Best of Worst Case: Müll – der (einzig wahre) Trashfilm (Filmkritik)

Irgendwann hat auch Mutter Natur wegen der ganzen Umweltvermutzung die Schnauze voll und schickt das Müllmonster um mit den Verschmutzern aufzuräumen. Nur dumm dass sich grade eine Gruppe im Wald aufhält um ein Ferienlager für Kinder vorzubereiten. Dass es dabei um das Thema Umweltschutz geht ist dem Müllmonster herzlich egal und schon bald fangen die ersten Köpfe an zu rollen.

Müll Der Trash Film

Wenn man Vielkreativling Oliver Jungwirth etwas vorwerfen kann dann ist es sein offensichtlicher Hang zu Trashfilmen. Anders ist es wohl kaum zu erklären das sein zweiter Film nach „Bluadsauga“ (der übrigens im Creators Cut in voller Länge auf Youtube bestaunt werden kann und der die positive Entwicklung des Filmemachers hin zu diesem Film unterstreicht) das selbst auserkorene Ziel hat, der einzig wahre Trashfilm zu sein. Aber noch einmal auf Anfang.

Hier erklärt uns der Film nämlich die Kriterien bzw. Regeln von Trashfilmen, denn hier

  • ist technische Perfektion nicht erwünscht,
  • eine schräge Handlung Pflicht, ebenso wie
  • Bikinigirls und
  • doofe Charaktere
  • und der Film muss Spaß machen!

Was die Technik betrifft macht der Film einen Knicks vor Trash-Referenz Roger Corman, um es dann im weiteren Verlauf genauso zu machen, wenn hier auch mit Absicht. Die Machart des Films ist sehr gelungen, vor allem wenn man bedenkt, dass das Budget hier dermaßen niedrig ausgefallen, dass die Hauptdarsteller für ihre Arbeit (zumindest wenn die Gerüchte stimmen) nur ein T-Shirt erhalten haben. Das würde auch erklären warum Daniel Fischer, der hier den Markus zum Besten gibt und auch in „Bluadsauga“ zu sehen ist, durchgehend im entsprechendem „Bluadsauga“-Shirt zu sehen ist.

Hier wurde, bis auf den Vorspann in dem der Zuschauer mit liebevoller 2D-Grafik, die wirkt als wäre sie bereits lange vor dem restlichen Film entstanden, auf die weiteren Geschehnisse vorbereitet wird, auf Computereffekte verzichtet. Stattdessen setzt man hier auf die gute alte Tricktechnik, und es ist im positiven Sinne erstaunlich was mit ein paar Requisiten denn alles möglich ist. Einige actionreiche Szenen sind hier sogar so gut geworden, dass es notwendig wurde sie in Slow-Motion aus mehreren Perspektiven zu teilen (einfach herrlich!).

Eine trashigere Idee als den Müll direkt auf seine Protagonisten loszulassen, muss einmal jemanden einfallen. Hier nimmt man das Offensichtliche und baut daraus so etwas wie eine schräge Handlung. Das Motto hier ist: Wer Müll macht muss sterben und irgendwie begreifen die meisten Charaktere das erst als es dann schon zu spät ist.

Was die auftretenden Persönlichkeiten betrifft, so hat man peinlichst darauf geachtet jedes nur erdenkliche Klischee abzudecken. Vom schleimigen Beamten über die psychotische Kindergärtnerin bis hin zum Vandalen, der hier nur dabei ist um nicht ins Gefängnis zu müssen, sind sie alle mit dabei. Standesgemäß sind die aber auch nicht besonders helle, was spätestens dann klargestellt wird, wenn man dem Müllmonster statt zu flüchten schon einmal in die Arme läuft.

Ein besonderes Highlight sind in diesem Zusammenhang auch die Dialoge. Die triefen, wie die Charaktere, nur so von Klischees um es zwischendurch mit One-Linern, die die Situation oft sehr treffend einfangen oder beschreiben, auf den Punkt zu bringen. Ein exemplarisches Beispiel wäre die Erklärung einer Hai-Harpune (wär hätte es gedacht: Arm + Hai = Hai-Harpune, oder so ähnlich).

Der quietschig wirkende Soundtrack sorgt dafür, dass der Zuschauer nicht einschläft (was nüchtern betrachtet nicht notwendig gewesen wäre) während zur Untermalung eingebaute Soundeffekte sicherstellen, dass es sich hierbei wirklich um einen Trash-Film handelt. Dafür machen die zwischendurch eingespielten Songs der Band „Das Napalm Quintett“ ordentlich Stimmung.

Best of Worst Case-Urteil:
Die Frage vorab lautet eigentlich: Ist es eigentlich noch ein Trashfilm, wenn man es absichtlich macht? Wenn ja, dann hat „Müll“ es ohne Frage geschafft sein Ziel, der einzig wahre Trash-Film zu sein, erreicht. Dabei macht der Film so viel Spaß, das sich selbst die Darsteller in so mancher Szene ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen konnten.

Der Film „Müll – der (einzig wahre) Trashfilm“ ist eine klare Empfehlung für alle Freunde der gut gemachten trashigen Unterhaltung und bekommt von mir 8,5/10 mit seinen eigenen Mitteln für den Umweltschutz (für die Kinder!) werbende Empfehlungspunkte.

Anbei noch ein kurzes Interview für das sich Oliver Jungwirth dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat:

Darkagent: Oliver, wie lässt sich dein Film am Besten in drei Wörtern oder weniger beschreiben?
Oliver Jungwirth: In Drei Worten? Witzig. Actionreich. Irre.

Darkagent: Du hast bei Müll vieles selbst gemacht und warst – unter anderem – für Drehbuch, Regie, Schnitt und eine der Rollen verantwortlich. Wo lagen hier die größten Herausforderungen und was hat am meisten Spaß gemacht?
Oliver Jungwirth: Keins von den erwähnten Dingen war am schwierigsten. Das Schwierigste war der logistische Teil, nämlich die Einteilung wann hat wer Zeit und wann wird mit wem wo was gedreht. Das war die schwere Sache, die mich hin und wieder wirklich Nerven gekostet hat. Super ist es natürlich immer wieder, wenn man den Film schneidet und nach und nach merkt, dass alles auch wirklich zusammenpasst. Das ist ein schönes Gefühl – das da fast dreißig Leute an einem Stückwerk gearbeitet haben, dass sich dann nach und nach zu einem homogenen Ganzen zusammenfügt.
Ich könnte jetzt keinen Teil des Entstehungsprozess herauspicken, den ich hervorheben würde. Eine Filmentstehung ist mit allen Höhen und Tiefen immer dann super, wenn das Resultat Spaß macht 🙂 Was ich als schwer erwartet hatte, war Leute davon zu überzeugen, dass sie mitmachen – aber das ging extrem einfach … oh. Und der Animationsvorspann. Den hab ich zuletzt gemacht und ganz ehrlich: Das war nicht schwer, aber einfach sauber viel Arbeit, das alles von Hand zu animieren.

Darkagent: Was die Charaktere im Film betrifft ist ja jedes erdenkliche Klischee vertreten (inkl. der von dir gespielten Rolle). Basieren die Rollen auf echten Vorbildern oder wie kommt man sonst auf die Ideen?
Oliver Jungwirth: Die Charaktere sind aufgrund der Klischees entstanden. Ich dachte mir: Was brauche ich für so ein Ferienlager und welche Klischees gibt es da. Ich kenne keinen dauergeilen Magistratsbeamten, keinen alkoholabhängigen Extremgläubigen und auch keinen Beinahe-Häftling, der Sozialstunden arbeiten müsste. Das sind alles fiktive Charaktere. Aber – ganz ehrlich – so überspitzt sie sein mögen – ich glaube, wir alle kennen Leute, die ein wenig in die eine oder andere Richtung tendieren. Super fand ich übrigens auch die schauspielerischen Leistungen (zum größten Teil), denn das sind ja alles Laien, die zu einem großen Teil zum ersten Mal vor der Kamera standen. Hut ab, sag ich nur.

Darkagent: Für die Zuschauer deren Interesse für den Film ich wecken konnte – wie und wo kann man sich den Film ansehen?
Oliver Jungwirth: Es wird noch eine Vorführung am „Austrian Film Festival“ am 24. November 2013 in Wien geben, in den Breitenseer Lichtspielen. Da wurde er ins Programm aufgenommen, was mich natürlich sehr ehrt. Ansonsten müssen ihn die Leute wohl auf DVD kaufen – leider aktuell nur über Amazon.COM und Createspace.com … in Kürze hoffentlich auch direkt bei uns über CreatorsCup.at. Aber da kann ich den Termin noch nicht fix sagen.

Darkagent: Bist du eigentlich froh, dass der Film jetzt fertig ist und bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Was hast du als nächstes vor?
Oliver Jungwirth: Froh? Ja. Weil es einfach irgendwann einen Punkt geben muss, an dem man sagt: Aus. Das war es jetzt. Da arbeite ich nicht mehr weiter dran – sonst kann man ja ewig dran rumbasteln. Wir haben das Ding mit NULL Budget gemacht und er war im Kino und kommt jetzt auf DVD raus. Ich meine – da gibt es Filme, die hatten ein paar Tausende Euro und sind nicht so unterhaltsam geworden – soweit ich das beurteilen kann. Ich bin nämlich überaschenderweise vorbelastet, was diesen Film hier betrifft 😉
Außerdem habe ich extrem viel von dem Film selbst gemacht, das war natürlich ein Haufen Arbeit. Aber wenn es nicht zu einem großen Teil Spaß gemacht hätte, dann hätte ich es ja nicht getan. Hat mich ja niemand dazu gezwungen. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Einziges Manko: Beim Ton müssen wir das nächste Mal besser werden. Was ich jetzt mache? Jetzt werd ich ein neues Buch schreiben und einen neuen Film machen. Ich wechsle das immer ein wenig ab. So toll Filmemachen ist – es ist auch anstrengender als ein Buch zu schreiben. Ein Buch schreib ich allein, da gibt es keine logistischen und anderen Probleme. Das ist sozusagen meine „Erholung“. Und dann gehts ans nächste Filmprojekt.

Darkagent: Gibt es noch etwas was du uns sagen willst?
Oliver Jungwirth: Was ich noch sagen will? Hm. Erstens: Guckt euch den Film an, ich glaube, er ist super geworden. Zweitens: Wenn irgendjemand der/die das liest mal an/bei einem Projekt mitwerken will – schickt mir eine Mail: oliver@creatorscup.at

An dieser Stelle noch ein ein Danke an Oliver Jungwirth der sich zu diesem Interview bereit erklärt hat. Anbei findet ihr wie immer den Trailer zum Film!


2 Gedanken zu „Best of Worst Case: Müll – der (einzig wahre) Trashfilm (Filmkritik)

  1. Also dieser Oliver Jungwirth wirkt wie ein sympathisches Kerlchen, vielleicht sollten wir mal zusammen mit dem einen Film drehen. Wäre sicherlich lustig und extrem trashig, da bin ich mir sicher 🙂

  2. „Oiso i findt den füm foi liab!“

    Ein großes Kompliment an die Leute vor und hinter der Kamera. Ich hab mich köstlich amüsiert. Es ist ein ausgesprochen guter Film mit vielen liebevollen Details, einer großen Portion Spaß und einer pädagogisch wertvollen Botschaft.

    Die Rolle von Sarah (die psychotische Kindergärtnerin) hat mir super gefallen. Echt genial wie sie drauf ist, was sie „durchmachen“ muss und dessen schauspielerische Umsetzung. Ebenfalls zu erwähnen ist auch der „Energy-Drink-Wanderer“ 😀

    Am besten an diesem Film hat mir jedoch gefallen, dass sich ein paar Leute zusammen tun und in deren Freizeit ein so großartiges Projekt entstehen lassen und offensichtlich ihren Spaß dabei hatten.

    … Bin auf ein Making of gespannt.

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