Cold Pursuit – Hard Powder (Filmkritik)

Nels Coxman (Liam Neeson) führt ein ruhiges Leben als Schneepflug-Fahrer im Schi-Resort Kehoe in Kolorado. Sein besonnenes Leben hat jedoch eine Ende, als sein Sohn mit einer Überdosis Heroin, in der Leichenhalle landet. Nels gibt sich die Schuld und will sein Leben beenden, doch dann erfährt er, dass sein Sohn ein unschuldiges Opfer des größten Drogen-Barons in der Gegend geworden ist.

Dieser hört auf den Namen Viking (Tom Bateman) und Nels wird alles daran setzen, ihn und alle seine Handlanger, für die Tat büßen zu lassen. Gut dass sein Bruder Brock (William Forsythe) Verbindungen zur Unterwelt hat und schon bald heißt es: klein anfangen und sich langsam immer weiter nach oben morden. Dabei natürlich nach Außen immer anständig wirken, immerhin ist man ja gerade zum Bürger des Jahres gewählt worden…

Warum macht man nur fünf Jahre später ein US-Remake eines norwegischen Filmes? Richtig, weil Amerikaner keine Filme anschauen, in denen keine Amerikaner mitspielen. Gut, dass wir dieses Wissen nun wieder mal aufgefrischt haben. Zumindest führt hier Hans Petter Moland (Erlösung) wieder Regie, der im Jahr 2014 auch beim Original „Einer nach dem anderen“ als Regisseur tätig war. Statt Stellan Skarsgard (Verblendung) hat nun Liam Neeson die Hauptrolle übernommen.

Wer hier nun eine weitere Taken-Variante des „Action-Oldies“ erwartet, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit, etwas enttäuscht sein. Diesen Film kann man wohl am ehesten als schwarze „Krimi-Dramödie“ bezeichnen. Alleine schon wie gleich zu Beginn der Sohn der Hauptfigur stirbt und dieses schwarze Insert eingeblendet wird mit dessen Namen. Es sollte der erste von zahlreichen Toten sein und jedes Mal löst diese Einblendung Schmunzeln aus und zwar mit bitterem Nachgeschmack.

Neeson spielt hier eine schweigsame Figur, die alles verloren hat und nun seine gesamte Energie dahin gehend verwendet, jeden der in irgendeiner Form für den Tod seines Sohnes verantwortlich ist, möglichst rasch umzubringen. Das wird zu seinem einzigen Lebensinhalt und trotz seiner Unerfahrenheit (immerhin ist er ein ehrenwerter Bürger ohne Kampferfahrung), ist er dabei sehr effektiv.

Im Grunde also eine sehr traurige Geschichte, durchaus auch mit nihilistischen und depressiven Tönen versehen, jedoch regelmäßig abgefangen durch die Absurdität der durch den Ausnahmezustand der Hauptfigur entstehenden Situationen. Nach Moral fragt hier naturgemäß Niemand, dabei wird Selbstjustiz nicht verherrlicht, jedoch als einziger Ausweg aus der Sicht von Neeson präsentiert.

Besonders bei den Todes-Szenen gibt es dann des Öfteren was zu lachen und das spiegelt schön den Grundhumor wieder. Dabei – auch wenn das jetzt seltsam klingen mag – verliert Neeson auch als Killer nie seine Menschlichkeit, die vor allem in Szenen mit einem kleinen Jungen in einer Schlüsselrolle zur Geltung kommt. Man kann gar nicht anders als zu ihm zu halten, immerhin sind seine Gegner alles andere als freundliche Artgenossen.

Für Liam Neeson (The Commuter) ist dies klar eine Paraderolle und er spielt sie mit stoischer Überlegenheit gepaart mit innerer Leere. Sicher keine Herausforderung für ihn, doch er erledigt die Sache souverän und ohne Ermüdungserscheinungen. Sein Gegenspieler Tom Bateman (Mord im Orient-Express) als Gangster-Boss Viking ist eitel, selbstverliebt, aufbrausend, mordlustig und insgesamt perfekt als verachtenswertes Gegenstück.

Insgesamt daher eine typische Rolle für Neeson in einem untypisch gestalteten Film. Der Erzählstil ist langsam, der Humor trocken, die Tode zahlreich und nach einer Moral von der Geschichte, sucht man vergeblich. Wer über abgründigere Dinge lachen kann, der ist hier somit genau an der richtigen Adresse und rein schon die Kombination aus eiskaltem Setting gepaart mit trostloser Grund-Atmosphäre, ist einen Blick wert, nicht nur für Neeson Fans.

„Cold Pursuit“ bekommt von mir 6,5/10 die Menschen die Niemand vermissen wird reduzierende Empfehlungspunkte.


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