Best Of Worst Case: Sharktopus (Filmkritik)

Die Forschungseinrichtung „Blue Water“ hat die DNA eines Haifisches und eines Oktopus gekreuzt, um den namensgebenden „Sharktopus“ zu erzeugen. Und das Tier hat Potential: Da es einen Kontrollchip um den Kopf geschnallt(!) hat, kann das Militär – die Forscherin Nicole (Sara Malakul Lane) und ihr Vater Nathan (Eric Roberts) – das Tier kontrollieren. Aber bei einer Vorführung für den Geldgeber kommt es zu einem Zwischenfall: Das Kontrollteil bricht und Sharktopus ist frei. Und was macht eine gentechnisch erzeugte Lebensform, die mächtig sauer ist und endlich frei? Richtig: Sie stürzt sich aufs Buffet. Die letzte und einzige Hoffnung darauf das Biest zu stoppen ist Andy Flynn (Kerem Busin). Aber dieser arbeitet nicht mehr für Blue Water: Seitdem sie ihm seine Gehaltserhöhung nicht genehmigt haben(!) lebt er in Partyhotels und trinkt Tequila mit schönen Frauen. Aber die Pflicht ruft, also kehrt er zurück. Vor allem, weil er jetzt DOCH seine Gehaltserhöhung bekommt(!).

Sharktopus

(Was ihr in dem Film am öftesten sehen werdet: Frauen in Bikinis. Vom „Sharktopus“ mal abgesehen.)

Beginnen wir mal mit den Effekten: Die sind für einen Film wie diesen erste Sahne, denn der böse Tintenfisch-Hai sieht echt gut aus. Vor allem, da ich erst vor kurzem „Mega Shark vs Giant Octopus“ gesehen habe, komme ich nicht umhin zu sagen, dass ich positiv überrascht bin, wie gut dieses Biest geworden ist. Und es gibt viele Szenen in denen der Hai vorkommt und Leute mordet. Und es wird keine einzige Szene doppelt verwendet. Da sieht man, wie viel man aus einem eigentlich dümmlichen Film herausholen kann.

Der Film an sich ist sehr flott angelegt: Mit der Herkunft des Monsters wird nicht lange herumgefackelt. Innerhalb der ersten fünf Minuten wird das Tier vorgestellt, seine Herkunft erklärt und – schwuppdiwupp – ist er frei, um sein Unwesen zu treiben. Und der Rest des Films hält das hohe Tempo aufrecht. Die Verfolgungsjagd nach der Bestie teilt sich in zwei Bereiche auf. Einerseits wollen die Erzeuger ihn lebendig zurück haben, andererseits ist ihm die Reporterin Stacy (Liv Boughn) mit ihrem Kameramann Bones (Héctor Jiménez) auf der Spur, da sie die Story des Jahrhunderts wittert. Das gute alte Klischee eben.

Das Muster der Szenenabfolge bleibt die meiste Zeit über aufrecht: 1) Bikinimädels werden gezeigt. Und gleich anschließend vom Tintenhai zerlegt. 2) Das Forscherteam sucht das Tier. 1) Bikinimädels. Sie werden zerlegt. 3) Die Reporter werden gezeigt. 1) Bikinimädels. Zerlegt. 2) Das Forscherteam. Und so weiter. Und so fort.

Das alles passt aber so richtig schön in den Fluss des Films und es kommt zu keiner Sekunde wirklich Langweile auf. Vor allem, da die Fress- und Tötungsorgien des Monsters super ins Szene gesetzt sind. Mal wird einfach eine Bungeejumperin (die Höhenangst hat und von ihrem Freund dazu überredet wird) vom Seil gebissen, ein anderes Mal eine mit Metalldetektor am Strand nach Münzen suchende Schönheit von den Tentakeln ins Meer gezogen. Die wird übrigens von einem alten Mann beobachtet. Der völlig entsetzt ist. Und sich dann den gefundenen Schatz unter den Nagel reißt und abhaut.

Ich denke man merkt schon, wie viel Spaß mir der Film gemacht hat. Man merkt dem Film einfach an, dass alle Beteiligten viel, viel Spaß hatten, ein paar Seitenhiebe auf „Jaws“ inklusive, und ein paar der Dialoge sind mit herrlich trockenem Humor gefüllt, wobei Reporterin Stacy die besten One-Liner bekommt:
Stacy: „I would hug you, you know … if you were prettier and had better hygiene.” Sieht den Dackelblick des armen Mannes. Sie seufzt. „Ah, what the heck.“ Umarmt ihn.
Oder als sie auf den ersten Zeugen trifft: Sie richtet ihre Brüste, fährt sich durchs Haar und stellt sich vor ihm hin. Er starrt ihr auf den Busen. Ihr Kommentar: „You can stop staring at them. They are just boobs, you know. It’s not like they’re gonna jump onto the table and start dancing.”
Die Actionszenen sind zum größten Teil super gemacht und toll geschnitten und mit einem makaber-witzigen Ende versehen (siehe oben). Außerdem hat man auf den Mainstream gepfiffen und die Sache so richtig übertrieben blutig angelegt. Da werden Leute aufgespießt, kriegen den Kopf abgebissen, oder einfach zerlegt. Allerdings ist das ganze so übertrieben, dass es nicht wirklich brutal wirkt, sondern eher witzig. So macht man das richtig!

Aber es gibt auch negative Kritik und die muss ich leider zu 90% am Hauptdarsteller Kerem Busin aufhängen. Der Typ bringt es einfach nicht fertig, auch nur halbwegs glaubhaft den harten Typen zu spielen. In keiner Sekunde glaubt man ihm was er sagt oder tut. Das ist umso schmerzhafter, als dass der Rest der Truppe (allen voran Eric Roberts, Liv Boughn und Héctor Jiménez) ihre Sache mehr als gut macht. Selten so gut gespielte Rollen in einem Film dieser Art gesehen. Und das gilt sogar für die meisten Nebenrollen. Himmelnochmal, sogar die Bikinischönheit hat ihre Rolle in den zwei Minuten besser hinbekommen als der Hauptdarsteller! Von ein paar der Opfer, die unglaubwürdig Angst haben und sichtlich gegen ihr Lachen ankämpfen (siehe Bild oben), mal abgesehen.

Der Film überzeugt – nochmals: bis auf den Hauptdarsteller – von vorne bis hinten und alle, die auf gepflegetn Hochglanz-Trash des SyFy-Channel stehen, können ohne Bedenken zuschlagen.

Von mir kriegt „Sharktopus“ gentechnisch erzeugte -9 von -10 möglichen Worst-Case-Punkte. Ein nahezu perfekter Trash-Film.


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