Best Of Worst Case: Jurassic Shark (Filmkritik)

Es ist wirklich ein Wahnsinn – da finden Bohrungen auf einer entlegenen Insel statt, jahrhundertealtes Eis bricht auf – und trotz Warnung der zuständigen Wissenschaftlerin – wird weitergebohrt. Was kommt dabei raus? Der Jurassic Shark! Welcher natürlich gleich damit beginnt alles zu fressen, was ihm in den Weg kommt.

Da sind zum einen die beiden Bikinimädchen, die den leeren Strand zum Turteln und Baden nutzen, genauso wie die Gruppe von Dieben, die ein wertvolles Gemälde geklaut haben und ihren Auftraggeber treffen wollen – und natürlich die Gruppe von Teens, die der Meinung sind, dass die Bohrfirma irgendwas illegales macht und deshalb mit der Kamera im Handgepäck deren Machenschaften aufdecken will.

Und allesamt rudern hintereinander (mit dem gleichen Boot …) über den See(!) zu der Insel. Natürlich fällt der Hai sie alle an … wie können sie nur entkommen?!

jurassic shark Bikini Boat Film

Wenn mich am Ende des Jahres jemand fragen sollte, was der trashigste Film ist, den ich 2013 gesehen habe, dann kann die Antwort bereits jetzt mit Gewissheit nur lauten: Jurassic Shark. Da kann nichts mehr kommen, was den Regeln des Trash mehr entspricht als dieser Film. Echt nicht. Vom dumm-doofen Drehbuch angefangen, über die Effekte bis hin zu Bikinigirls und allem anderen – der Film trumpft mit allem auf.

Und ganz wichtig zur Freude: Die Macher waren scheinbar tatsächlich der Meinung, dass sie einen guten Film machen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist? Kurz gesagt: Dieser Film ist ein Paradebeispiel dafür, wie schön es sein kann, sich einen Film anzusehen und gleichzeit zu wissen, dass man es selbst ohne Budget besser machen könnte. JEDE/R könnte das besser machen. OHNE Budget. Ehrlich. Deshalb – Trashfaktor 10 und Spaßfaktor 10. Zumindest wenn man an dieser Erkenntnis und der Unfähigkeit anderer Freude haben kann. Das war die kurze Fassung.

Ein klein wenig konkreter, bzw. die längere Fassung: Zuerst mal die, äh, Schauspieler-Riege: Allesamt unbekannt und ich glaube nicht, dass man jemals was von denen hören wird – außer in der gleichen Konstellation. So ist zum Beispiel die Heldin Emanuelle Carriere wirklich hübsch anzusehen (genauso wie Co-Heldin Christine Emes), aber ich glaube nicht, dass jemand anders als Regisseur Brett Kelly sie mal wirklich anheuern wird.

Was vor allem für offene Münder bei mir gesorgt hat, ist die Tatsache, dass Regisseur Brett Kelly bereits 24 Filme gemacht hat – und Jurassic Shark ist – wider Erwarten – nicht sein erster, sondern Nummer 21. Irre. Und der Typ ist kein Teenie, sondern ein erwachsener Mann jenseits der 40! Warum ich das so schräg finde? Weil ich den Film (von Drehbuch, Technik und Schnitt) einem 18jährigen Hinterhofregisseur zugetraut hätte, aber keinem erfahrenden Filmemacher.

Was gibt es also alles zu lachen:
1) Die Forschungsanlage. Die teilt sich in zwei Bereiche. Einer kommt früher im Film vor und besteht aus – einem Treppenhaus. Dort wird kurz geredet. Dann später Teil 2 – der Forschungstrakt. Eine Garage. Im Ernst. Und im Hintergrund sieht man sogar noch Papas Werkzeuge hängen – köstlich. Nebenbein ein Schild – ausgedruckt! – mit dem „Biohazard“-Zeichen, unter das jemand mit Permanent-Marker „Danger!“ geschrieben hat – wie cool ist das denn bitte!?

2) Das Drehbuch – die entlegene Insel auf welcher Eis(!) gebohrt wird ist mit sehr, sehr sommerlichen Temperaturen gesegnet – siehe Bild. Ganz abgesehen davon, dass die „abgelegene Insel“ im Hintergrund des Bildes oft Häuser und Segelboote bietet, die nicht mal so weit weg sind.

3) Dialoge, die jenseits von gut und böse sind, echt. Und ich bin viel gewohnt. Das glaubt man nicht, wenn man es nicht sieht bzw. hört. Echt nicht. Beispiel gefällig:
„If you let that painting fall – i will kill you“ – bösewichtin.
„Don’t be so mean to my brother, he’s a little slow“ – bösewicht 1.
„I don’t care. Now get on with it.“ – bösewichtin.
„Don’t talk like that about me“ – bösewicht 2.
„I am sorry, but I had to stop her. I don’t want her to kill you. I love you. You are my brother“ – bösewicht 1.
Völlig. Irre. Wäre Steven Segals Mimik hörbar, so würde sie klingen.

4) Schauspiel: Gibt es nicht. Punktum. Da wird der eigene Bruder gefressen und der Blick des Hinterbliebenen sagt eher „Die Sonne blendet mich“ und die Worte lauten „I am so sad. It killed my brother.“ Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die sich bewusst waren, wie dämlich sie klingen.

5) Schnitt: Völlig daneben. Da werden schon mal Gespräche die fünf Minuten dauern aus einer Entfernung von drei Metern gefilmt. Mit starrer Kamera. Ohne Schnitt. Da stehen sich zwei Menschen gegenüber und spulen (ohne erkennbare Emotion oder Mimik) ihren Text runter. Abartig.

6) Das Monster. Der Hai ist aus CGI und sieht in manchen Szenen echt gut aus. In Summe aber dafür echt mies. Dazu kommt, dass das Biest nicht wirklich oft vorkommt – was manche Szenen völlig belanglos macht und noch dazu nicht nachvollziehbar. Zum Beispiel kippen vier Leute ins Wassser – sie schwimmen an Land. Dramatische Musik. Drei davon klettern aus dem Wasser. Einer ist noch drin. Die Kamera zeigt die drei an Land, die teilnahmslos aufs Wasser glotzen. Dann wieder der Schwimmer. Dann die drei. Dann einer von den dreien an Land, völlig emotionslos: „Oh my god, it ate him“.
Wer hat bitte wen wann wo gefressen? War da der Hai? Wo? Was zur Hölle ist gerade passiert?

jurassic shark Bikini Film

Das könnte jetzt endlos so weitergehen, aber ich stoppe hier mal kurz, um etwas – was hoffentlich bereits klar ist – nochmals zu betonen:

Wer sich ein halbwegs logisches Drehbuch erwartet oder Schnittfolgen die Sinn ergeben, Dialoge, die tatsächlich so etwas wie Inhalt haben, SchauspielerInnen, denen man auch nur im Ansatz glaubt, was sie sagen, oder – Himmelhilf- gar so etwas wie Spannung – Finger weg. Weit weg. Ganz weit weg von diesem Film.

Gibt es allerdings jene unter euch, die sich schief lachen, wenn genau das Gegenteil der Fall ist – also Personen dramatische Dialoge führen, denen jegliches Drama fehlt, ihr euch scheckig lacht, wenn wieder einmal klar wird, dass die Garage vom Papa für einen Drehort herhalten musste, relativ rasch klar ist, dass der Regisseur (oder Kameramann) einfach einen Grund gesucht hat, um (wirklich hübsche) Frauen im Bikini zu filmen und zumindest diese mehrmals gut ins Szene setzt – seht euch diesen Film an, denn abgesehen von den Damen im Bikini hat er absolut NICHTS zu bieten. Gar nichts. Von unfreiwilliger Komik mal abgesehen.

Übrigens ist „Jurassic Shark“ wirklich Hardcore-Trash. Zwei mit mir befreundete Trashfilmfans haben sich darüber beschwert, dass er so richtig schlecht ist – man muss eben die Arroganz haben, über die Unfähigkeit anderer Leute zu lachen, dann findet man diesen Film hier super. So sehr ich mich oftmals bei Filmen von „The Asylum“ ärgern muss, weil die zwar könnten, aber einfach kein Interesse daran haben, gute Filme zu machen, so sehr habe ich hier lachen müssen, weil erkenntlich ist, wie sehr sich die Leute bemüht haben und wie wenig sie tatsächlich können. Klingt jetzt vielleicht arrogant, aber wenn ich euch sage, dass „Mega Python vs Gateroid“ im Verhältnis zu „Jurassic Shark“ in etwa so gut abschneidet wie „Avengers“ im Vergleich zu Papas Urlaubsvideo, dann wisst ihr, was euch erwartet. Wer darüber nicht lachen kann – Finger weg.

Was mich allerdings wirklich, wirklich so richtig beeindruckt ist die Tatsache, dass man diesen Film in den Handel gebracht hat – der ist käuflich erwerbbar. Was ich mir defakto in keiner Weise auch nur irgendwie erklären kann. Mein Cousin hat mal eine Hochzeit gefilmt – die war spannender gemacht, als dieser Film hier. Da war er übrigens 16. Und ich kannte das Paar nichtmal.

In Summe: „Jurassic Shark“ ist ein Witz von einem Film, der entweder die größte Persiflage (gleich nach „Birdemic“) auf Creature-Feature ist, die ich je gesehen habe, oder der mit Abstand schlechteste Film 2013. Ich wiederhole: Mit Abstand.

Die Szenen im Trailer sind übrigens die besten aus dem Film, vor allem bei 0:45 hat man stark bei Michael Bay geklaut und das ist auch die einzige(!) Szene im Film, die wirklich cool aussieht. Von den Szenen, in welchen die Kamera in Zeitlupe über die Damen streichelt (ja, das kann man echt so nennen), mal abgesehen.

Auf der IMDB hat der Film übrigens 1,5 Punkte – für Seher, die nicht meinen kranken Humor teilen, bzw keine Fans von so richtigen Trashfilmen sind, sicher noch immer um 1,4 Punkte zu viel.

„Jurassic Shark“ bekommt von mir 1,5 von 10 absolut unfähig und peinlich „ich kann nur noch lachen und mir den Bauch halten“ berührte Punkte

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: 9,5):
Der Inbegriff eines Amateurtrashfilms. Aber sowas von. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Wer für so etwas kein Interesse hat, der oder die soll die Finger davon lassen, denn hier gibt es nichts, absolut nichts, was so richtig zusammenpasst. Ein Fest für Filmanfänger, die wissen möchten, was man alles falsch machen kann.

Fazit: Für echte Trashfans ein Freudenfest. Für alle anderen ein Trauerspiel.

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