I Spit on your Grave 2 (Filmkritik)

Katie (Jemma Dallender) arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant in New York. Um ihren Traum von der Model-Karriere endlich vorantreiben zu können, benötigt sie unbedingt ein neues Portfolio. Da ihre Geldsituation nicht gerade rosig aussieht, nimmt sie ein Angebot der Marke „etwas zu schön um wahr zu sein“ an und landet im Studio einer bulgarischen Familie, die die Fotos für sie gratis machen wollen.

Als Katie jedoch mehr Kleidung ablegen soll als ihr lieb ist, bläst sie die ganze Sache ab und ergreift kurzerhand die Flucht. Einer der Männer dort, der etwas zurückgeblieben wirkende Georgy, hat sich jedoch in sie verliebt und folgt ihr nach Hause. Was Katie dann erwartet, ist schlimmer als der Inhalt ihrer ärgsten Alpträume, denn ihre Tortur beginnt mit Vergewaltigung und Folter und endet damit, lebendig begraben zu werden.

I Spit on your Grave 2

Nachdem es „I Spit on your Grave„, das Remake des gleichnamigen Originals aus dem Jahre 1978, auf die Indexliste in Deutschland geschafft hat, folgt nun ebenfalls unter der Regie von Steven R. Monroe, der inhaltlich zwar verschiedene doch von von der Formel her indentische zweite Teil. Horrorfilm-Subgenres gibt es ja sehr viele. Ein paar Beispiele? Von Trash (Sharknado), über Komödie (Fright Night), Splatter (Texas Chainsaw), Grusel (Insidious), Gore (Evil Dead) bis hin zu dem hier vorliegenden Tortur/Rachethriller wie etwa „The Last House on the Left„, hier ist für jeden Typ was dabei.

Manchmal sollen Horrorfilme aber genau eines machen und das ist abschreckend sein. Da tritt einen das Gezeigte solange in die Magengrube und knüppelt „normale“ Emotionen nieder, bis nur mehr ein taubes Gefühl Körper und Geist beherrscht. Ob man sich darauf einlassen will, bestimmt am Besten jeder für sich selbst und zwar schon vor dem „Filmgenuss“. In dieser Fortsetzung zeigt sich jedenfalls wieder mal, dass eine Steigerung dem Original gegenüber möglich ist, ohne dabei einen schlechteren weil nur auf Schockeffekte abzielenden Film zu produzieren.

Das Böse sind nun nicht mehr die Hinterwäldler aus dem eigenen Land, sondern die Gefahr aus dem Ausland – um genau zu sein aus Bulgarien – läuft hier zu unmenschlichen Höhepunkten auf. Natürlich kann man sich jetzt die Frage stellen, warum Katies Tortur beinahe doppelt soviel Zeit in Anspruch nimmt, wie ihre doch recht zügige Racheaktionen, wenn es doch eigentlich genau darum gehen sollte. Soll noch mehr Wut auf ihre Peiniger geschürt werden? Muss Katie trotz brutaler Tötungsaktionen immer das gute Opfer bleiben und nie zum bösen Täter mutieren? Im Prinzip kann man sich das alles fragen, doch ob der Film darauf abzielt, wage ich zu bezweifeln.

Was neben der beinahe schon obligatorischen Vergewaltigungsszene kommt, sind der Einsatz einiger Elektroschocks gepaart mit zahlreichen geballten Fäusten. Der Mensch als Ware, als Spielzeug, als Werkzeug um dem eigenen Sadismus zu frönen, um gleich danach wieder zu Hause heile Familie spielen zu können. Zynisch? Ja, sicher, aber realitätsfremd? Hm… hoffentlich ja kann ich da nur sagen. Gekonnt wird man als Zuschauer somit zum Finale geführt, bei dem man alles was den Tätern passiert, gerechtfertigt findet. Im Vergleich zu Teil 1 hatte ich hier keinerlei Mitleid. Ja, genau so schlimm ist das Gezeigte der ersten zwei Drittel Film.

Mein Respekt gilt Jemma Dallender, die einen wirklich langen Zeitraum lang ihren Part nackt beschreitet und einen dazu passenden Seelenstriptease hinlegt, der seinesgleichen sucht. Wenn sie schreit, dann leidet man mit ihr und auch in den extremeren Parts, wirkt sie dabei nie lächerlich. Wenn sie am Ende wegen ihrer Wut stellenweise ausflippt, dann kann man das zwar als overacten bzw. über das Ziel hinaus schiessen bezeichnen, doch wer wagt denn zu behaupten er wisse wie man agiert, nachdem man das erlebt hat, was sie erdulden musste? Wenn sie in diesem Genre bleiben sollte, kann sie sicherlich eine der großen Horrorqueens werden.

Was ihre Gegner angeht kann ich auch nur Positives berichten, denn jeder einzelne kommt unheimlich negativ rüber. Der triebgesteuerte Depp, der ohne Moral agierende Egoist, der nach außen brave Familienvater und das sich für schlauer als alle anderen haltende Arschloch (sorry, aber genau das ist er). Ergänzend zum perfekten Casting tun die tollen Effekte ihr übriges um das ungute Gefühl hier ständig aufrecht zu erhalten. Ich sag mal – fast ohne Spoiler – so, aber man sollte weder seinen Kopf überall hineinstecken, noch alles schlucken und sich beim Nussknacken unbedingt am richtigen Ende des Werkzeugs befinden.

Was bleibt ist ein unheimlich intensiver Film, der seine alptraumhafte Wirkung nur entfalten kann, wenn man sich darauf einlässt. Der eigentliche Sinn des Filmes ist es wohl zu schocken und das tut er, Moralfragen wird dabei kein Raum gegeben und natürlich bleibt das Wissen, das Menschen in Wirklichkeit zu noch viel schlimmeren Taten fähig sind. Die wahre Kunst war es hier, das mir so schnell nichts Schlimmeres eingefallen ist. Ein Terrorfilm eben, der funktioniert.

„I Spit on your Grave 2“ bekommt von mir 7,5/10 unheimlich unbarmherzige, unmenschliche Empfehlungspunkte.


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