Moneyball (Filmkritik)

Die Oakland Athletics sind in der Major Baseball League in den Playoffs gescheitert. Da die wenigen Topspieler zur zahlungskräftigeren Konkurrenz wechseln und dem Club das nötige Geld fehlt um diese nach zu besetzen, versucht Teammanager Billy Beane (Brad Pitt) eine andere Herangehensweise. Gemeinsam mit dem jungen Computernerd Peter Brand (Jonah Hill) beginnt er daher, basierend auf Computerstatistiken, Spieler zu engagieren, die zwar spielen können, aber den klassischen Auswahlverfahren nach durch den Rost fallen. Mit dieser neuen Herangehensweise stößt er aber auf Unverständnis beim Trainer (Philip Seymour Hoffman) und den Talent-Scouts.

Moneyball

Regie führte hier Bennet Miller, der hier nach Capote zum zweiten Mal in einem Hollywoodfilm hinter der Kamera stand. Sein aktueller Film kann guten Gewissens als technisch sehr gut bezeichnet werden und leistet sich im Wesentlichen keinerlei Schwächen. Dabei merkt man als Zuschauer sehr bald die Begeisterung Millers und aller restlichen Beteiligten, was die Geschichte und den Sport betrifft. Das macht den Film noch ein Stück weit interessanter und spannender und fesselt beim Miterleben der Geschichte.

Baseball ist ja so etwas wie das amerikanische Heiligtum und von der Popularität her in etwa mit Fußball in unseren Breiten vergleichbar. Man könnte sich an dieser Stelle fragen: Wieso sollte ich mir einen Film über einen Sport ansehen, den ich nicht kenne? Nun, alles was man im Zusammenhang über den Sport wissen muss, kommt in der Geschichte vor. Der Stil des Films ist weitgehend spartanisch gehalten. Da gibt es wenig Musik und viele authentische, echte Aufnahmen, was ihm einen beinahe dokumentarischen Charakter verleiht.

Was unter dem Strich bleibt ist ein spannendes Stück Sportgeschichte. Der Film ist allerdings nicht perfekt, was vermutlich in erster Linie dem Drehbuch zuzuschreiben ist. „Moneyball“ ist mit über 130 Minuten doch recht lang geworden, was stellenweise (wenn auch vernachlässigbar) für Längen, gerade abseits des Spielfeldes, sorgt. Verglichen damit kommt das eigentliche Spiel fast ein wenig zu kurz, was in Anbetracht der Länge des Filmes nicht ganz verständlich ist.

Schauspielerisch setzt der Film in erster Linie auf Brad Pitt (Inglourious Basterds). Da hier das Leben von Teammanager Beane verfilmt wird, ist Pitt der Mittelpunkt des Filmes, was gut funktioniert. Beane, der in jungen Jahren selbst ein vielversprechendes Baseball-Talent war, hatte selbst im Zusammenhang mit dem besagten Spiel nie Glück. Da er sich aus genau diesem Grund die Spiele seiner eigenen Mannschaft nicht ansieht, muss auch der Zuschauer einen großen Teil der Zeit abseits des Spielfeldes verbringen.

Pitt vermittelt perfekt Beanes Einstellung. Einerseits ist er nicht gerade vom Glück gesegnet und ist deswegen mehr als einmal schlecht gelaunt, andererseits ist Aufgeben für ihn zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Einen Charakter mit all seinen Fassetten so perfekt zu spielen kann nicht jeder Schauspieler und beweist einmal mehr, warum Brad Pitt zu recht einer der bestbezahlten Schauspieler in Hollywood ist. Aufgelockert wird Beanes Geschichte in Zusammenhang mit seiner Tochter (gespielt von Kerris Dorsey), die etwas Sonne in sein trist wirkendes Leben bringt.

Jonah Hill (21 Jump Street) gibt als Peter Brand den schüchternen Computernerd mit Yale-Abschluss. Seiner Rolle entsprechend spielt Hill seinen Part eher zurückhaltend und überlässt Pitt über weite Teile des Filmes die Show. Noch weiter im Hintergrund ist Philip Seymour Hoffman (The Ides of March). Als Trainer ist er im Film nur selten zu sehen und mir stellt sich die Frag, warum man einen Oscar-Gewinner für so eine banale Nebenrolle besetzt hat.

Alles in allem ist „Moneyball“ der fast perfekte Film über einen Sport, den hierzulande kaum jemand kennt und eine klare Empfehlung für die Fans dieses Genres. Der Film bekommt von mir 7,5/10 Empfehlungspunkte.


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