 8/10 menschlich immer nachvollziehbar bleibende Empfehlungspunkte.


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