Mord im Orient-Express – Murder on the Orient Express (Filmkritik)

Hercule Poirot (Kenneth Branagh) fährt nach einem erfolgreich gelösten Fall mit dem legendären Orient-Express zurück. Doch aus einer gemütlichen Zugfahrt wird nichts, denn der Meisterdetektiv muss den Mord an einem Passagier aufklären. Klar ist, dass einer der anderen Reisenden der Täter sein muss…

„Murder on the Orient Express“ ist wohl eines der berühmtesten Bucher der Kult-Autorin Agatha Christie. War es daher unbedingt notwendig ein Remake dieses Films zu drehen? Ich kann diese Frage mit einem schlichten „nicht wirklich“ beantworten, denn der Stoff des Films ist für Kinogeher in der heutigen Zeit nicht der spannendste.

Die Handlung ist grundsätzlich schon faszinierend, doch der Story hier etwas Neues abzugewinnen schafft Regisseur/Hauptdarsteller Kenneth Branagh leider nicht. Der Kriminalfall wirkt verwirrend und ich saß bei der Auflösung da (ich wusste dank Wikipedia den Täter schon vorher) und musste mir das Gähnen verkneifen. Ich kannte zwar wie der Kriminalfall ausgeht, aber wie man hier erzählerisch von A nach B kommt ist reichlich unspektakulär. Für mich wäre es auch interessant gewesen, die emotionale Komponente, quasi das Motiv des Mörders mehr als nur steckbriefartig zu zeigen, mehr nach dem Motto „warum ist es passiert“ und nicht nur „wie ist es passiert“.

Die emotionale Komponente funktioniert für mich auch nur begrenzt. Als der Grund für das Verbrechen erzählt wird, sitzen die Verdächtigen da und hören mit leeren Augen Poirot zu, der seine Theorien herunter rattert.

Warum für diese Szene alle aus dem warmen Zug aussteigen mussten, um sich in einen zugigen Tunnel zu setzen frage ich mich hier, denn Dinge nur der optischen Schauwerte wegen zu machen, ohne sie sinnvoll zu erklären, empfinde ich ein Stück weit als Betrug den Zusehern gegenüber. Wenn man schon den Schauplatz verlegt, sollte es einen triftigen Grund geben, denn hier hätte bei diesen Wetterbedingungen (Schnee, Kälte) wohl kaum jemand freiwillig den Zug verlassen.

Optisch kollidiert alt und neu gewaltig. Das Set-Design ist fantastisch. Hier war jemand mit viel Liebe zum Detail zu Gange. Die Regie wirkt sehr, sagen wir mal „traditionell“ und null innovativ/spannend.

Sich als Regisseur gleich noch in der Hauptrolle zu casten, könnte gehörig in die Hose gehen. Kenneth Branagh (Dunkirk) bleibt als Hercule Poirot sehr eindimensional und schafft es nicht, das Genie glaubwürdig darzustellen. Benedict Cumberbatch als Sherlock wirkte tatsächlich hochintelligent und nicht als ob er nur so tun würde. Wenn Poirot meint er wäre „der wahrscheinlich größte Detektiv der Welt“ kostete mich das nur einen müden Grinser. Sein Schnurrbart wirkt, als ob sich ein Pelztier quer über sein Gesicht gesetzt hätte und stiehlt Branagh ab und zu die Show, weil man nur auf seinen Bart starrt.

Durch die Masse an Schauspielern hat keiner wirklich Zeit sich großartig in Szene zu setzen und so verblassen die meisten gegenüber den luxuriösen Sets und den fantastischen Kostümen. Wobei ich sagen muss, Johnny Depp (Fantastic Beasts and Where to Find Them) ist mir noch am ehesten in Erinnerung geblieben. Sein Charakter war so dermaßen unsympathisch und schmierig – und es wirkte sowas von echt, dass ich mich schon fragte, ob Depp vielleicht wirklich so ist und gar nicht spielen muss.

Ansonsten tummeln sich noch Schauspieler wie Michelle Pfeiffer (Malavita), Judi Dench (Victoria and Abdul), Daisy Ridley (Star Wars: A New Hope), Derek Jacobi (Cinderella), Josh Gad (The Beauty and the Beast), Penélope Cruz (Grimsby) und Willem Dafoe (What Happened to Monday) vor der Kamera.

Fazit: Gähn. „Murder on the Orient Express“ ist weder spannend noch innovativ. Ich denke, es reicht ihn auf Blu Ray oder DVD zu sehen.

Dieser Film bekommt von mir 6/10 spannungsarmen Punkten.


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