Bronson (Filmkritik)

Im Jahre 1974 überfällt der hitzköpfige,19 jährige Schägertyp Michael Person (Tom Hardy) mit einer selbst abgeschnittenen Shotgun eine Postfiliale. Er wird dafür zu sieben Jahren Haft verurteilt. Weil er sich dabei jedoch nie an die Regeln hält und immer wieder zu Gewaltausbrüchen neigt, wird er von Gefängnis zu Gefängnis verlegt und landet schließlich sogar im Irrenhaus.

Weil er mittlerweile bereits der „teuerste Häftling Englands“ geworden ist, wird er kurze Zeit darauf sogar einfach wieder entlassen. Es dauert jedoch nicht lange und Michael landet erneut hinter Gittern. In seiner kurzen Zeit in Freiheit hat er sich als Kämpfer etabliert und den Namen Charles Bronson angenommen.

Bronson sitzt mittlerweile seit 34 Jahren im Gefängnis, davon hat er 30 in Einzelhaft verbracht. Da sein Wille (und vor allem seine Fäuste) ungebrochen ist, hat er keine Aussicht darauf jemals wieder entlassen zu werden. Dies ist die Geschichte von Charles Bronson. Ein Held, auf seine ganz eigene Art.

Bronson

Ja, so geht das. Der aus Dänemark stammende Regisseur Nicolas Winding Refn ist ja spätestens seit seiner „Pusher“ – Triologie ein Spezialist für harte Kerle. Hier widmet er sich der (wieder einmal) wahren Geschichte von Englands berühmtesten Verbrecher: Michael Person aka. Charles Bronson.

Als erstes mal etwas zu Tom Hardy. 2002 hab ich ihn als bösen Klon von Jean-Luc Picard in „Star Trek: Nemesis“ kennengelernt, dann ist er mir lange nicht aufgefallen. Erst 2008 als schwuler Kumpel von Gerard Butler in Guy Ritchies „RocknRolla“. Er war in beiden Filmen gut (bzw. böse), aber in Bronson ist er wirklich großartig. Ich würde dies als eine wegweisende Performance bezeichnen, die seine Karriere nachhaltig in die richtige Richtung beeinflussen sollte.

Rein schon die gesamte Gestik von Bronson. Er ist körperlich immer angespannt, er geht als hätte er einen Stock in seinem Hinterteil stecken. Selbst wenn er eine Frau küsst, hat er die Hände zur Faust geballt und atmet so gepresst, dass man glaubt er werde jeden Moment explodieren. Überhaupt ist er eine wandelnde Zeitbombe, die förmlich ihren nächsten Auslöser sucht und natürlich auch immer wieder findet. Stillstand ist dabei keine Option, höchstens ein kurzes Zwischenspiel um sich auf die nächste (ungeplante) Aktion vorbereiten zu können. Der Wechsel von Humor auf völlig ernst ist dabei immer fließend, was auch eindeutig an Hardys Gesichtsausdrücken abzulesen ist.

Der Film selbst bedient sich verschiedener Stilmittel. Einerseits gibt es schnelle, moderne Schnitte, etwa wenn Bronsons Weg durch die Medien gezeigt wird. Nach „erfolgreichen“ Schlägerein im Gefängnis läuft das ganze Geschehen aber wiederum in Zeitlupe ab, es läuft klassische Opernmusik als Filmmusik und unser Held wird von seinen Fans (den Mitgefangenen) bejubelt für seine Taten.

Szenen wie aus einem Interview, bei denen Bronson direkt in die Kamera spricht, werden während des gesamten Filmes immer wieder handlungserklärend hineingeschnitten.
Besonders gut gefielen mir die leicht surrealen Sequenzen, in denen er auf einer Bühne steht und mit geschminktem Gesicht wie ein Phantomime dem Publikum Höhepunkte aus seinem Leben erzählt. Hier hab ich das Gefühl, dass dieser Film wohl auch als Theaterstück funktionieren könnte.

Sehr gut für den gesamten Stil des Filmes ist auch auf jeden Fall, dass hier kein Amerikaner Regie geführt hat. Einen Schläger und versuchten Mörder zum Helden zu stilisieren, geht das? Bei den Amis sicherlich nur völlig überdreht und nicht ernst zunehmen (nicht falsch verstehen, dass kann auch sehr lustig sein, aber wäre hier unpassend gewesen). Hier ist der Held also auf jeden Fall ein harter Hund, der zwar auch manchmal verzweifelt und sogar lächerlich wirkt, der jedoch immer ein ganzer Kerl bleibt, mit dem man sich unter normalen Umständen nicht anlegen sollte. Außerdem bekommen weibliche Fans einige Minuten Tom Hardy ganz nackt zu sehen (ist ja eigentlich ein Männer Film aber dieser Teil lockt dann auch die Freundin mit ins Kino, haha).

Ein Clockwerk Orange des 21ten Jahrhunderts wie es im Trailer erwähnt wurde? Für mich nicht, eher ein wilder Trip ähnlich einem Guy Ritchie Film, nur etwas ernster gemeint und gepaart mit der nötigen Dosis ruhiger Momente und sehr genau gewählten und konsequent duchgezogenen Stilmitteln.

Ein spannendes Erlebenis? Jein. Echte Spannung kommt für mich nicht auf aber das ist glaub ich nicht das Ziel des Filmes. Man findet Bronson irgendwie faszinierend, wie er in seiner kleinen Welt wütet, und man möchte unbedingt wissen, wo ihn seine Reise wohl noch hinführen wird. Angst hat man nie um ihn, dafür ist er einfach zu stark.

Für mich also einer der besten (Pseudo) Biographiefilme, die ich jemals gesehen habe.
Sehr unterhaltsam insgesamt, man kann lachen, sich ärgern oder einfach nur das Gefühl der Befriedigung geniessen, dass Bronson denen auf den Kopf haut, die ihm auf die Nerven gehen. Denn wer kennt das nicht, dass man jemanden am liebsten aus dem Fenster werfen würde, es aber nicht wirklich tut? Nun, Bronson würde es tun.

Bronson bekommt von mir 8/10 charismatische, schlagkräftige Empfehlungspunkte.


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