Stirb langsam 5: Ein guter Tag zum Sterben – A Good Day to Die Hard (Filmkritik)

John McClane (Bruce Willis) hat eine neue Mission. Nachdem er zuletzt seine Tochter (Mary Elizabeth Winstead) retten musste, muss er sich nun um seinen Sohn Jack (Jai Courtney) kümmern. Dieser steht in Moskau vor Gericht und John sieht sich trotz jahrelanger Funkstille zwischen ihnen genötigt, seinem Sohnemann zu helfen. Doch kurz nach seiner Ankunft erfolgt während der Gerichtsverhandlung ein Bombenanschlag, der dem ebenfalls angeklagten Russen Komarov (Sebastian Koch) gilt. Dieser soll angeblich über Informationen verfügen, die die illegalen Verstrickungen des korrupten Politikers Chagarin (Sergei Kolesnikov) in diverse Straftaten beweisen. John und Jack, der eigentlich für die CIA arbeitet, arbeiten daher zusammen und retten Komarov vor Chagarins Bluthunden und ziehen dabei eine Schneise der Verwüstung quer durch Moskau.

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Schon zum 5. Mal stirbt John McClane langsam und lässt es dabei in Russland so richtig krachen. 25 Jahre nach seinem ersten Dienstantritt (1988) rettet John nicht nur Amerika, sondern auch seinen Sohn Jack. Doch was im ersten Film noch kreativ war und im Vorbeigehen mehr oder weniger ein eigenes Genre erschuf, will beim 5. Anlauf nicht mehr so wirklich funktionieren. Nachdem John zuerst ein Hochhaus, dann einen Flughafen, New York und schließlich ganz Amerika vor der sicheren Zerstörung gerettet hat, wird es scheinbar Zeit, sein Tätigkeitsfeld auf Russland auszuweiten.

Und das passiert natürlich mit ordentlich Karacho. Denn es ist schon lange her, seit ich einen Film gesehen habe, bei dem mehr Autos als Menschen dran glauben mussten und das will schon was heißen. Regisseur John Moore, der schon bei „Max Payne“ zeigte, dass optische Schauwerte auf seiner To-do-Liste weit vor der Handlung stehen, bleibt sich in dieser Hinsicht auch hier treu. Wobei es ohnehin besser ist, nicht zuviel Augenmerk auf die Handlung zu legen, denn hier kommt Logik nur in homöopathischen Dosen vor. Negativ fiel mir die Wackelkamera auf, die vor allem bei Szenen, in der die Hauptcharaktere in Großaufnahme zu sehen sind, stümperhaft wirkt.

Moore schafft es, innerhalb von 97 Minuten Laufzeit so viele Gebäude dem Erdboden gleich zu machen, Autos zu schrotten, Menschen zu erschießen oder durch eine der ersten beiden Möglichkeiten zu killen, dass man ihm dafür schon fast Respekt zollen muss. Der Schluss hatte für mich einen bitteren Beigeschmack, denn für mich grenzte es schon an Geschmacklosigkeit, wohin der Schauplatz des Endkampfes verlegt wurde. Gott sei Dank gibt es jetzt eine neue Möglichkeit Radioaktivität zu neutralisieren, die sich von einem Raum anscheinend wie eine Seuche auf ein ganzes Gebäude ausbreitet, denn Strahlenschutzkleidung ist nur etwas für Pussys.

Um das Franchise auch ohne Willis fortsetzen zu können (wobei dieser Interesse für einen 6. Teil bekundet hat), stellt man Johns Sohn Jack vor, der nach einer ohnehin schon problematischen Jugend wieder einmal in Schwierigkeiten zu stecken scheint. Der Australier Jai Courtney („Jack Reacher“) spielt eben diesen Sohn und wirkt dabei fast schon wie ein Abziehbild seines Film-Vaters. Stellenweise fehlt ihm ein wenig die Chemie mit Willis, doch laut Drehbuch mögen sich die Beiden ja auch nicht wirklich.

Durch den ersten „Stirb langsam“ wurde Bruce Willis zu einem Action-Star und hat seitdem neben der Stirb langsam-Reihe auch in Perlen wie „Das fünfte Element“ und „Sixth Sense“ mitgespielt. Doch hier hat Bruce Willis, zumindest meiner Ansicht nach, so alt wie noch nie in einem Film ausgesehen. Er hat trotzdem noch die Kondition von vor 25 Jahren und schüttelt es mal mit einem Schulterzucken ab, wenn sich sein Auto samt ihm 5 Mal überschlägt. Willis ist und bleibt halt ein harter Hund und macht hier, was schon bei den voherigen Teilen der Reihe für Erfolg sorgte. Für Action sorgen und zur Auflockerung ein paar markige One-Liner zum Besten geben. Wobei, eigentlich müsste man den Film für jedes Mal, wenn McClane „I’m on vacation“ sagt, einen Punkt abziehen, denn nach dem ersten oder spätestens dem zweiten Mal wird’s lächerlich. Doch dann könntens fast schon Minus-Punkte werden.

Der deutsche Sebastian Koch (Unknown Identity)als russischer Flüchtling Komarov, der der eigentliche Grund für die ganzen Schießereien und Verfolgungsjagden ist, war eines der Highlights des Filmes, denn er schaffte es schon, nur durch seine Körperhaltung mehr zu sagen, als Kristen Stewart (Twilight) in einem ganzen Film. Durch seine Figur erhält der Film letzten Endes doch noch ein wenig Sinn, Handlung und ein Mehr an Klasse.

Ansonsten gibt es eigentlich kaum nennenswerte Schauspieler, da die meisten ohnehin nur als Kanonenfutter dienen. Sowohl Sergei Kolesnikov als anfangs groß angekündigter Überbösewicht, Yuliya Snigir als Tochter von Komarov, sowie Radivoje Bukvic als Karotten essender Killer blieben so blass, dass ich mir keinen einzigen ihrer Film-Namen merkte.

Fazit: Im Prinzip ist „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ eine Aneinanderreihung von Autostunts, nur unterbrochen von Schusswechseln und einigen Faustkämpfen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass er einfach Spaß macht. Wer braucht schon eine vollkommen logische Story wenn man Bruce Willis mit einer Knarre hat?

Dieser Film bekommt von mir 7/10 nicht tot zu kriegende Punkte.


Ein Gedanke zu „Stirb langsam 5: Ein guter Tag zum Sterben – A Good Day to Die Hard (Filmkritik)

  1. Ja, wir sind uns einig. Der Film ist zwar grenzdebil, aber Spaß machts halt. Hin und wieder brauch ich eben auch ein bisschen KrachBummBäng…
    Ich finde auch gar nicht – was ich woanders jetzt mehrfach gelesen habe – dass Bruce Willis lustlos gewirkt hat in dem Film.

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