Bunraku (Filmkritik)

Schon seit Anbeginn der Zeit brechen immer wieder Streit und Krieg zwischen den Menschen aus und die Wege sich gegenseitig zu töten, wurden im Laufe der Jahre immer zahlreicher. Nach einer kriegsbedingten, globalen Katastrophe entscheiden die übriggebliebenen Regierungen, alle Schusswaffen zu verbieten und die Polizei nur mehr mit Schwertern auszustatten. Der Friede hält jedoch nur für kurze Zeit, denn Gangsterbosse schwingen sich mit brutaler Gewalt schnell an die Spitze der Macht. So auch Nicola (Ron Perlman), der der mächtigste Mann östlich vom Atlantik ist.

Als ein mysteriöser Fremder (Josh Hartnett) in die Stadt kommt und sich mit einem Samurai (Gackt) verbündet, scheint Nicolas unangefochtene Machtstellung zum ersten Mal ernsthaft in Gefahr zu sein. Gemeinsam mit einem Barkeeper (Woody Harrelson), der wie alle Beteiligten noch eine Rechnung mit Nicola offen hat, schmieden die Männer einen Plan, wie sie gegen ihren gemeinsamen Feind vorgehen können.

Bunraku

Der Name Bunraku ist abgeleitet von einem bereits vor hunderten von Jahren erstmals aufgeführten japanischen Puppentheater, indem 1,2 Meter große Puppen mit detaillierten Köpfen von mehreren Puppenspielern bedient werden und diese Spieler mit Roben und Hüten getarnt dann mit dem Hintergrund verschmelzen. Regisseur Guy Moshe begann mit seinen Designentwürfen für den Film bereits im Jahre 2006, doch seine schrägen Ideen fanden zunächst nur wenig Zustimmung und noch weniger Sponsoren. Erfreulicherweise konnten bei Festivals gezeigte erste Bilder doch noch einige Produzenten vom Erfolg dieser Idee überzeugen.

Was nun daraus geworden ist? Ein Hybrid aus Western und Martial Arts Film im „Sin City“ ähnlichen Stil, gepaart mit einer Zirkus/Theater/Bühnen -Gefühl verbreitenden Grundatmosphäre und das alles auch noch im Origami-Style. Was das nun sein soll? Bunraku natürlich! Ein Film, der nicht zwanghaft anders sein will, sondern es völlig locker leicht einfach ist, obwohl er eigentlich eine uns längst bekannte Geschichte der Menschheit erzählt, nämlich dass wir ohne Kämpfe, Wettstreit und im schlimmsten Fall Kriege, anscheinend nicht existieren können.

Gedreht wurde für drei Monate in Rumänien, wo die mehr als dreißig Sets für weniger Geld aufgebaut werden konnten. Obwohl auch einiges hier vor dem Greenscreen entstanden ist hat man doch das Gefühl, einen angenehm altmodisch gefilmten Film zu sehen. Von der vom brasilianischen Künstler Guilherme Marcondes gestalteten Anfangssequenz an wird man sofort in diese eigene Welt hineingesaugt. Bunte Überblendungen, gefaltete Bilder und Kamerafahrten über ganze Stadtteile aus Papier führen von der einen Szene zur nächsten. Die Kämpfe wirken wie Tänze und obwohl die Grundstimmung ernst ist und hier einige ultracoole Typen herumlaufen, ist doch einiges an hintersinniger Ironie zu erkennen.

Eigentlich kann man Bunraku aber sowieso nur schlecht beschreiben, man sollte ihn einfach erleben. Darum lass ich das jetzt auch wieder und werde euch noch kurz über die beeindruckende, hier versammelte Darstellerriege berichten. Über Josh Hartnett (30 Days of Night) kann man denken was man will aber im richtigen Film ist er so gut, dass ich nicht weiß, wer die Sache noch besser hinkriegen würde als er. So auch hier, wo er als wortkarger Fremder nur mit seinem Auftreten für Stille im Raum sorgt, doch unter der Schale natürlich ein ganz Lieber wäre, nur dass er das natürlich niemandem erzählt.

Woody Harrelson (Zombieland, Friends with Benefits) ist am Besten in schrägen Rollen und darum auch oft für die nötige Humordosis in Filmen zuständig. So auch hier, obwohl seine Rolle des fadenziehenden Barkeepers auch durchaus eine tragische Hintergrundgeschichte hat. Er ist einfach dieses sympathische Schlitzohr, dem man in Notsituationen hundertprozentig vertrauen kann. Auch Ron Perlman (Season of the Witch, The Devils Tomb) ist immer eine Klasse für sich, egal ob als Bösewicht oder als Held. Hier brilliert er als alternder, abgebrühter Killer, der endlich wieder eine echte Herausforderung sucht und sein Ziel ehrenhaft im Kampf zu sterben erreichen möchte.

Demi Moore (The Joneses) zeigt als Edelhure wider Willen wie sich Alkohol, verlorene Hoffnung und die verfahrene Gesamtsituation auf die Psyche eines Menschen auswirken. Herrlich wie sie die rechte Hand ihres „Besitzers“ Ron Perlman immer wieder bösartig beleidigt. Diese rechte Hand wird übrigens großartig gespielt von Kevin McKidd (Percy Jackson), der sichtlich seinen Spaß hatte, einen unter der ruhigen Hülle völlig irren und eiskalt agierenden Menschen spielen zu dürfen. Der japanische Musiker und Schauspieler Gackt ist in seiner Heimat wohl ein Star, bei uns kennt ihn aber niemand. Auch er macht seine Sache den Umständen entsprechend gut, da ich seine Figur von den Hauptbeteiligten am wenigsten interessant fand.

Insgesamt auf jeden Fall ein Film, den man entweder liebt oder hasst, ich fand ihn wirklich toll und kann ihn nur allen filmerfahrenen Actionfreunden empfehlen, die Lust haben auf ein vor allem optisch etwas anderes Erlebnis (obwohl z.b. auch mögliche Liebesbeziehungen nicht klischeehaft aufgelöst werden).

Bunraku bekommt von mir 9/10 bunte Papierhelden zelebrierende Empfehlungspunkte.


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