Kick-Ass 2 (Filmkritik)

Nachdem sein Vater von Kick-Ass (Aaron Tayler Johnson) und Hit-Girl (Chloe Grace Moretz) getötet wurde, hat Chris D’Amico Rache geschworen – einzig seine Mutter hindert ihn daran. Als er sie bei einem Wutanfall versehentlich über den Jordan schickt, und er beim Ausräumen ihres Zimmers Lack & Leder-Klamotten findet, tickt er völlig aus, baut sich aus ihrem „Spielzeug“ ein Kostüm und nennt sich fortan „The Motherfucker“. Sein Ziel: Der erste Super-Bösewicht der Welt zu werden und mit seiner rekrutierten Armee Kick-Ass, Hit-Girl und alle ihre Freunde vernichten …

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So in etwa kann man die Handlung vom zweiten Teil des Mega-Hits „Kick-Ass“ zusammenfassen. Offen gesagt halte ich „Kick-Ass“ bis dato für die beste Superhelden/Comic/Verfilmung bzw. Satire, die ich gesehen habe. Ein Film der fast nicht besser sein könnte – in all seinen Facetten. Die Vorfreude auf einen zweiten Teil war dementsprechend groß.

Den ersten Dämpfer habe ich erhalten, als ich gelesen habe, dass der Regisseur des ersten Teils Matthew Vaughn (immerhin „Stardust“, „X-Men: First Class“) durch den mir unbekannten Jeff Wadlow („Cry_Wolf“) ersetzt wurde, der noch dazu am Drehbuch mitgeschrieben hat. Auch im Vorfeld für Aufsehen gesorgt hat, dass Jim Carrey (der Colonel Stars And Stripes darstellt) sich nach Ende der Dreharbeiten von der Gewalt im Film distanziert hat. Ich habe es nicht verstanden, denn auch Teil 1 ist ja nicht unbedingt etwas für zart besaitete Gemüter. Jetzt habe ich den Film gesehen und ich verstehe seine Reaktion – aber dazu später mehr.

Aaron Taylor-Johnson (der sich halbwegs Muskeln antrainiert hat und mehr als eine Chance nutzt, um das auch zu zeigen) und Chloe Grace Moretz spielen ihre Rollen souverän, aber eben auch belanglos – ihre Teile der Story (Hit-Girl soll aufhören Hit-Girl zu sein, Kick-Ass sucht sich neue Superhelden und gründet eine Gang) sind schlichtweg langweilig und nicht gut ausgearbeitet. Vor allem die charakterliche Entwicklung von Hit-Girl macht nach der ersten halben Stunde eine krasse Kurve nach unten – Junge Mädchen mit einem Kotzgerät dazu bringen, dass sie sich übergeben und vor allen anderen anschei … äh, ja. Und das dann damit begründen, dass sie eine Superheldin sei? Nein, danke.

Die Armee von „The Motherfucker“ wird cool vorgestellt und eingeführt, dann aber nur noch zu Kanonenfutter degradiert und außer „Mother Russia“ ist keine der Figuren erwähnenswert – und diese auch nur, weil sie einfach brutal ist. Wirklich brutal. Das gilt für den ganzen Film – ich will nicht spoilern, aber es gibt ein paar Tote, die wirklich emotionale Wendepunkte hätten sein können, die mich als Zuseher hätten treffen müssen – leider stand die Inszenierung dem Ganzen im Weg, denn ich war abgestoßen von der Art wie es gezeigt wird und nicht von dem betroffen was gezeigt wird.

Für mich hat bei „Kick-Ass“ die ausgeklügelte Balance zwischen Realismus und Abgehobenheit für wohlige Schauer gesorgt. Der Film war hart und direkt, keine Frage – aber die Message dahinter war klar. Es war kein „Brutalitätsporno“, wenn ich das so nennen darf. Und genau hier sitzt das Problem, das Jim Carrey mit dem Endergebnis gehabt haben dürfte. Ich verstehe ihn, denn mir geht es genauso:

Der Film verkommt zu einem Feuerwerk an Peinlichkeiten ohne Charakterentwicklung und brutalen Einlagen um der Brutalität willen. Dabei vergessen die Macher völlig, dem ganzen Sinn zu geben und so etwas wie Emotion zu erzeugen. So sehr ich Hit-Girl im ersten Teil als geniale Figur empfand, so geht sie mir im zweiten gehörig auf den Keks. Auch Kick-Ass bleibt weit hinter dem zurück, was man aus seiner Figur hätte machen können – aber immerhin bleibt er sympathisch. Einzig „The Motherfucker“ hat eine Charakterentwicklung vor sich und auch eine wirklich heftige emotionale Szene (ich sage nur: Gefängnis), die mich echt getroffen hat. Das tut doppelt weh, denn es zeigt, dass der Film absolut Potential gehabt hätte, seinem grandiosen Vorgänger gerecht zu werden. Die erste halbe Stunde des Films ist auch noch völlig in Ordnung (das Training von Kick-Ass und Hit-Girl, der erste Feldversuch, usw.), da scheint die Genialtät des ersten Teils durch – und dann geht es bergab. Spätestens bei der „Hit-Girl“ tanzt für die Cheerleaderinnen-Szene war die Sache unrund.

Das Drehbuch ist leider völlig in die Hose gegangen. Das ist doppelt schade, denn – wie gesagt – Teil 1 bleibt einer meiner absolute Lieblingsfilme. Jeff Wadlow versagt für mich auf so vielen Ebenen, dass ich gar nicht genug Platz habe, hier alles aufzuschreiben. Die Inszenierung von an sich spannenden Szenen ist langweilig geraten (Schlusskampf), emotionale Szenen, die wirklich, wirklich hätten sitzen können wurden so gestaltet, dass sie ob ihrer Brutalität abschrecken, aber nicht ob ihrer Bedeutung für die Figuren mitreißen, und ein paar der Actionszenen wurden vermutlich einfach nur eingebaut, weil sich irgendjemand dachte wir brauchen mehr brutale Szenen (Stichwort: Polizeiautoschlange).

War Kick-Ass ein Film, der von seiner Handlung getrieben wurde, dessen Charaktere mir am Herzen lagen (Big Daddy!) und der mich trotz all der brutalen Szenen emotional mitreißen konnte, so ist Kick-Ass 2 das genaue Gegenteil – ein Film, der mich kalt lässt, abstößt und der noch dazu langweilig geworden ist. Schade. So zerstört man eine potentielle Franchise.

Von mir bekommt „Kick-Ass 2“ schweren Herzens 3 von 10 möglichen Punkten.

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