The Kings Of Summer (Filmkritik)

Joe (Nick Robinson), Patrick (Gabriel Basso) und Biaggio (Moises Arias) haben die Nase voll. Von ihren Eltern, von den Auflagen rund um den Alltag und überhaupt von allem. Also beschließen sie in einem Akt der Klarheit, dass sie ein Haus im Wald bauen und dort selbstversorgend zu leben. Abseits von allem und in völliger Ruhe. Leider stellt sich der Alltag als schwieriger heraus, als er sie sich das vorgestellt haben und wie so oft macht den Jungen die Liebe einen Strich durch die Rechnung.

the-kings-of-summer

Wer hat noch nie davon geträumt einfach auszusteigen, die Welt Welt sein zu lassen und völlig unabhängig vom Rest der Welt ein eigenes, kleines, überschaubares und vor allem entspanntes Reich mit 100%iger Garantie des Friedens und der Freue aufzubauen? Niemand, würde ich tippen. Denn das ist ein Traum, dem sich wohl jeder bereits in einer schweren Stunde hingegeben hat.

In „The Kings Of Summer“ machen die drei Hauptdarsteller diesen Traum zur Wahrheit, bauen sich ihre eigene, unabhängige Welt und beschließen dort in Ruhe und Frieden zu leben. Natürlich haben diese ihren Preis, denn die Annehmlichkeiten, die sie bis dahin gewohnt waren (Essen kaufen, um nur ein Beispiel zu nennen), sind damit auch Geschichte und nicht alle drei kommen gut mit den Entbehrungen klar.

In wunderbare Bilder mit wundervollem, teilweise elegischen, Soundtrack eingefangen, erzählt der Regisseur Jordan Vogt-Roberts (vielleicht bekannt, durch seine Arbeit an drei der besseren Episoden der Serie „Death Valley“) die von Chris Galletta verfasste Geschichte um die drei Jungs, ihre Freundschaft, ihrer Beziehung zu ihren Eltern und um das langsame entdecken der Liebe, des Neids und letztlich auch des Erwachsen-Werdens.

Was man dem Film sicher ankreiden kann (wenn man denn will), ist die Art und Weise, wie rasch das Haus (und wir sprechen hier wirklich von einem Haus) mitten im Wald gebaut und eingerichtet wird – denn das hat mit Realismus sicher nichts zu tun, tut der Stimmung und der Atmosphäre aber keinen Abbruch, denn über dieses kleine Manko blickt man gerne hinweg, da der Film ansonsten ziemlich alles richtig macht.

Die Mischung der Charaktere und insbesondere der „zusätzliche“ Charakter Biaggio, gespielt von Moises Arias („Ender’s Game“, „Ich –einfach unverbesserlich 2“, und andere), sind einfach zu liebenswert, um nicht wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Dass die Liebe Spannungen zwischen den Protagonisten entstehen lässt (die „Angebetete“ verknallt sich doch tatsächlich in den falschen Jungen) ist nur ein weiterer Grund, um das Drehbuch zu loben, denn auch das ist seine Sache, die in viel zu wenig Filmen vorkommt – mit Enttäuschung umgehen lernen, gehört zum Erwachsen-Werden und so manche Freundschaft muss damit umgehen lernen.

Auch die Eltern, die zwar eine Zeitlang nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, sind erstens super besetzt und zweitens super geschrieben: Man versteht, warum die Kinder abhauen wollen und genervt sind, man versteht aber auch die Eltern und als Bösewichte gehen sie absolut nicht durch, sondern vielmehr als normale Menschen, die eben versuchen unter den gegebenen Umständen ihr Bestes zu geben.

Wenn es einen Feind gibt in diesem Film, dann ist es die Erwartungshaltung, wie das Leben eigentlich sein sollte und die damit noch nicht vorhandene Bereitschaft sich mit dem auseinander zu setzen, was eben nicht so ist, wie es sein müsste. Die anfängliche Freiheit wird relativ rasch zu einem anderen Gefängnis und erst, wenn endlich das Bewusstsein vorhanden ist, dass das Leben damit zu tun hat, Verantwortung zu beweisen und auch mit Dingen umzugehen, die man so nicht haben wollte, ist man bereit erwachsen zu werden. Eine Message, die der Film absolut behutsam erzählt und auch wenn es gegen Ende ein bisschen übertrieben dramatisch wird, so passt die Sache doch super in den Filmfluss und – nochmals – dank der tollen Bilder, surrealen Auftritte von Moises Arias und des tollen Schauspiels aller anderen Beteiligten (inklusive kurzem Gastauftritt von Alison Brie, bekannt aus „Scream 4“ und der Serie „Community“), ist der Film zu keiner Sekunde langweilig und unterhaltsam.

„The Kings Of Summer“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, ein neues Leben in den Wäldern beginnende, Punkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.