Texas Chainsaw 3D (Filmkritik)

Nach den Morden an einigen Jugendlichen durch Jedidiah „Jed“ Sawyer (Dan Yeager), rächen sich die Einwohner der kleinen texanischen Stadt Newt und bringen ihn und die gesamte Familie des Killers um, indem sie deren Haus zerschiessen und niederbrennen. Nur ein kleines Baby überlebt und wird von einem kinderlosen Paar als ihre eigene Tochter aufgezogen.

Jahre später ist Heather (Alexandra Daddario) eine erwachsene Frau und bekommt von ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter einen Brief in dem sie erfährt, dass ihr ein Haus vererbt wurde. Geschockt und traurig angesichts der Tatsache, dass sie ihre „Eltern“ jahrelang belogen haben und sie nie etwas über ihre Blutsverwandten erfahren hat, macht sie sich mit drei Freunden auf nach Newt. Die anfängliche Freude über das schöne Häuschen weicht schon bald dem blanken Terror, denn Heather ist nicht die einzige Person der Sawyer Familie, die den Brand damals überlebt hat.

Texas Chainsaw 3D Film

Nach dem Original aus dem Jahre 1974 und dessen drei Fortsetzungen sowie dem Remake/Reboot aus dem Jahre 2003 und dessen Vorgeschichte, ist dies nun also der siebte Teil der Horrorfilmreihe rund um den schweigsamen Killer Leatherface. Dieser neueste Streifen widmet sich direkt der Weiterführung der Ereignisse, die im ersten „The Texas Chain Saw Massacre“ passiert sind und ignoriert alle weiteren Teile. Um genau beschreiben zu können warum mir der Film gefallen hat, ich aber auch verstehen kann, warum ihn viele nicht mögen, muss ich nun teilweise zu ein paar storytechnischen Spoilern greifen.

Wer glaubt, dass dieser Film dem Genre oder wenigstens dieser Reihe neue Impulse gibt, der liegt einerseits falsch, aber dann auch wieder doch nicht. Zunächst mal zu offensichtlichen Änderungen im Bezug auf die Vorgänger. Der von mir ach so geliebte 3D Effekt. Der ist zwar unnötig und außer ein paar netten Szenen verkommt er völlig zum „spring aus deinem Sessel vor Schreck“ Selbstzweck. Aber gut, er sieht wenigstens ganz gut aus. Weiters fällt auf, dass erstmals das Wort „Massacre“ nicht mehr im Titel vorkommt. Dies lässt darauf schließen, dass hier nicht versucht wurde, die Gewaltschraube in neue Höhen hinauf zu drehen.

Würde ich den Film als reinen Slasher sehen, dann kann ich ihn – was die Morde an sich betrifft – nur als völlig beliebig bezeichnen. Was mir aber gefallen hat ist einerseits die eindeutige Anwendung der Regeln des Horrorfilmes, doch dann auch wieder das Brechen mit ihnen das so wirkt, als hätte man eben mal kurz absichtlich darauf vergessen. Der Dieb, die Schlampe, der untreue Freund? Klar, die müssen sterben. Am brutalsten stirbt dann aber der nette Kerl, der eigentlich nichts falsch gemacht hat. Die macht doch alle Leatherface fertig, richtig? Eigentlich logisch, doch nicht immer so direkt, wie man dies annehmen könnte.

Dass man von den Jugendlichen keinem den Tod wünscht sondern sie einfach nur egal für den Zuschauer sind, das störte mich überhaupt nicht. Die müssen eben dabei sein, weil sie zu so einem Film gehören, es geht aber um ganz was anderes. Und genau so wirkt es dann auch. Einzig und allein Heather mag man, fühlt mit ihr und grinst bei ihrer Weiterentwicklung, die schließlich zum langersehnten Wiedersehen mit ihrem Cousin Jedidiah führt. Jaja, manchmal sind Familienzusammenführungen eben wirklich was ganz Spezielles.

Womit ich zur größten und vielleicht auch mutigsten Änderung komme: Leatherface wird vor allem gegen Ende zu einer Art kindlich verlorenem Antihelden stilisiert, der sich im Prinzip ja nur für die Morde an seiner Familie rächen will und ungebetene Gäste eben gerne endgültig beseitigt. Der brutale Killer ist plötzlich nicht mehr das ultimative Böse, weil er doch nur Teile der ungerechten, Selbstjustiz liebenden, texanischen Gesellschaft bestraft? Ihr findet das zynisch? Nun, das ist es auch, wobei unser Liebhaber der ledernen Gesichtshaut dabei nie seinen Schrecken einbüßt und sich und Heather so ein Ende bereitet, das mir ziemlich gut gefallen hat.

Mit dem größten Logikfehler hier braucht ihr mir jetzt auch nicht zu kommen, denn ich weiß, dass Heather eigentlich von der Chronologie der Geschichte her ungefähr 40 Jahre sein müsste, Alexandra Daddario (Percy Jackson) aber um mindestens zehn Jahre jünger aussieht. Macht nichts, sie macht ihre Sache nämlich sehr gut, egal ob sie nun gerade fröhlich ist, verzweifelt, traurig, vor Angst schreiend oder ihren leicht irren Blick aufsetzt, von mir aus kann sie gerne öfters wo mitspielen, bei ihr passen Optik und Schauspielkunst einfach zusammen.

Ansonsten zeigt sich Tania Raymonde (Death Valley) von ihrer sexy Seite, Paul Rae ist als Bürgermeister richtig schön schleimig und skrupellos und Dan Yeager spielt Leatherface mit beeindruckend physischer Präsenz. Der Rest vom Cast fällt zwar auch nicht negativ auf, bleibt aber nicht wirklich länger im Gedächtnis. Soll er wohl auch nicht, für mich hat Regisseur John Luessenhop (Takers) hier eindeutig die Story von einem Killer und seiner Cousine erzählt und genau die beiden sind wichtig. Der Rest sind nur Außenfaktoren, die sie schließlich zusammenführen.

Schön gefilmt, mit kreativen Farbfiltern unterlegt, einem pushenden Soundtrack versehen, einem für diese Art Film doch eher geringerem Gewaltgrad und einer starken Hauptdarstellerin im Gepäck ergibt dies so einen Film, den ich, wenn ich daran denke was für mich daran funktioniert hat, nicht klar einordnen kann. Vielleicht kann man es aber doch sowieso aus meiner Kritik herauslesen. Horror- bzw. Slasherfans können hier auf jeden Fall einen Blick riskieren, wer aber auf zahlreiche harte Szenen steht und auf nervenzerrende Spannung hofft, der wird sicherlich enttäuscht werden.

„Texas Chainsaw 3D“ bekommt von mir 7/10 für die Familie über zahlreiche Leichen gehende Empfehlungspunkte.

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