Victoria and Abdul (Filmkritik)

Queen Victoria (Judi Dench) von England altert zunehmend und sehnt sich nach ein wenig Abwechslung von ihrem tristen Alltag. Da kommt der indische Diener Abdul (Ali Fazal) gerade recht. Zwischen den Beiden entsteht eine höchst interessante Freundschaft…

Judi Dench (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children) ist heute ja fast schon ein Garant für hochwertige Unterhaltung, daher war sofort mein Interesse für diesen Film geweckt. Dass der Film auf einer laut Titelkarte größtenteils wahren Geschichte basiert, macht ihn für mich noch interessanter. Erzählt wird von einer faszinierenden Freundschaft zwischen einer Königin und ihrem Diener. Als Vorlage diente ein Roman von Shrabani Basu.

Regisseur Stephen Frears scheint sich inzwischen schon fast auf Bio-Pics spezialisiert zu haben. Nach „The Queen“, „Philomena“ und „Florence Foster Jenkins“ ist „Victoria and Abdul“ das neueste Werk von Frears. Der Film ist sehr ruhig und falls man sich große Dramen erwartet, wird man vielleicht enttäuscht sein. Frears lässt ganz im Gegenteil der Handlung viel Zeit sich glaubwürdig zu entfalten. „Victoria and Abdul“ ist quasi ein inoffizielles Sequel zu dem 1997 veröffentlichten Film „Mrs Brown“ in dem ebenfalls Judi Dench Queen Victoria spielt, der ein Verhältnis mit einem Diener nachgesagt wird. Bösen Gerüchten zu Folge, soll sie diesen Diener sogar geheiratet haben – daher der Titel „Mrs Brown“

Das mag nicht besonders aufregend wirken, doch gibt den Schauspielern die Möglichkeit zu glänzen, allen voran Judi Dench. Die inzwischen 82 Jahre alte Dame ist ja schon ein Urgestein und schafft es nach wie vor, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Am meisten beeindruckt sie in den stillen Momenten am Anfang des Films, in denen man sieht, dass sie eine ungesunde, alte Frau ist, die von ihrem Personal aus dem Bett gezerr wird. So gar nicht ladylike wirkt sie bei einem Dinner, bei dem sie mit einer faszinierenden Geschwindigkeit isst und letzten Endes verwendet sie ihre Hände statt dem Besteck. Man sieht dank Dench, dass diese große Herrscherin keine Freude mehr am Leben hat, gegen Ende gesteht sie sogar, dass sie darüber betrübt ist, dass alle die ihr am Herz liegen sterben und nur sie muss weiter leben.

Der titelgebende Abdul wird von Ali Fzal (Fast & Furious 7) gespielt. Leider rutscht seine Performance teilweise ins lächerliche ab. Man nimmt ihm ab, dass er ohne Hintergedanken eine Freundschaft mit der Königin von England pflegte. Er sieht die alte Frau als Menschen und nicht nur als einen wandelnden Titel, was Victoria sehr gefällt und imponiert. Doch gerade zu Anfang nervt Abdul ganz dezent durch sein übertriebenes Gehabe, was ihn dumm wirken lässt. Außerdem schafft es Fazal nicht wirklich Abdul Charakter zu verleihen, wodurch seine Performance oberflächlich und unausgegoren wirkt. Hier ist es wirklich schade um einen wirklich faszinierende historischen Person, die Besseres verdient hätte.

Fazit: Dench als Queen Victoria ist exzellent, doch nur von ihrer Performance kann der Film nicht leben.

Dieser Film bekommt trotz einiger Mängel dennoch 7/10 Punkten.


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