Whiplash (Filmkritik)

Andrew (Miles Teller) ist ein begnadeter Schlagzeugspieler. In einer der renommiertesten Musikschulen des Landes wird er von Terence Fletcher (J.K. Simmons) entdeckt. Der bekannte Jazz-Band-Lehrer nimmt den jungen Andrew fortan unter seine Fittiche. Doch seine ohnehin schon rabiaten Unterrichtsmethoden arten immer mehr in Gewaltexzesse aus. Um Andrew zu Höchstleistungen zu pushen, schikaniert er ihn und treibt ihn bis an seine physischen und emotionalen Grenzen….

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Dieser Film erzählt die Geschichte eines talentierten Drummers, der trotz oder wegen der „Förderung“ seines Lehrers seinen Weg geht. „Whiplash“ war an den amerikanischen Kinokassen keineswegs erfolgreich, wahrscheinlich weil mit der Musik-Richtung Jazz nicht so viele etwas anfangen können. Der Film ging als die unprofitabelste Oscar-Nominierung für den besten Film aller Zeiten in die Geschichte ein.

Regie-Neuling Damien Chazelle hat es mit seinen 30 Jahren weit gebracht und schaffte es in nur 19 Tagen den kompletten Film zu drehen. Chazelle schrieb auch das Drehbuch, dass auf einem Kurzfilm von ihm basiert. Der Regisseur war selber einmal Drummer in einer Jazz-Band und ließ seine persönlichen Erfahrungen in den Film einfließen.

Hier gibt er dem Credo nur durch Leid und Angst entsteht Kunst viel Platz und veranschaulicht, dass die Wörter „guter Job“ keineswegs als Kompliment zu sehen sind. Er nimmt dem Dasein der werdenden Musiker jeden Glanz und Mythos, denn nichts scheint hier erstrebens- oder in irgendeiner Art lebenswert. Der Traum wird zum Horror und eventuell wird aus dem Horror auf lange Sicht einmal der ersehnte Traum und so erinnert mich „Whiplash“ ein Stück weit an „Black Swan“, der ebenso die Sehnsucht und die Hürden seinen Traum zu leben zeigt.

Die Geschichte selber finde ich eher mau bzw. nicht bahnbrechend, was den Film aber dann auszeichnet, ist die herausragende Performance von Miles Teller („Divergent„, er ist übrigens der Mr. Fantastic in dem kommenden „Fantastic Four“-Film), der als Andrew hier wirklich alles gibt. Der Schauspieler spielt hier selber und oft wirkt es, als ob er bis an seine physischen und psychischen Grenzen kommt. Ich habe noch nie so eine intensiv wirkende, musikalische Performance gesehen, wie sein Schlagzeug-Solo am Schluss. Seine Wandlung vom eher introvertierten Bubi zum selbstbewussten Drummer, der seinem Lehrer auch mal Fuck You an den Kopf wirft, ist faszinierend. Als er nach einem Autounfall blutig bei einem Wettbewerb erscheint und dann von Fletcher einen Kopf kürzer gemacht wird, weil er nicht nach seinen Maßstäben spielt, kann man die Spannung förmlich fühlen.

J.K. Simmons (The Closer) als Fletcher lässt hier so richtig das Arschloch raus hängen und ist so dermaßen unsympathisch, dass man am Liebsten in die Leinwand greifen möchte, um ihn zu ohrfeigen. Der Charakterschauspieler tobt sich so richtig aus und man merkt, dass die Chemie mit Teller am Set stimmte, denn die Stimmung die hier herrscht wirkt wie elektrisch geladen und ist beinahe zum Schneiden. Wenn er in einen Raum kommt, eilt ihm sein Charisma mindestens 2 Schritte voraus und man kann verstehen, warum alle Schüler in seiner Band betreten auf den Boden schauen, wenn er mit Jemanden ein Hühnchen zu rupfen hat und wie ein Drill-Sergeant eine Beleidigung nach der anderen vom Band lässt. Die Balance zwischen Fördern und Fordern hat Fletcher schon lange verloren und bietet nur Peitsche vollkommen ohne Zuckerbrot. Zurecht gabs hier eine Nominierung für den Oscar als besten Nebendarsteller.

Fazit: „Whiplash“ zeigt unbarmherzig, dass Talent keineswegs alles ist und dass der Weg zur Perfektion durchaus einmal mit Ohrfeigen und geworfenen Instrumenten gekoppelt sein kann. Die fesselnden Performances der beiden Hauptdarsteller machen den Film sehenswert und ich kann verstehen, warum „Whiplash“ für 5 Oscars nominiert ist.

Dieser Film bekommt von mir 8/10 rhythmischen Punkten.


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