I, Tonya (Filmkritik)

Tonya Harding (Margot Robbie) wächst in armen Verhältnissen auf und wird von ihrer Mutter, so würde man das wohl heutzutage nennen, psychisch missbraucht. Vor allem aber wird sie physisch trainiert, denn Tonya kann etwas sehr gut: Eislaufen. Trotz ihrer ärmlichen Herkunft schafft sie es durch harte Arbeit bis (fast) ganz nach oben zu kommen. Das Problem stellt eher die Tatsache dar, dass ihre Mitläuferinnen und selbst die Jurorinnen es gar nicht gern sehen, wenn jemand aus armen Verhältnissen in diese Gefilde vorstößt. Tonya, mittlerweile nicht nur von ihrer Mutter, sondern später auch von ihrem Ehemann misshandelt, tut das, was sie tun kann: Sie packt die Ellbogen aus und versucht auf diese Weise ihren Weg zu machen. Und das wird später dazu führen, dass sie eine Klage am Hals hat, weil sie ein Attentat auf eine Mitbewerberin in Auftrag gegeben hat.

Die Frage bleibt: Hat sie das wirklich oder dachte nur jemand, dass er ihr damit einen Gefallen tut?

Klar, ich als Sportfan weiß natürlich um die Geschichte von Tonya Harding und … nein. Eigentlich nicht. Weder Sportfan, noch Wissen um die Story von Harding, denn beides ist erstaunlicherweise nicht wirklich notwendig, um diesen Film hier zu sehen und zu mögen. Das liegt an der Erzählweise und dem erstaunlich lockeren Tonfall des Films, der aus (gefakten) Interviews und zum größten Teil aus Spielfilmteilen besteht.

Margot Robbie (als Harley Quinn in der „Suicide Squad“-Verfilmung berühmt geworden) macht ihre Sache verdammt gut und spielt sich tatsächlich als Tonya die Seele aus dem Leib. Ich häte ja nie gedacht, dass mich ein Film über Eiskunstlaufen irgendwie interessieren könnte, aber „I, Tonya“ schafft es, indem die Macher sich viel mehr auf die Figuren und ihre Interaktionen konzentrieren als auf die Welt des Eiskunstlaufs. Sicher – vor diesem Hintergrund läuft alles ab, wichtig sind dennoch die Figuren.

Keine Ahnung, wie nahe sie an ihren tatsächlichen Vorbildern sind, aber sie sind wirklich skurril und es gibt ein paar sehr, sehr herzzereißende Momente (etwas als ihre Mutter ihrer Tochter sagt, dass sie sie liebt und man sich – gemeinsam mit Tonya – sofort die Frage stellt, was sie damit im Schilde führt) und ein paar witzige Momente und ein paar „Ich verstehe nicht, warum sie sich das gefallen lässt“-Momente.

Das Drehbuch ist über weite Strecken echt gelungen, allerdings hätte man meiner Meinung nach noch eine Ecke rauskürzen können, ohne wirklich was verpasst zu haben.

Allison Janney als Tonyas Mutter ist ein Wahnsinn – egal ob in den Interviews oder während der Spielfilmteile. Sie bringt die Figur wirklich beeindruckend zum Leben. Sebastian Stan (Bucky aus dem Marvel-Universum), darf endlich mal wieder zeigen, dass er auch wirklich spielen kann anstatt in Action-Szenen im besten Fall einen One-Liner sagen zu dürfen. Als Tonyas anfängliche Rettung, denn Bedrohung und schließlich Untergang spielt er sich durch fast alle Emotionen und jede einzelne davon vermittelt er absolut glaubwürdig. Der Mann ist echt gut.

Das Highlight jedoch ist klar Margot Robbie und das Drehbuch, welches die Balance zwischen Ernsthaftigkeit, Humor und Drama sehr gut hinbekommt.

„I, Tonya“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, auch für Menschen die sich weder für Eiskunstlauf noch Sport generell interessieren, unterhaltsam seiende, Punkte.


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