Flight (Filmkritik)

Als das Flugzeug des Piloten Whip Whitaker (Denzel Washington) in einem schweren Unwetter eine Fehlfunktion hat, vermeidet Whitaker durch ein waghalsiges Flugmanöver einen Absturz und rettet durch eine kontrollierte Bruchlandung fast allen Passagieren das Leben. Doch der Pilot war zum Zeitpunkt des Flugs betrunken und hatte Kokain im Blut, was bei den Ermittlungen eines Untersuchungs-Ausschusses ans Tageslicht zu kommen droht.

Flight

Eins gleich mal vorweg. „Flight“ war nun so gar nicht der Film, den ich mir erwartet habe. Ich rechnete mit einem Drama rund um einen Flugzeugabsturz, letztendlich sah ich dann eine Charakterstudie eines gebrochenen Mannes, der so oft Lügen erzählt, dass er sie schließlich selbst glaubt. Zwar wäre mir persönlich die Geschichte, die der Trailer erzählt hat lieber gewesen, doch die tatsächliche Geschichte war so mitreißend, dass es im Endeffekt egal war.

„Flight“ basiert lose auf der Geschichte von zwei Flugzeugabstürzen. Da wäre einerseits der Absturz eines Passagierflugzeugs in Alaska im Jahr 2000, wo die Piloten wie im Film versuchten, das Flugzeug bei klemmendem Höhenruder auf den Rücken zu drehen. Dies missglückte allerdings und es überlebte niemand den Crash. Der zweite (Beinahe-) Absturz war 2001 in Canada, bei dem der Pilot ein Flugzeug mit über 300 Passagieren sicher landete, danach aber von den Medien verfolgt wurde und von ihnen mit seiner kriminellen Vergangenheit konfrontiert wurde.

Regie führt Robert Zemekis, der unter anderem die „Zurück in die Zukunft“-Triologie drehte. Er beweist hier, dass es in Hollywood möglich ist, einen Film mit einem Budget von „nur“ 30 Millionen Dollar wirklich gut aussehen zu lassen. Das animierte Flugzeug, der Sturzflug und der Crash sahen sehr realistisch aus. Doch schon kurz nach dem Absturz wird dieser fast komplett beiseite gelassen und man konzentriert sich auf Captain Whip Whitaker und seinen Kampf gegen seine inneren Dämonen. Genial war übrigens eine Szene, in der der Zuseher bei den beiden Piloten im Cockpit ist und sieht, wie in leichter Zeitlupe ein Kirchturm langsam ins Blickfeld kommt und schließlich von einem Flügel zertrümmert wird.

Denzel Washington („Safe House„) spielt den Flugzeugpiloten Whip Whitaker, der obwohl er auf Alkohol und Drogen ist, ein Flugzeug nach einer Fehlfunktion des Höhenruders durch ein waghalsiges Flugmanöver vor einem Absturz in ein dicht besiedeltes Häusergebiet bewahrt. Da der Film in Amerika spielt, ist es natürlich immens wichtig einen Sündenbock zu finden, damit sich die Schadensersatzklagen, die schnell mal in die Millionen gehen, in Grenzen halten. Was käme da mehr gelegen als ein betrunkener Pilot, der zwar fast alle Passagiere rettete, was für die Anschuldigungen aber keine Rolle spielt? Schnell schaltet Whip’s Auftraggeber in den Schadenbekämpfungsmodus und schafft es so Whip vorrübergehend aus dem gröbsten raus zu halten. Doch rasch muss auch Whip erkennen, dass er sein eigenes Leben keineswegs unter Kontrolle hat, und dass es absolut nichts bringt, sich selber anzulügen.

Kelly Reilly („Sherlock Holmes“) spielt Nicole Maggen, eine Heroin-Abhängige, die Whitaker im Spital aufgabelt, nachdem sie nicht mehr weiß, wo sie hin soll. Es ist natürlich die beste Idee überhaupt als ehemaliger Junkie mit einem Süchtigen zusammen zu leben, der nicht die Notwendigkeit eines Entzugs erkennt, aber naja. Ihren Charakter fand ich mehr oder weniger überflüssig und irgendwie wirkte es, als wollten die Produzenten unbedingt noch eine Frau in diesem Film unterbringen.

Bruce Greenwood („Star Trek“) hat nicht wirklich viel zu tun, außer ein wenig das schlechte Gewissen in Whitaker zu wecken und enttäuscht zu gucken, wenn der Pilot mal wieder high ist. John Goodman („Argo“) als Drogendealer stellt eine Art Comic-Relief dar, wenngleich ich es bedenklich finde, in welcher Genauigkeit die Szenen gezeigt werden, in denen diverse Drogen geschnupft oder geraucht werden.

Fazit: Der Plot ist stellenweise sehr vorhersehbar und hat auch deutliche Längen (Denzel Washington beim Rauchen und Saufen zuzusehen wird irgendwann langweilig), sieht aber davon ab, dem Zuseher Mitleid mit Whitaker abringen zu wollen, der zwar ein guter Pilot, aber auch ein Junkie ist, der es nicht einmal nach dem Crash schafft clean zu bleiben. Natürlich wird der Film im Trailer als etwas verkauft, dass er dann absolut nicht ist, dennoch ist das Endprodukt gut genug, um darüber hinweg zu trösten.

Der Film „Flight“ bekommt von mir 7/10 flugtaugliche Empfehlungspunkte.


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