Murder Party (Filmkritik)

Christopher S. Hawley (Chris Sharp) findet eine Einladung zu einer Mordsparty an Halloween. Sie wird ihm wortwörtlich vor die Füße geweht. Da Christopher nichts anderes zu tun hat und er generell wenig bis keine Freu(n)de im Leben hat, beschließt er hinzugehen. Er bastelt ein Kostüm und taucht kurze Zeit später in einem sehr, sehr abgelegenen Teil der Stadt in einer sehr, sehr abgelegenen Lagerhalle bei sehr, sehr dubiosen Menschen auf. Die sind auch verkleidet, scheinen aber nicht mit ihm gerechnet zu haben.

Durch sein Auftauchen allerdings kommt Leben in die Bude und bevor sich Chris versieht wird er überwältigt, auf einen Stuhl gebunden und als „Kunstwerk“ des Abends gepriesen. Denn – die Veranstalter der Party ist eine Gruppe Kunststudenten/innen. Die Idee: Chris auf sehr … künstlerische Weise umzubringen und es als Kunstwerk bzw. Performance bzw. Kunstkritik zu verkaufen, denn der Spender Macon (Macon Blair) hat eine Stange Geld für beeindruckende Kunst geboten.

Irgendwie scheint es allerdings als ob die Kunststudenten allesamt ihre Klischees erfüllen, einen an der Waffel haben und so richtige Mörder sind sie auch nicht. Der Abend nimmt dann trotzdem eine verhängnisvolle (und blutrote) Wendung …

Mir war Jeremy Saulnier kein Begriff, wirklich nicht. Ich bin durch Zufall auf „Hold The Dark“ gestoßen und habe von „Green Room“ nur gehört, ihn aber nie gesehen. Deshalb war ich auch überrascht als ich nach der Sichtung von „Murder Party“ entdeckt habe, dass der Film vom gleichen Regisseur wie „Hold The Dark“ ist. Das finde ich deshalb spannend, weil es für mich zwei grundlegend verschiedene Werke sind, die aber beide bestens funktionieren.

Während „Hold The Dark“ ein tief-trostlose-deprimierende und absolut kalte, bedrohliche Stimmung in fast perfekten Bildern vermittelt, so ist „Murder Party“ genau das, was ich üblicherweise mag: Ein Trashfilm mit Freunden und wenig Budget, dafür aber viel Freude an der Sache.

Gut – ich muss anmerken, dass „Murder Party“ mit dem roten Lebenssaft gerade gegen Ende hin absolut nicht spart und auch ein paar Splatter- und Gore-Momente vorkommen, diese allerdings tatsächlich mehr in „Müll – der (einzig wahre) Trashfilm„-Richtung gehen als in Richtung „Hostel„.

Trotzdem (oder gerade deshalb) macht „Murder Party“ Spaß. Vielleicht weil man merkt, dass Saulnier ebenfalls ein kleiner Filmfreak und Nerd ist. Das fängt bei den Kostümen der Partyveranstalter/innen an – „Lexi“ ist eine Figur aus dem ersten „Blade Runner“ (nicht gedacht, dass ich jemals das Wort „ersten“ vor den Filmtitel von Blade Runner setzen muss) und ich nehme mal an, dass die jetzt nicht jede/r sofort erkennen würde. Respekt.

Auch die Dialoge, die Witze, und überhaupt alles fügen sich zu einem blutigen Spaß zusammen, der auch vor Slapstick, dem einen oder anderen Klischee als auch ein paar großartigen Aussagen zum Thema Kunst nicht zurückschreckt. Ich will hier nicht spoilern, aber die Tagline „Everybody Dies“ wird anders gelöst als ihr das vielleicht dachtet.

Sicher, hier und da hätte der Film eine Straffung vertragen, aber alles in allem ist es ein wirklich unterhaltsamer kleiner Film, der definitiv seine Momente hat und genau weiß, welche Art von Film er darstellt. Guter Einstand, guter Film, guter Humor, gute Menge an Filmblut und Irrsinn (auch wenn die Verfolgungsjagd ein wenig kürzer hätte ausfallen dürfen).

„Murder Party“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, das Indie-Herz an der richtigen Stelle tragende, Punkte.

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