Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag (Filmkritik)

Den Truthähnen Reggie (Rick Kavanian/Owen Wilson) und Jake (Christian Tramitz/Woody Harrelson) ist im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen eines klar – nämlich dass ihre gesamte Existenz nur einem Zweck einzigen Zweck dient: Als Festtagsbraten zuerst im Backrohr und dann auf den Esstischen der Menschen zu landen. Reggie hingegen hat das Glück vom US-Präsidenten begnadigt zu werden und lässt es sich nun in Camp David mit Pizza und Fernsehen verwöhnen, das Wohlergehen der weniger privilegierten Truthähne wird für ihn Nebensache.

Doch dann entführt Jake Reggie, denn er hat einen wahnwitzigen Plan: Gemeinsam reisen sie mit einer Zeitmaschine ins 17. Jahrhundert, um die Entstehung der verhängnisvollen Thanksgiving-Tradition der amerikanischen Pilger zu verhindern. Doch das ist natürlich einfacher gesagt als getan….

Free Birds

Auweh. Wenn ich mich bei einem Film im Kino schon zusammen reißen muss, um nicht einzuschlafen, ist das kein gutes Zeichen und spricht keineswegs für die Qualität des Films. Ja, wir sind inzwischen durch detailverliebte Filme wie Disneys „Die Eiskönigin“ verwöhnt, der mit brillanten Effekten auftrumpft.

So wirkt Reel FX Creative Studios Animationsfilm mehr wie eine billige Produktion, die qualitativ viel Luft nach oben lässt. Denn, in Sachen Animation ist man eindeutig mindestens drei Schritte hinter der Konkurrenz. Die 3D-Effekte waren eigentlich nicht zu merken und kamen vielleicht nur an einer Stelle wirklich zum Vorschein. Wo sich bei Konkurrenten wie Pixar bei einem Windhauch jeder einzelne Grashalm und ein jedes Blatt bewegt, bleibt bei einer Helikopterlandung so gut wie alles starr. Wenngleich man auch einräumen muss, dass mit 55 Millionen Dollar das Budget für „Free Birds“ um einiges knapper ausfiel als bei einem Pixar-Film. Anscheinend wurde die Premiere des Animations-Films um ein Jahr vorgezogen. Wäre aber gescheiter gewesen, das Jahr für den Feinschliff der Animationen zu verwenden.

Das Grundproblem ist schon mal die Thematik des Films von Regisseur Jimmy Hayward (Jonah Hex). Mit Thanksgiving kann man als Nicht-Amerikaner nicht viel anfangen und versteht daher auch so einiges nicht wirklich. Das muss ja nun nicht zwingend gegen die Qualität des Filmes sprechen, so beschloss ich dem Film eine Chance zu geben.

Die Story wusste mich nicht zu unterhalten, die Gags waren teilweise einfach nicht komisch oder für eine andere Altersklasse gedacht. Auch die Logik ist über weite Teile einfach mal beiseite gelassen worden. Einerseits kann Reggie telefonisch eine Pizza ordern, wird aber in der nächsten Minute von den Menschen in seiner Umgebung nicht verstanden, eben weil er wie ein Truthahn redet – oder gackert. Auch die Zeitreise war über weite Teile einfach nicht durchdacht. Wenn sich dann gegen Ende des Films vier verschiedene Versionen von Reggie treffen, kann man als durchschnittlich intelligenter Mensch nicht mehr dahinter steigen, warum sie sich treffen und aus welcher Zeit die einzelnen Versionen kommen.

Action gibt es durchaus, wenngleich die meistens aus flüchtenden Truthähnen besteht und schnell langweilig wird und stellenweise äußerst brutal ausfällt. Der „Bösewicht“ ist ein absolut eindimensionaler Charakter, der nichts außer böse ist. Die Freundschaft zwischen Owen Wilsons´s (The Internship) Reggie und Woody Harrelson´s (Die Unfassbaren) Jake, die ja thematischer Schwerpunkt des Films ist, fühlt sich zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig an, vor allem weil Reggie Jake kein Wort glaubt und man auch als Zuseher das Gefühl hat, dass Reggie ein Rad ab hat.

Störend war auch das Product-Placement in diesem Film, der von Chuck E. Cheese’s gesponsert wurde, einer Fast-Food-Kette, die Pizza verkauft, die sowohl die Truthähne als auch die Siedler und Indianer verspeisen, selbstverständlich auch mit Fleisch, aber Kannibalismus bei Truthähnen ist wohl okay.

Fazit: Ein Film der bei 90 Minuten Laufzeit vielleicht zwei Gags hat, die wirklich witzig sind. Bei den restlichen Stellen habe ich nur über die gelacht, die sich während des Films amüsierten.

Dieser Film bekommt 3/10 frustrierenden Punkten.


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