From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money (Filmkritik)

Als der Kleinganove Buck (Robert Patrick) von seinem gerade der Polizei entflohenen Kumpel Luther (Duane Whitaker) einen Anruf bekommt, scheint für ihn endlich die Zeit ohne Geld zu Ende zu gehen. Schnell sind drei ebenso mit ihren Leben nicht gerade glückliche Freunde gefunden, die gemeinsam mit Buck nach Mexiko düsen, um dort in einem Hotel auf Luther zu warten, der einen für alle Beteiligten lukrativen Überfall geplant hat.

Auf seiner Anreise wird Luther jedoch von einer Fledermaus angefallen und verwandelt sich im weiteren Verlauf in einen Vampir. Kein Grund die Pläne zu ändern, denn schließlich können doch auch Untote Geld gut gebrauchen, oder etwa nicht? Schon bald gerät der gemeinsame Diebstahl aber völlig außer Kontrolle und Buck hat es neben einer Armee von Polizisten, auch noch mit seinen zu Vampiren mutierten Ex-Partnern zu tun. Und der Tag hätte so gut begonnen für Buck.

From Dusk Till Dawn 2 Texas Blood Money

Drei Jahre nachdem George Clooney sich gegen blutrünstige Vampire in „From Dusk Till Dawn“ zur Wehr setzen musste, folgte im Jahre 1999 unter der Regie von Scott Spiegel (Hostel 3), seines Zeichens jahrelang schon ein Kumpel von Sam Raimi und Unterstützer von Quentin Tarantino, die Fortsetzung auf DVD. Abgesehen von der Vampir-Thematik an sich und dem damit verbundenen Design, haben die beiden Filme fast gar nichts miteinander gemeinsam. Nur eine veränderte Version der Titty Twister Bar kommt kurz vor und Danny Trejo spielt dieses Mal statt Razor Charlie, Razor Eddie. Sein Bruder? Cousin? Keine Ahnung, ist für die Handlung auch völlig egal, weil er wieder nur eine kleine Nebenrolle hat.

Immerhin noch von Rodriguez und Tarantino produziert, bringt die Verbindung mit Raimi zu Beginn in einer Film im Film Sequenz ein Wiedersehen mit Horror-Kultstar Bruce Campbell, der aber leider verschenkt wird und Tiffani-Amber Thiessen, mit der dann auch gleich prominent geworben wurde für den Film, obwohl sie keine fünf Minuten dabei ist. Leider zieht sich das zwiespältige Grundgefühl durch den gesamten Film durch, dass hier zwanghaft versucht wurde, mit der Coolness des ersten Teiles mithalten zu können, was aber überhaupt nicht gelingt. Mir ist zum Beispiel kein einziger der Sprüche hier im Gedächtnis geblieben ist.

Aber gut, wenn ich den zwar gerechtfertigten aber nicht ständig notwendigen Vergleich mit dem Original weglasse, dann gibt es noch immer einige Probleme, die den Spass dämpfen und vor allem das Aufkommen von Spannung verhindern. Abgesehen von Buck, den man hauptsächlich wegen Robert Patricks liebevoller „Schlitzohr-Darstellung“ schnell ins Herz schliesst, sind hier absolut alle Figuren unsympathisch oder langweilig. Dadurch hat man auch um Niemanden Angst, denn auf die für den Film vernichtende Idee Buck frühzeitig umzubringen, ist dann doch keiner der Verantwortlichen gekommen (und nein, das zu erwähnen definiere ich nicht als Spoiler).

Zahllose Polizisten mit Maschinengewehren und anderen Schusswaffen, die sich von vier Vampiren alle ausnahmslos töten lassen während im ersten Teil zahlreiche Untote mit guter alter Handarbeit und weit weniger effektiven Waffen reihenweise beseitigt werden? Sorry, schon wieder ein Vergleich. Was ich sagen will: größer ist nicht immer gleich besser, denn dieses Gemetzel dauert einfach zu lange und ist nicht dynamisch inszeniert, sondern wirkt irgendwie hölzern und langweilt. Die Verwandlungen an sich fallen auch eher mager aus, denn neben der Transformation in eine Fledermaus, was natürlich immer Off-Screen passiert, zeigen die Blutsauger höchstens ihre langen Zähne und leuchtenden Augen. Wenigstens ist die Gewaltschraube nicht weiter angezogen worden, hier wurde sozusagen eher der bereits etablierte Standard gehalten.

Kreativ und irgendwie anders, für manche aber wohl auch gewöhnungsbedürftig, sind die Kameraeinstellungen. Die Sicht innerhalb des Vampirmundes beim Zubeissen? Blick aus einer hohlen Stange, auf der gerade wer aufgespiesst wird? Ein Ventilator, der offensichtlich im Eck steht, doch beim Schwenken im Bild bleibt und irgendwann dann von selbst hinaus wandert? Aus den Augenhöhlen gucken, während der Körper gerade verbrennt? Die Liste wäre hier noch um einiges länger und auch wenn diese optischen Gags wohl nicht jedem Menschen gefallen dürften, es ist mit Abstand das Eigenständigste, dass dieser Film auf die Beine gestellt hat.

Robert Patrick (Gangster Squad, Autopsy) macht seine Rolle des spitzbübischen Gangsters Buck sichtlich Spass, einige seiner Szenen gehören dann auch zu den unterhaltsamsten Aktionen des gesamten Abenteuers. Übrigens hat der gerade aktuell in der „From Dusk Till Dawn – Serie“ den Part des Vaters übernommen, den Harvey Keitel im ersten Film gespielt hat. Finde ich interessant und irgendwie sympathisch, dass er nach so vielen Jahren, zur Franchise zurückgekehrt ist. Die restlichen Darsteller sind entweder eher schwach oder fallen nicht in irgendeiner Form auf, abgesehen von Muse Watson (The Last Exorcism 2) als ein Teil von Buck´s Crew, der als chronischer Pechvogel markante Sprüche auf Lager hat und einfach weiß, was bei Pornofilmen wichtig ist.

Im Laufe der Jahre habe ich einige Billig-Vampirfilmchen gesehen, die eindeutig schlechter sind als dieser zweite Teil. Auch wenn das Original vielleicht nicht als guter Film durchgeht (was er auch nicht sein will), zahlreiche seiner Bestandteile sind einfach wirklich stark und funktionieren. Hier aber nicht. Als Lehrstück über „wie wirkt man zu bemüht cool, versagt damit aber auf ganzer Linie“ ist dieser Film gut zu gebrauchen. Kennt man den ersten Teil nicht oder hat man Bier und Freunde bei sich und will einfach nur Spass haben, dann könnte dies aber durchaus auch klappen. Eine kurze Gaudi für Zwischendurch, schnell wieder vergessen und ohne jegliches Kult-Potential, doch wie bereits erwähnt, es geht auch noch deutlich schlechter und liebloser.

Der bald darauf folgende dritte Teil, die Vorgeschichte zum Original mit dem Zusatztitel „The Hangman´s Daughter„, ist für mich übrigens aus teilweise ähnlichen Gründen aber auch noch ein paar weiteren eigenständigen Problemen, noch eine Spur schwächer als dieser zweite Teil.

„From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money“ bekommt von mir 5/10 Vampire als die besseren Bankräuber erkennende Empfehlungspunkte.

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Ein Gedanke zu „From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money (Filmkritik)

  1. Kann Dir im Grunde nur zustimmen. Die ewig lange Schießerei am Ende lädt förmlich zum Vorspulen ein. Dafür haben mir die Kamera-Spielereien sehr gut gefallen.
    Wo ich aber anderer Meinung bin: den dritten Teil finde ich tatsächlich eine Spur besser und einfach auch unterhaltsamer.

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