Florence Foster Jenkins (Filmkritik)

Eigentlich könnte sich die Millionärin Florence Foster Jenkins (Meryl Streep) bequem zurücklehnen und ihren Reichtum genießen, doch sie hat das Gefühl, als fehle in ihrem Leben etwas. Deswegen versucht sie sich als Opernsängerin. Zunächst tritt sie nur bei privaten Wohnzimmerkonzerten an der Seite des talentierten Pianisten Cosmé McMoon (Simon Helberg) und fernab von Kritikern auf, was auch gut ist, denn Jenkins hat null Talent als Sängerin und niemand in ihrem Umfeld bringt es übers Herz, ihr das zu sagen…

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„Florence Foster Jenkins“ erzählt eine wirklich skurrile Geschichte und zwar die der gleichnamigen Sopranistin, die zu ihren Lebzeiten eine wahre Kultfigur war. Nachdem ihr Vater verstarb, beschloss sie sich voll und ganz ihrer Passion zu widmen, dem Gesang. Aber leider fehlte ihr etwas wichtiges – nämlich Talent.

Doch Jenkins ließ sich von so einem unwichtigen Detail nicht von ihrem Traum abhalten und machte tatsächlich Karriere, wenn auch nicht unbedingt aus dem von ihr erhofften Grund. Ihr Gesang fiel in die Kategorie so schlecht, dass es leider nicht schon wieder gut, sondern höchstens amüsant bzw. zum lachen ist. Die Geschehnisse des Films erzählen von Jenkins letztem Lebensjahr.

Ein Film über eine solch schillernde Person kann doch eigentlich nur gut sein, oder? Meryl Streep (The Devil wears Prada) als der titelgebenden Florence zuzusehen macht wirklich Spaß. Sie stellt Foster als eine Person dar, die nur lose mit der Realität verbunden ist und so von sich selbst und ihrem Talent überzeugt ist, dass die Meinung anderer über ihre Gesangeskünste irrelevant ist.

Wenn sie sich durch die schwersten Arien ohne die dafür nötige Technik singt und dabei im besten Fall eine von 10 Noten trifft, muss man sich fast schon fremdschämen. Man hört Florence erst nach einer halben Stunde singen und ich kann kaum glauben, dass eine talentierte Sängerin wie Streep so schief singen kann. Dennoch an die „Schlechtigkeit“ des historischen Originals kann sie nicht heran kommen, denn es gibt tatsächlich Tonaufnahmen (am Ende des Films ist ein kurzer Tonausschnitt der echten Florence zu hören und ich muss sagen, dass im Film keineswegs übertrieben wird).

Hugh Grant (The Man from UNCLE) spielt St. Clair Bayfield, einen gescheiterten Shakespeare Schauspieler, der der Ehemann von Florence ist. Von Grant sieht man inzwischen nicht mehr so viel wie früher, daher war ich auf seine Performance gespannt. Der Brite ist sein typisches, charmantes Selbst. St. Clair unterstützt sie gutmütig in ihrem Vorhaben. Von Florence wird er kräftig gesponsert und hat aber sogar gemeinsam mit seiner Geliebten eine Wohnung, da Florence ihn nicht mit in ihr Bett nehmen will, da sie ihr erster Ehemann mit Syphilis angesteckt hatte. Man möchte ihm unterstellen, dass er seine reiche Ehefrau nur ausnützt, doch es zeigt sich, dass sich die beiden auf einer anderen Ebene lieben und achten.

Regie führte Stephen Frears (Philomena), der Talent dabei beweist, diese tragi-komische Figur auf die Leinwand zu bannen. Er bringt das Publikum über die Talentlosigkeit von Florence zum Lachen und zeitgleich auch über ihre Zielstrebigkeit und mit welchem Fokus sie an ihre Karriere heran ging zum Staunen und lehrt, dass man nur auf die Nase fallen kann, wenn man es gar nicht versucht.

Fazit: Ein äußerst unterhaltsamer Film, der zeigt, dass schon früher mangelndes Talent nicht unbedingt eine erfolgreiche Karriere ausschloss.

Dieser Film bekommt von mir 7,5/10 Punkten.


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