Best Of Worst Case: Mega Python vs Gateroid (Filmkritik)

Umweltaktivisten, unter der Führung von Dr. Nikki Riley (Deborah Gibson), brechen in ein Labor ein, entführen Pythons und setzen diese in den Everglades aus, damit sie in freier Widlbahn ihren Frieden finden. Allerdings ergibt das ein Problem für die Nationalparkwächterin Terry O’Hara (Tiffany), denn die Pyhtons erlegen ihre Aligatoren, was das natürliche Gleichgewicht der Everglades bedroht. Also müssen die Schlangen sterben. Ein Trupp Jäger, der nur darauf gewartet hat, endlich mal rumballern zu dürfen, bekommt die Erlaubnis mit den Schlangen aufzuräumen. Und geht drauf. So auch Terrys‘ Verlobter RJ (Kevin M. Horton). Daraufhin tickt die Dame aus, besorgt sich von einem Bodybuilder verbotene Steroide(!), spritzt diese in tote Gefrierhühnchen(!) und verfüttert diese in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an die Alligatoren(!), damit diese wachsen und sich endlich gegen die Schlangen wehren können(!!).

Was aber, wenn die Schlangen die Krokodile fressen, die auf Sterioide sind? Werden die dann nicht auch größer? Genau. Und als kurz darauf Dr. Diego Ortiz (A. Martinez) auftaucht, um der Sache auf den Grund zu gehen, ist es bereits zu spät. Alligatoren und Pythons fallen bereits gemeinsam über eine Benefiz-Party her, und räumen auf unter den Gästen gewaltig auf, nur um ihren Weg in die nächste Stadt fortzusetzen …

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(So sieht es also aus, wenn eine riesige Schlange einen Riesenalligator verspeist.)

Hin und wieder fragt man sich dann doch, wie so etwas passieren kann. Oder finanziert wird. Ich meine, wie wenig Zeit kann man eigentlich in ein Drehbuch investieren, bevor mit dem Drehen begonnen wird? Während des Ansehens der Filme in der Reihe „Best of Worst Case“, hat sich für mich langsam aber sicher eine Gruppe rauskristallisiert, welche vielleicht mal namentlich Erwähnung finden sollte: The Asylum. Das ist eine Gruppe von Leuten, die Filme machen, die a) miese Effekte haben, b) schlecht geschnitten sind und c) nur Drehbücher verfilmen, die jemand unter dem Einfluss zu starker Drogen geschrieben hat.
Gut, könnte man jetzt meinen. Den Teil mit c) machen viele Regisseure (ich sagt nur „Fear and Loathing in Las Vegas“), aber im Falle von Asylum kann sich das in Filmen wie „Mega Shark vs. Giant Octopus“ äußern, was dazu führt, dass das ohnehin schlechte Drehbuch dann noch schlecht gecastet mit mehrfach verwendeten Szenen den Bach runter geht, oder andererseits in Filmen wie „Mega Pyhton vs. Gateroid“, das mit schlechten Effekten um sich wirft, deren Hauptdarstellerinnen nur aus bestimmten Gründen im Film vorkommen (dazu später mehr) und deren Szenen an sich keinen Sinn ergeben. Die Handlung ist meist angenehm schräg und dennoch ist die Sache nicht stimmig …

Bleiben wir beim aktuellen Beispiel „Mega Python vs Gateroid“. Also, die Grundidee der Handlung ist ja an sich irre und fein. Mit gutem Willen kann man sogar noch ein wenig Umweltbewusstsein in den Film packen und alles ist gut. Es gibt sogar ein paar Szenen, die so herrlich irre sind, dass man den Film fast schon mag, wenn er dann nicht ganz drastisch bergab rutschen würde. So ist die Sequenz zu Beginn des Films, in welcher die Schlangen entführt werden, noch okay. Nicht gut, aber okay. Aber spätestens als Tiffany im Film vorkommt und zu „spielen“ beginnt ist gleich mal klar: Diese Dame wurde nur aus einem Grund gecastet: Sie ist sich nicht zu blöd, ihr Dekoltee in die Kamera zu halten. Und das war’s auch schon. Ähnliches gilt für die (ehemals berühmte) Sängerin Deborah Gibson, die vermutlich deshalb vorkommt, weil niemand außer ihr die „tollen“ Dialoge vertonen und gleichzeit Röcke anhaben wollte, die im Normalfall als Gürtel durchgehen. Also kurz gefasst: Schauspielerische Leistung: Tendenz null.

Na gut, kann man jetzt sagen, das hat ja auch niemand erwartet. Gleiches gilt für die Effekte: Vor fünfzehn Jahren vielleicht (nicht mal dann) annehmbar, aber heutzutage einfach erbärmlich. Aber okay, auch hier könnte man sagen: Das überrascht mich nicht.
Tatsache ist – und dieser Satz wird schön langsam mein Lieblingssatz – die Probleme in diesem Film haben nichts mit mangeldem Budget zu tun, sondern damit, dass hier einfach mit billigem Schrott Kohle gemacht werden soll. Zumindest wirkt es so.
Ich bitte um Verständnis, wenn ich jetzt mal kurz aushole, aber nur dann kann ich vermutlich gut erklären, warum zB: „Dinocroc vs Supergator“ in meinen Augen toll ist und dieser Film hier Müll.

B-Movies oder Trash-Movies sind ja an sich per Definition bereits Filme, bei denen man sich bewusst sein muss, dass es im Bereich Effekte, sowie Schauspiel diverse Mängel geben muss. So im Sinne von: Schauspieler/in ansehlich und talentlos. Talent, aber häßlich. Hin und wieder hat man Glück und Talent und Optik passen zusammen. Aber, was viele dieser Filme auszeichnet, ist die Bemühung der Macher, diesen Mangel an Geld und Budget durch gute Ideen auszugleichen. So zum Beispiel bei „Sharktopus„, der einige tolle, witzige Szenen enthält, oder „Insecticidal“, der so irre ist, dass es schon fast wieder weh tut. Und da geht es nicht einmal um toll erzählte Geschichten, als Trash-Freund freut man sich ja schon über kleine Variationen.

Und dann gibt es jene Filmemacher, die Filme nach der Reihe abdrehen und auf den Markt bringen, ohne wirklich mit dem Herz dabei zu sein. Zumindest wirkt es so. Wenn man sich als aktuelles Beispiel „Mega Python vs. Gateroid“ anssieht, dann fällt dieser Film klar in die zweite Kategorie.

Traurigerweise gibt es ein paar Szenen, die wirklich positiv irre geworden sind. Etwa als RJ Dr. Nikky vor der Python rettet und die Schlange ungezählte Male mit dem Auto überfährt, damit sie auch sicher tot ist, nur um dann anstatt einem „Danke“ von Dr. Nikky angepöbelt zu werden, weil er keinen Respekt vor der Tierwelt hat.
Oder als Terry die „stereoidisierten“ Hühnchen an die Alligatoren verfüttert, eine besorgte Mitarbeiterin fragt: „Are you sure you know what you are doing?“ und sie völlig OHNE IRONIE, antwortet: „I am feeding steroids to gators. What can possibly go wrong?“.
Oder die Szene als Terry von einem Bodybuilder(!) die verbotenen Steroide besorgt.
Oder als Dr. Ortiz auf die Party schleichen will und den Deputy, der ihn daran hindern soll, ablenkt, indem er vor dessen Augen(!) einen Stein aufhebt, in die Weite wirft und der Deputy die Ursache des Geräusches suchen geht.
Oder als die Party von Tieren überrannt wird und jemand schreit: „Take your guns and kill them all!“ und ALLE Partygäste nach ihren Knarren greifen. Eine Abendgesellschaft, die gemütlich tanzt, Spaß hat und entspannt ist und plötzlich ziehen alle(!) Anwesenden (jung, alt, Mann, Frau) aus irgendwelchen Teilen ihrer Kleidung Knarren hervor. Herrlich. Witzig. Fein.
Das ist abartiger Humor, wie man ihn nur aus dieser Art von Film kennt.

Mega-Python-vs-Gateroid-2(So sehen also Naturschützerinnen mit Doktorabschluss aus. Nachdem sie die Welt gerettet haben. Oder so.)

Das Hauptproblem bei „The Asylum“-Filmen ist leider oft, dass sie das ganze Geschehen zu „episch“ anlegen wollen – es ist immer die ganze Welt in Gefahr. So auch hier. Als die Tiere sich dann in die Stadt aufmachen geht der Film vollends den Bach runter, denn da jetzt viel mehr Effekte verlangt werden, wurden diese dafür schlechter gemacht. Und die „Handlung“ (räusper) driftet völlig ins Dämliche.

SPOILER
Dafür, dass keine der beiden Hauptdarstellerinnen überlebt, gebührt ihnen dann doch wieder Respekt.
SPOILER ENDE

Allerdings musste ich mir Szene am Ende des Films drei Mal ansehen, um zu kapieren, was eigentlich dabei passiert ist, da die Effekte so schlecht waren, dass ich anfangs nur Pixelbrei entdecken konnte.

Gleichzeitig gibt es dann immer wieder (zu) dumm konstruierte Szenen, die so schlecht geschnitten und gemacht sind, dass es fast weh tut. B-Movies dürfen, nein MÜSSEN irre Szenen haben, aber Patzer, wie zB ein Hubschrauber, der in einer Szene keine(!) Tür hat und nach dem Schnitt plötzlich zwei(!) Türen. Das darf auch bei dieser Art Film nicht passieren.
Ein Hubschrauber, der in sieben Variationen vorkommt wäre für mich okay, weil: Budgetproblem.
Opfer, die von den Alligatoren gefressen werden und oft von den gleichen Leuten mit anderer Kleidung gespielt werden – das dürfte sein, das wäre ein Budgetproblem.
Aber wenn ich mir offensichtlich zwei Hubrschrauber leisten(!) kann, und die dann beim Schnitt (oder Dreh) verwechsle – das ist kein Budgetproblem, das ist Schlamperei.

Der Film „Mega Python vs Gateroid“ bekommt von mir 4 von 10 die Natur aus dem Gleichgewicht bringende Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: alles):
Eine Wucht von Trashfilm! Schlimme Effekte, schlimmes Drehbuch, schlimme Darsteller! Nur für jene unter uns, die das witzig finden. Dann – aber nur dann – ist der Film ein Hammer!

Fazit: Köstlich, unverbraucht und – Hand aufs Herz – unglaublich blöd.

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