Cold Comes the Night (Filmkritik)

Chloe (Alice Eve) betreibt ein kleines heruntergekommenes Motel, in dem sie mit ihrer kleinen Tochter auch wohnt. Da hier Prostitution und Drogenkonsum zum täglichen Alltag gehören, sitzt ihr das Jugendamt im Nacken. Sie spart daher täglich Geld, um so bald wie möglich dieses Leben hinter sich lassen zu können. Durch einen tödlichen Zwischenfall gerät sie in die Hände des Berufskriminellen Topo (Bryan Cranston), der ihre Hilfe benötigt, bei der Wiederbeschaffung einer für ihn wichtigen Tasche.

Da Topo nur mehr sehr schlecht sehen kann, ist er trotz seiner offensichtlichen Überlegenheit auf Chloe angewiesen und so handeln sie einen Deal aus. Kompliziert wird die Sache jedoch, da die Tasche zunächst verschwunden scheint und der das Gesetz gerne etwas dehnende Polizist Billy (Logan Marshall-Green), mit dem Chloe auch eine Affäre hatte, mehr zu wissen scheint, als er zugeben will. Kann sie für sich und ihre Tochter einen Ausweg finden, um aus dieser Sache wieder heil heraus zu kommen?

Cold Comes the Night

Nach einigen Kurzfilmen ist dies erst der zweite Langfilm von Regisseur und Drehbuchautor Tze Chun. Herausgekommen ist dabei ein unspektakulärer Thriller, der nicht auf große Actioneinlagen oder eindrucksvolle Schauplatzwechsel setzt, sondern seine Spannung nur durch seine Figuren und deren Verhältnisse zu einander und Interaktionen mit einander erzeugt. Damit diese Formel, die sich voll auf die Darsteller verlässt auch funktioniert, braucht man vor allem die richtigen Leute vor der Kamera.

Zunächst wäre da mal Bryan Cranston („Drive„, „Argo„). In letzter Zeit klar in aller Munde wegen seiner Hit-Serie „Breaking Bad“, hat er eindeutig auch das Zeug dazu, ein großer Star in der weiten Filmwelt zu werden. Als wortkarger, fast blinder Antagonist, spricht er mit charismatischem russischen Akzent nur dann, wenn er auch wirklich etwas zu sagen hat. Er ist genau, wäre gerne so effektiv wie früher, ist aber durch sein körperliches Handicap, auf die Hilfe Anderer angewiesen. Er ist eiskalt, unberechenbar und dann doch irgendwie auch wieder freundlich. Und dabei nie die Sonnenbrille abnehmend versteht sich.

Topo trifft auf Chloe, die von Alice Eve („Star Trek: Into Darkness„, „Men in Black 3„) nicht nur Make-up technisch angenehm natürlich gespielt wird. Sie ist die verzweifelte Mutter die, wenn es nur um sie alleine gehen würde sicherlich vor Angst wie gelähmt wäre, doch für ihre Tochter über sich hinaus wächst und am Ende sogar ganz frech Forderungen stellt. Nach dem Motto: Ich helfe dir, du hilfst mir. Alle gewinnen. Dabei ist sie zwar keine fehlerlose Person, doch klar die Sympathieträgerin, deren Entscheidungen man immer nachvollziehen kann.

Der dritte im Bunde ist Logan Marshall-Green („Prometheus„, „Devil„) und der ist eindeutig ein richtiges Schlitzohr. Er hat klar eine Schwäche für Chloe, sie verbinden auch Ereignisse in ihrer Vergangenheit. Im Grunde ist er aber ein Egoist, der sich gerne nebenbei zu seinem kleinen Polizistengehalt was dazu verdient. Er darf im Laufe der Handlung richtig schön verzweifelt sein und ausflippen, was er in ein paar starken Szenen in eindrucksvoller Form demonstriert.

Zwischen den Gesprächen, die immer mehr Informationen über die Hauptfiguren und ihre Beweggründe liefern bzw. die Geschichte voran treiben, wirken die vereinzelten Gewaltszenen umso härter, weil alles so unmittelbar und nicht gestellt wirkend präsentiert wird. Die Kamera fängt dabei die bedrückende Grundatmosphäre die gesamte Zeit über gekonnt ein, was sich auch spürbar auf den Strudel auswirkt, in den man als Zuschauer gemeinsam mit Chloe gezogen wird. Abgerundet wird das stimmige Produkt dann noch durch die unaufdringliche Musikwahl.

Wer wieder mal Lust auf einen kleinen feinen Thriller hat, in dem ein paar verlorene Seelen nach einem Ausweg aus ihrem bisherigen Leben suchen, der ist hier genau richtig. Vor allem die guten Schauspieler bleiben hier im Gedächtnis und das Wissen darüber wird wieder mal auf gefrischt, dass man nicht immer überlebensgroße Bilder liefern muss, um spannend zu sein und unterhalten zu können. Für Krimi-Fans als Snack zwischendurch daher eine klare Empfehlung.

„Cold Comes the Night“ bekommt von mir 6,5/10 für das liebe Geld sämtliche Hürden mit allen Mitteln überwindende Empfehlungspunkte.

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