Kingsman: The Golden Circle (Filmkritik)

Da hatte jemand Glück. Mit seiner neuen Liebe Tilde (Hanna Alström) läuft bie Eggsy (Taron Egerton) alles gut und auch als Kingsman hat er sich seine Sporen dank Weltrettung redlich verdient. Einziges Manko: Harry (Colin Firth) ist gestorben.

Aber sehr lange dauert es nicht, bis Eggsy wieder auf Probleme stösst, denn ausgerechnet ein alter Bekannter (der von den Kingsman abgelehnt wurde), taucht wieder auf und plötzlich – plötzlich existieren die Kingsman nicht mehr.

Nach kurzer Trauerphase ist allerdings schnell klar: Hilfe muss her. Und die Welt muss erneut gerettet werden. Dieses Mal vor … ja, wer oder was zur Hölle ist der „Goldene Kreis“?

Matthew Vaughn. Der gute Mann hat als Filmproduzent begonnen und sich dann irgendwann gedacht, dass er vielleicht auch Spaß dabei hätte, Schauspieler durch einen Film zu dirigieren. Da kam dann sein erster Film „Layer Cake“ zustande, der ja nicht nur Tom Hardy zu gewisser Bekanntheit verhalf, sondern auch einen mittlerweile eher bekannten Mann namens Daniel Craig mehr oder minder nach oben katapultierte.

Bis jetzt hat Mr. Vaughn genau sechs Filme gedreht und bis dato ist kein schlechter Film dabei. Mein erstes Zusammentreffen mit ihm war „Stardust“, die Romanverfilmung von Neil Gaiman, der mir (als Fan des Buches) sehr gut gefallen hat. Dann kam der grenzgeniale „Kick-Ass“ und gleich danach hat er das totgeglaubte X-Men-Franchise mit „First Class“ wiederbelebt.

Anstatt der Serie treu zu bleiben hat er aber einen Haken geschlagen und so neben einen Agententhriller-Actionfilm gedreht, der – Hand aufs Herz – gar nicht so weit von Kick-Ass entfernt war. Optik, Farben, Sprüche, Action und auch die Härte und Brutalität der Action – „Kick-Ass“ und „Kingsman“ sind sich gar nicht so unähnlich.

Außerdem dürfte Hr. Vaughn beim ersten Teil so viel Spaß gehabt haben, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere einen zweiten Teil gedreht hat. („Kick-Ass 2“ hat er nur produziert – und der war Mist).

Was erwartet also die Zuseher*innen von „Kingsman: The Golden Circle“? Nun, im Prinzip mehr vom gleichen. Das war’s. Ende der Geschichte. In diesem Fall allerdings meine ich das grundsätzlich positiv, denn auch wenn Highlights (wie die Kirchenszene im ersten Teil) fehlen, so ist der Nachfolger über zwei Stunden lang und dennoch keine Sekunde lang langweilig. Schade nur, dass die genial-abgedrehten Figuren aus Teil 1 einfach trotzdem alle einen Tick spannender waren als die neuen Figuren.

Zugegeben: Die Charakterentwicklung ist nicht so drastisch wie im ersten Teil, aber auch beim „Golden Circle“ hat Eggsy ein paar Dinge zu lernen. Ich fand es zum Beispiel toll, wie seine Beziehung zu Prinzession Tilde eingeführt wird (Wortspiel!) und das sie mehr ist, als nur der „Hintertür-Scherz“ aus dem ersten Teil. Taron Egerton spielt Eggsy überzeugend und macht sowohl in den Actionszenen als auch in allen anderen Szenen eine gute Figur.

Mark Strong ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben, der ist großartig wie beim letzten Mal (auch wenn ich es hasse, was mit ihm passiert). Julianne Moore hat scheinbar viel Spaß bei ihrer Rolle als Poppy und ihre durchgeknallte Basis mitten im Dschungel ist einfach super. Die Rückkehr von Harry (das ist kein Spoiler, das ist im Trailer) ist ohnehin super und ich bin beeindruckt, wie unterschiedlich Menschen nur aufgrund ihrer Sprache und ihrer Körperhaltung wirken können – der Mann ist toll.

Die Neuzugänge sind witzig, würde aber kein Mensch brauchen. Halle Berry nervt nicht (was sie sonst meistens tut), Jeff Bridges ist cool, hat aber eigentlich nur Mini-Auftritte, Channing Tatum mag toll aussehen, aber viel vorkommen tut er nicht und Pedro Pascal ist cool und hat einen coolen Akzent, aber er ist halt trotzdem ein Klischee-Cowboy mit Springschnur (hehe).

Die Rollenumkehr von Eggsy und Harry ist fein, aber erwartet. Die „Funktionsfehler“ von Harry aus dem Lehrbuch, passen jedoch zur Story. Und das Highlight ist Elton John, der viel länger vorkommt als erwartet und gegen Ende so richtig aufdrehen darf.

Allerdings – und das ist schade – reicht „The Golden Circle“ aufgrund seiner mangelnden Charakterentwicklung dem Vorgänger nicht das Wasser. Es ist immer noch ein unterhaltsamer Film mit super Ideen, einer umwerfenden Optik, Kamerafahrten, die gar nicht möglich sein dürften und Figuren, die wir seit dem Vorteil lieben dürfen (quasi der „Guardians Of The Galaxy“ der Agententhriller) und deshalb sieht man dem Film auch seine (vielen) Anschlussfehler und andere Kleinigkeiten nach.

Alles in allem ist „Kingsman: The Golden Circle“ kein Meilenstein der Filmgeschichte (was der Vorgänger in meinen Augen war), aber eines bleibt immer noch wahr: Matthew Vaughn hat noch nie einen schlechten Film gedreht.

Die Action ist an manchen Stellen großartig übertrieben und extrem cool, aber halt leider nie dermaßen beeindruckend wie im ersten Teil und das man so viele Charaktere in einem einzigen Film ins Jenseits schickt finde ich schade, aber hey – so ist das nunmal bei Sequels. Die Szene mit dem „Peilsender“ war übrigens von der Kamera her absolut neu – aber soweit ich das anahnd es Publikums rundherum nach dem Film beurteilen konnte, klar die einzige wirklich schwer diskutierte Szene. Aber hey – das ist Matthew Vaughn: Der macht das, weil er es machen kann. Und Punkt.

„Kingsman: The Golden Circle“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, aufgrund des unglaublichen Charmes aller Beteiligten über die kleinen Fehler hinwegsehende, Punkte.

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