Leatherface (Filmkritik)

Vor zehn Jahren – im Jahre 1955 – verlor Sheriff Hartman (Stephen Dorff) seine Tochter durch ein grausames Verbrechen. Er konnte der Familie zwar nichts nachweisen, dennoch nahm er dem Oberhaupt der Familie Verna (Lily Taylor) den jüngsten Sohn Jed weg und ließ ihn in ein Irrenhaus stecken. Die jungen Leute bekommen dort neue Namen und werden vor ihren Angehörigen geschützt.

Dennoch ist Verna auch heute noch dahinter, ihren Sohn wieder zu bekommen. Als durch sie ein Aufstand in der Anstalt entsteht, können Jackson (Sam Strike) und drei der anderen Patienten flüchten und sie nehmen dabei gleich auch noch die neue Krankenschwester Lizzy (Vanessa Grasse) als Geisel. Natürlich bekommt auch Hartman Wind von der Sache und er hat nicht vor, die Jugendlichen lebendig wieder „zu Hause“ abzuliefern.

Alles begann im Jahre 1974 mit dem ersten „The Texas Chain Saw Massacre“ Film von Tobe Hooper. Es folgten vier Fortsetzungen und im Jahr 2003 schließlich dann ein Remake plus das anschließende Prequel. Zuletzt kam 2013 „Texas Chainsaw 3D„. Da man alle paar Jahre einen Film drehen muss um die Rechte an einer Franchise zu behalten, wurde 2017 die Entstehungs-Geschichte des legendären Killers Leatherface inszeniert. Die Produktion dauerte jedoch zu lange.

Mittlerweile haben Legendary Pictures die Rechte erworben und planen einen weiteren Film und eine Serie. Dieser bisher letzte Beitrag des Franchise, wurde von den Franzosen Alexandre Bustillo und Julien Maury inszeniert, die sich mit Inside, Livide und Among the Living bereits einen Namen als abseits des Mainstream agierende Genre-Regisseure gemacht haben. Nun aber die große Frage: braucht jemand wie Leatherface einen ganzen Film, damit wir ihn besser verstehen?

Nun, Killer in solchen Filmen sind ja immer rein böse (auch wenn sie durch Ungerechtigkeiten zu dem geworden sind) oder sie verkommen zu einem Gimmick dem man zujubelt, wenn wieder ein saublöder Teenager stirbt. Das ist am Ende des Filmes definitiv nicht der Fall. Im Prinzip hatte er dank seiner kranken Familie nie eine Chance auf Normalität, obwohl es während des Filmes, durchaus auch Hoffnungsschimmer gibt.

Das ist dann auch ein klarer Bonus dieser Story, dass sie typische Genre-Bestimmungen nimmt und diese leicht abändert. Hier sind zwar wie immer junge Erwachsene auf der Flucht, doch mindestens drei von ihnen, sind selbst Killer, die wieder eingesperrt gehört sollten. Nur die von ihren Idealen geleitete Krankenschwester ist das Paradebeispiel für das Final Girl, doch hier geht es eben nicht um sie. Sie muss zwar da sein, als letzter Anker zur Normalität, doch sie steht auf verlorenem Posten.

Durch die Regel Namen zu ändern im Irrenhaus, erfährt man erst gegen Ende, wer nun zum ikonischen Killer mutiert. Man muss aber kein Genie sein, um da nicht spätestens beim Beginn der Flucht drauf zu kommen. Man muss dann als Zuschauer auch fast zu ihm halten, denn außer der doch eher beliebigen Heldin, gibt es hier nur unsympathische, wahnsinnige und abstossende Figuren. Der Grad der gezeigten Gewalt ist zwar hoch, jedoch nie übertrieben.

Lili Taylor (Pubilc Enemys) als Verna serviert ihre Abartigkeiten mit einer Selbstverständlichkeit, dass man fast Angst bekommen könnte. Dass man mit ihr nicht verhandeln kann und sie ihren eigenen Regeln folgt, ist völlig klar. Stephen Dorff (Blade) als Sheriff ist auf Grund seiner Verbitterung längst selbst so radikal geworden, dass man ihn schon nicht mehr, als einen von den Guten bezeichnen kann.

Vanessa Grasse (Roboshark, It Came from the Dessert) spielt Lizzy naiv, aber mit starkem Helfersyndrom und Gerechtigkeitssinn versehen und sie kann einem wirklich nur Leid tun, in dieser kranken Welt. Sam Strike (Monster Party) als Jackson ist spannend, da er versucht seine irren Kollegen zu bremsen, jedoch selbst auch ziemlich ausflippen kann. Sämtliche Darsteller überzeugen durch ihre Ernsthaftigkeit und wie sehr sie sich in ihre Rollen hinein „schmeißen“.

Insgesamt für mich daher ein Film, bei dem – wie zu erwarten war – das Böse die Vorherrschaft hat und am Ende auch gewinnt. Die Reise dorthin fühlt sich aber doch anders an als bekannt und wenn es das Ziel war den Menschen hinter der Maske/Bestie zu zeigen, dann ist dies sicherlich gelungen. Wer die beiden Regisseure kennt der weiß sowieso schon, dass man sich nach dem Genuss einer ihrer Filme, nicht wirklich gut fühlt.

„Leatherface“ bekommt von mir 6/10 dem Täter auch die Opferrolle zusprechende Empfehlungspunkte.


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